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Studie: E-Mobilität halbiert Aftersales-Umsatz im Jahr 2035

| Autor: Andreas Grimm

Dass die Elektromobilität das Aftersalesgeschäft einschränken wird, ist bekannt. Doch wie einschneidend die Entwicklung sein könnte, zeigt eine Langfriststudie von Deloitte. Hersteller und Autohäuser müssen sich dringend neue Geschäftsfelder suchen.

Der Elektromotor besteht schon noch aus zahlreichen Teilen, doch die verschleißen kaum noch.
Der Elektromotor besteht schon noch aus zahlreichen Teilen, doch die verschleißen kaum noch.
(Bild: Renault)

Der Elektroantrieb und neue Mobilitätsdienste lassen den Gewinn der Autobauer, aber auch der Vertriebs- und Servicenetze schrumpfen. Einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte zufolge droht im Aftermarket in 15 Jahren ein Umsatzrückgang von 55 Prozent. Der Gewinn halbiert sich laut der Studie „Future of Sales and Aftersales“. Sie untersucht, wie sich die vier Megatrends der Branche – Konnektivität, alternative Antriebe, Carsharing und autonomes Fahren – bis 2035 auf das herkömmliche Geschäftsmodell der Branche auswirken werden.

Die Studie geht dabei von der Annahme aus, dass im Jahr 2035 etwa 40 Prozent der Neuwagen mit einem alternativen Antrieb (E- oder H-Fahrzeug) ausgestattet sind. Da diese Fahrzeuge weniger Wartung und Reparaturen brauchen, sinken die Aftersales-Umsätze für einen durchschnittlichen Fahrzeughersteller im deutschen Markt um 84 Prozent. Entsprechend kräftig sinkt der Gewinn.

Gleichzeitig halbieren sich die Umsätze im hoch profitablen Ersatzteilgeschäft, da Elektroautos weniger Verschleißteile haben als herkömmliche Fahrzeuge. Lediglich im Reifengeschäft ist ein Umsatzplus bei steigenden Fahrleistungen bei automatisierten Pkw denkbar. „Die Automobilhersteller müssen sich jetzt darauf einstellen und ihren Vertrieb sowie das Werkstattgeschäft auf die neue Mobilität ausrichten. Sonst geht ihnen ein erheblicher Teil des Geschäfts verloren“, heißt es in der Studie.

Dass gleichzeitig der klassische Autohandel aus Sicht der Studie weiter unter Druck geraten wird, ist angesichts der Aftersales-Entwicklung dann fast schon Normalität. Die dafür ursächliche Entwicklungen sind ja bereits längst im Gange: die steigenden Bedeutung von Carsharing- und anderen Mobilitäts-Services wie urbanen Shuttle-Diensten oder auch das weitere Wachstum von unabhängigen Vermittlern. Letztlich prognostiziert die Studie einen weiteren Rückgang der Gewinne im Fahrzeugverkauf um etwa 50 Prozent.

Handel wird umgangen

Die Verlierer in dem großen Spiel um die Kunden sind aus Sicht der Studie die Händler. Denn die Autobauer werden versuchen, eigene Online-Verkaufskanäle zu etablieren und das Direktgeschäft unter Umgehung des traditionellen Autohandels auszubauen. „Dadurch können sie ihre Vertriebskosten senken, vermeiden den Wettbewerb zwischen den eigenen Händlern und steigern so die Gewinnmarge im Vertrieb“, heißt es.

Gleichzeitig wird das Firmenkundengeschäft immer wichtiger werden. 2035 werden mehr als die Hälfte aller Neuwagen an Firmen und Flotten verkauft, erwartet Deloitte. Damit wächst zugleich die Bedeutung des Leasing- und Kreditgeschäfts, was wiederum den Herstellerbanken zugutekommen dürfte.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«