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Tempo-300-Sportwagen: Die Supercars der 80er

Autor / Redakteur: sp-x / Jakob Schreiner

Bis weit in die 1980er Jahre hinein hatte sich die Autoindustrie ein Höchstgeschwindigkeits-Limit von 250 km/h quasi freiwillig auferlegt. Einigen Hersteller war das aber nicht genug. Porsche und Ferrari durchbrachen als erste die 300-km/h-Schallmauer – kurze Zeit später folgten weitere Autobauer.

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Lamborghini Countach Quattrovalvole
Lamborghini Countach Quattrovalvole
(Bild: Lamborghini)

Ausgerechnet in den Achtzigern, jenem Jahrzehnt der Diskussionen um Katalysatorpflicht, Ölpreiskrisen und striktere Tempolimits war die Sportwagenwelt im Geschwindigkeitsrausch. Der Vmax-Himmel begann nun oberhalb von 300 km/h, einer lange Zeit magischen Marke, die 1987 von den Tachonadeln gleich mehrerer Supercars getoppt wurde. Zwar hatten Ferrari, Lamborghini oder Iso Rivolta ihren Kunden dieses Tempo schon seit fast zehn Jahren versprochen, es blieb aber ein Wunschdenken, das erst jetzt Wirklichkeit wurde.

Eröffnet wurden die Vmax-Festspiele im Frühjahr 1987 vom 331 kW/450 PS starken Porsche 959, den die Fachpresse und prominente Fahrer wie Stardirigent Herbert von Karajan auf 315 km/h beschleunigten. Ein Bestwert, der nur bis Juli 1987 Bestand hatte, denn dann stieß Enzo Ferraris letztes großes Werk, der F40, mit 324 km/h in höhere Vmax-Sphären vor. Vollgas-Ansagen, auf die der keilförmige Lamborghini Countach trotz Nachschärfung keine überzeugende Antwort fand.

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Wohl aber ein mit 349 km/h gemessener Jaguar XJ 220 und vor allem der über 350 km/h schnelle Bugatti EB 110, den sich sogar Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher für seine Garage gönnte. Bugattis fast schon irrsinnig hohe Preisforderung von rund 700.000 Mark irritierte Schumacher offenbar nicht, vielleicht weil für den Jaguar XJ 220 ebenso wie für gebrauchte (!) Porsche 959 sogar ein Millionenbetrag fällig geworden wäre.

400 km/h theoretisch möglich

Heute, in der Ära von Bugatti Chiron, Koeniggsegg Regera und rasenden Tuning-Projekten wie 9ff GT9, können Sportwagenfans nur mitleidig lächeln, wenn an die einstige, undurchdringliche 300 km/h-Schallmauer erinnert wird. Schließlich brennen die Boliden des 21. Jahrhunderts längst die Zahl 400 in den Asphalt – theoretisch. Echte Messfahrten sind mit diesen Tempogiganten mangels geeigneter Pisten meist gar nicht mehr möglich und selbst von einem Bugatti-Rekordfahrer auf dem VW-Versuchsgelände Ehra-Lessien wurde berichtet, dass Autos in Tempobereichen jenseits von 400 eigentlich nichts zu suchen haben. Schließlich sei man dann mehr Passagier als Fahrer.

Gleiches wussten Piloten italienischer Hypersportler zu erzählen, die sich ab Ende der 1960er Jahre auf öffentlichen Straßen an die 300-km/h-Marke herantasteten – sie dann aber aus anderem Grund verfehlten. Es fehlte den Geschossen schlicht an genügend Muskelmasse bzw. PS, um die Prospekt-Versprechen einzulösen. Weder dem Iso Grifo gelangen die 300 noch dem ab 1974 verkauften Lamborghini Countach.

Mythos Lamborghini Countach

Im Testalltag war der von Marcello Gandini als messerscharfer Keil gestaltete Countach nur 288 km/h schnell, was dem Lambo aber immer noch reichte, um sich bis 1987 als rasantester - und lautester (95 Phon (dBA) bei 200 km/h) – Sportwagen der Welt würdigen zu lassen. Wurde der 441 kW/600 PS starke Prototyp Countach Evoluzione doch damals in Nardo mit einem Rundendurchschnitt von 314,1 km/h registriert. Wohlgemerkt war es ein Prototyp, aber dessen Messwerte überhöhten den Mythos Countach derart, dass sich die Serien-Countach fortan besser denn je verkauften und viele Lambo-Fans die Realität schlicht ignorierten.

Etwa den schon 1984 eingeführten Ferrari 288 GTO, der ein Resultat der wildesten Rallye-Bewegung aller Zeiten war. Sorgte doch damals die berüchtigte Gruppe B für Furore, in dem sie bis zu 600 PS starke Fahrzeuge auf die Pisten schickte – bis tödliche Unfälle zum Aus führten. Nicht so für die straßentauglichen Homologationsversionen der Gruppe-B-Sportler, die etwa als 305 km/h schneller Ferrari 288 GTO und als Porsche 959 mit Biturbo-Boxer in den Handel kamen.

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