Tempo-Assistenten: Gut, aber nicht gut genug

Verkehrszeichenerkennung funktioniert nicht immer

| Autor: Jan Rosenow

Die neue Mercedes-Benz S-Klasse erkennt Tempolimits und dazugehörige Informationen.
Die neue Mercedes-Benz S-Klasse erkennt Tempolimits und dazugehörige Informationen. (Bild: Daimler AG)

Das automatisierte Fahren lässt sich nur dann verwirklichen, wenn das Auto Tempolimits sicher erkennt und zuverlässig einhält. Obwohl eine Verkehrszeichenerkennung per Kamera und GPS-Daten schon heute in vielen Modellen vorhanden ist, funktioniert diese Technik noch nicht gut genug, um sich allein darauf zu verlassen. Das hat der ADAC in einer Studie an fünf aktuellen Autos herausgefunden, die mit einem Intelligenten Geschwindigkeitsassistenten ausgestattet sind.

Theoretisch können solche Assistenten vor allem auf der Autobahn für einen erheblichen Komfortgewinn sorgen. Denn auf rund 30 Prozent der Streckenlänge im BAB-Netz gelten Tempolimits. Die häufig wechselnden Limits zu erfassen und einzuhalten ist für viele Fahrer schwierig und anstrengend.

Durchschnittlich zehn Prozent Fehlerquote

Der ADAC hat fünf aktuelle Fahrzeuge mit intelligenten Geschwindigkeitsassistenten untersucht: Audi A4, BMW 7er, Ford Galaxy, Mercedes S-Klasse und VW Arteon. Ziel war es, die Erkennungsrate von Tempolimits und das Eingriffsverhalten im Realverkehr zu prüfen. Dabei mussten die Systeme stationäre und temporäre Verkehrszeichen, aber auch Spielstraßen, Ortsein- und -ausfahrten, bedingte Limits (z. B. 100 km/h bei Nässe) und elektronische Wechselverkehrszeichen richtig erkennen.

Das Ergebnis ist zwar gut, aber nicht gut genug. Mit einer Fehlerquote von durchschnittlich zehn Prozent ist der Nutzen der Systeme, gerade auf Strecken mit häufig wechselnden Limits, noch gering.

Große Unterschiede im Eingriffsverhalten

Doch die ADAC-Ingenieure testeten nicht nur die Erkennungsleistung, sondern auch das Eingriffsverhalten der Assistenten. Hier zeigten sich noch größere Unterschiede: Während Ford die Geschwindigkeit lediglich auf die aktuellen Tempolimits drosselt (sozusagen die „Blitzer-Versicherung“), wird bei Audi, Mercedes und VW die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit ins ACC übernommen und zusätzlich dem Straßenverlauf angepasst.

Am zurückhaltendsten zeigte sich der Assistent von BMW, der je nach Situation neue Geschwindigkeiten vorschlägt. Der Fahrer muss diese jedoch jedes Mal per Knopfdruck bestätigen, um sie ins ACC zu übernehmen. Dies hat immerhin den Vorteil, dass falsch erkannte Geschwindigkeitslimits nicht automatisch übernommen werden. Die S-Klasse hingegen zeigte, was technisch möglich ist. Vor allem auf Autobahnen und Landstraßen regelte sie die Geschwindigkeit selbstständig und nahezu perfekt, sodass der Fahrer nur in ganz seltenen Fällen eingreifen musste. Eine Zwangsbremsung führte kein System aus.

Einweisungsfahrt statt Fahrzeugübergabe

Die unterschiedliche Arbeitsweise der Speed-Assistenten zeigt erneut, dass die Verbraucher die Arbeitsweise und Grenzen des System genau kennen müssen, wenn sie es nutzbringend einsetzen wollen. Und hier kommen auch die Händler ins Spiel. Wer seine Kunden mit der Funktionsweise der Fahrerassistenzsysteme ihres Neuwagens vertraut machen will, der wird zukünftig statt der bloßen Fahrzeugübergabe eine Einweisungsfahrt in Erwägung ziehen müssen.

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