Tests decken erhebliche Probleme mit RDKS auf

Autor: Jan Rosenow

Die Umweltorganisation TE hat indirekt messende Reifendruckkontrollsysteme nachgeprüft und festgestellt, dass sie unter normalen Fahrbedingungen nicht funktionieren.

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(Bild: Rosenow)

Die Umweltorganisation Transport & Environment (TE) hat, wie bereits kurz berichtet, zwei Fahrzeuge mit indirekt wirkendem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) geprüft und festgestellt, dass das Sicherheitssystem bei Bedingungen, die von der genormten Typprüfung abweichen, nur unzureichend funktioniert. Die Testfahrzeuge waren ein VW Golf und ein Fiat 500 L. Die Organisation verglich die Arbeitsweise des indirekten RDKS inzwischen mit den Abschalteinrichtungen in zahlreichen Dieselfahrzeugen, die zur Dieselaffäre geführt hatten.

Während die beiden Autos die Überprüfung nach den Regularien der für RDKS geltenden ECE-R64 problemlos bestanden, fielen sie bei abweichenden Bedingungen durch. Insgesamt nutzte TE 16 unterschiedliche Testszenarien, bei denen der Fiat kein einziges Mal, das VW-Modell nur zwei Mal korrekt vor einem Minderdruck warnte. Auch die Defektanzeige des RDKS leuchtete nicht auf.

Indirekte Systeme werten lediglich die Drehzahlen und Frequenzen der Räder aus und schließen damit auf Druckunterschiede. Das grundsätzliche Problem ist, dass die Eigenschaften der verwendeten Reifen – vor allem Steifigkeit, Durchmesser und Eigenfrequenz – sehr genau bekannt sein müssen, damit das RDKS korrekt arbeiten kann. Konstruktions- und herstellungsbedingte Unterschiede zwischen den vielen Reifen auf dem Markt führen aber zwangsläufig zu Differenzen in den Messwerten, ohne dass sich daraus gleich auf einen Druckverlust schließen lässt.

Die grundsätzlichen Nachteile der indirekten Reifendruckkontrollsysteme sind Fachleuten schon lange bekannt – und damit wohl nicht nur ein Problem der beiden getesteten Fahrzeuge. Noch im Jahr 2013 – nur ein Jahr vor Inkrafttreten der EU-Richtlinie 661/2009 für alle Neufahrzeuge – war sich fast die gesamte Automobil-, Zulieferer- und Reifenbranche sicher, dass diese Technik nicht exakt und zuverlässig genug ist, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Continental beispielsweise hatte damals die Forschung daran eingestellt und sich auf direkt messende Systeme konzentriert.

VW-Konzern setzt auf indirektes RDKS

Der VW-Konzern entschloss sich damals als einer von wenigen Autoherstellern, indirekte Systeme als Serienausstattung einzuführen. Ein Audi-Vertreter erklärte im Jahr 2013 auf einer Tagung, dass interne Messungen seines Unternehmens keine großen Probleme mit unterschiedlichen Reifentypen ergeben hätten – allerdings hätte man „auch nicht jeden Reifen getestet“.

Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass die systemimmanenten Probleme letztlich nicht gelöst, sondern nur die Warnschwelle relativ hoch gelegt wurde, um den Kunden nicht durch eine Vielzahl von unnötigen Meldungen zu verärgern. So sieht das auch die Umweltorganisation TE.

Strengere RDKS-Vorschriften dürften bald kommen

Die schlechte Performance indirekter RDKS ist bereits ein Thema für die für kraftfahrzeugtechnische Vorschriften zuständige Organisation Unece. So sollen beispielsweise die Anforderungen an Reifendruckkontrollsysteme aus der ECE-R64 ausgegliedert und in einer eigenen Richtlinie zusammengefasst werden. Dort wird sich dann auch die Weisung finden, dass das RDKS die Anforderungen „über eine große Bandbreite an Straßen- und Umweltbedingungen erfüllen muss“.

TE fordert, diese neue Richtlinie bereits 2017 für neue Modelle und 2018 für alle Neuwagen anzuwenden. Außerdem solle die Regel, dass das System auch mit allen Ersatzmarkt-Reifen funktionieren muss, aufgenommen werden.

Den Report und die Messergebnisse von Transport & Environment finden Sie hier.

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Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group