431 PS Systemleistung
Doch fünf Liter Hubraum, eine Systemleistung von 431 PS und ein maximales Drehmoment von 510 Nm aus dem Verbrenner und 300 Nm aus den E-Maschinen sind selbst bei 2,4 Tonnen Leergewicht allemal genug; erst recht, wenn man ohnehin nirgends schneller als 120 km/h fahren darf. Und weil man sich von nichts und niemandem mehr hetzen lassen muss, wenn man es einmal in den Century geschafft hat: Wer hier hinten links in seinem weichen Sessel lümmelt, der ist unabhängig von der Destination am Ziel und selbst Herr seiner Zeit.
Und selbst wer kein Kaiser ist und auch kein Unternehmensführer, ist im Century Herr über ein riesiges Reich: Für die eher klein gewachsenen Japaner reicht es im Fußraum des Fonds wahrscheinlich zum Tai-Chi. Und spätestens wenn sich der Beifahrersitz auf Knopfdruck wie ein Origami-Kunstwerk fast ins Handschuhfach faltet und sich stattdessen ein Ottomane entblättert, lümmeln auch Langnasen so bequem im Century wie sonst nur in Maybach oder Rolls.
Noch bemerkenswerter als das Auto selbst ist aber die Tatsache, dass es so etwas wie den Century bei Toyota überhaupt gibt. Denn für eine Marke, die sonst in Millionen-Chargen denkt, ist so ein exklusiver Exot buchstäblich ein Luxus. Erst recht, weil das Flaggschiff so gar nicht in die durch und durch rationalisierte Fertigungswelt passt, sondern ganz traditionell weitgehend von Hand montiert wird. Mit Liebe, Stolz und unendlich viel Zeit.
Produktion dauert mehrere Wochen
Allein das modellieren des Phönix auf der Kühlerplakette, der inspiriert ist vom Kinkaku Tempel in Kyoto, dauert angeblich fünf Wochen, die Bleche werden nicht gestanzt und gepresst, sondern mit dem Hammer in Form gebracht und für das Auftragen, Nassschleifen und Trockenpolieren der sieben Schichten Kamui-Lackes mit dem schönen Namen „ewiges Schwarz“ lässt sich ein erfahrener Mitarbeiter fast eine Woche Zeit. So ist es kein Wunder, dass die Produktion jedes einzelnen Century mehrere Wochen dauert. Und umso verwunderlicher ist der Preis, der mit 19,6 Millionen Yen oder umgerechnet gut 160.000 Euro plötzlich gar nicht mehr so hoch erscheint.
Für den Aufstieg in den automobilen Adelsstand jedenfalls ist das ein vergleichsweise bescheidener Preis: Aber so nah man sich dem kaiserlichen Adel im Century auch fühlt und so erlesen die Kundschaft bei gerade einmal 50 Autos im Monat auch sein mag, wird man allerdings nie vollends bei ihm ankommen. Denn erstens fährt der Tenno neuerdings in einem Century Cabrio, das ein echtes Einzelstück ist und ihm eigens zur Inthronisation gebaut wurde, und zweitens kommt er mit seinem Century weiter als jeder weltliche Würdenträger. Denn während im alle Türen offenstehen, ist unsere Testfahrt spätestens an den Toren des Palastes zu Ende.
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