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Toyota Century: Heute ein Kaiser

| Autor / Redakteur: sp-x / Yvonne Simon

Der Toyota Century ist etwas ganz besonderes. Denn der berühmteste Besitzer der Luxuslimousine aus Japan ist der Kaiser persönlich. Und viel mehr als ein paar hundert Autofahrer im Jahr tun es ihm nicht gleich. Aber gerade deshalb macht der Exot, wo er aufläuft, so einen großen Staat.

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Der Toyota Century fällt im Straßenverkehr auf.
Der Toyota Century fällt im Straßenverkehr auf.
(Bild: Toyota)

Toyota und Luxus, das sind zwei Worte, die einem schwerlich gemeinsam über die Lippen gehen. Denn so solide und erfolgreich, so konsequent auf Sparsamkeit getrimmt und neuerdings sogar mutig gezeichnet die Autos der Japaner auch sind, kann man mit ihnen in der Prestige-Wertung kaum punkten. Und selbst mit der noblen Schwester Lexus machen sie gegen Audi, BMW und Mercedes nur schwerlich einen Stich. Doch es gibt eine Ausnahme: den Century.

Zwar nur in Japan gebaut und dort auch nur in winzigen Stückzahlen verkauft, tritt er nicht gegen S-Klasse & 7er an, sondern steht auf einer Stufe mit einem Rolls-Royce Phantom oder einem Bentley Mulsanne. Und das liegt nicht allein am biblischen Alter und am barocken Auftritt der Baureihe, sondern nicht zuletzt am prominentesten Kunden. Denn kein geringerer als der Kaiser persönlich hat sich zum obersten Werbeträger für das Flaggschiff der japanischen Autoindustrie aufgeschwungen.

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Das wirkt, selbst wenn ausnahmsweise mal ein Normalsterblicher mit dem Luxusliner chauffiert wird: Wo man sich eben noch mühsam durch den Stau gequält hat, fährt man jetzt wie mit einer unsichtbaren Eskorte fast störungsfrei durch die Stadt, so bereitwillig halten die anderen Verkehrsteilnehmer ehrfürchtigen Abstand.

Den braucht man allerdings auch. Denn während die deutschen Premiumlimousinen mit Allradlenkung handlich werden und sogar so etwas wie Fahrspaß bieten, ist der Century ein Straßenkreuzer nach alter Väter Sitte, in dem sich alles um die Hinterbänkler dreht. Während der Chauffeur vorne richtig arbeiten muss, um den langen Lulatsch durch die engen Straßen von Tokyo zu zirkeln, ist man im Fond wie in Watte gepackt und auf Wolken gebettet und schwebt eher durch die Stadt als dass man fährt. So muss sich ein Kaiser fühlen, wenn er von seinen Untertanen auf Händen getragen wird.

Das Zeitgefühl bleibt dabei vollkommen auf der Strecke – und zwar gleich aus mehreren Gründen. Weil das Auto zwar gerade erst neu aufgelegt wurde und noch kein Jahr auf der Straße ist, aber ganz nach dem Geschmack der konservativen Kunden in der Regierung, den Konzernzentralen und der Unterwelt hoffnungslos altmodisch ist – mit den Wollpolstern unter den blütenweißen Häkeldeckchen, den Displays mit der Qualität der ersten Gameboys oder dem Schuhlöffelhalter an der B-Säule. Vom fast schon barocken Design und den strengen Stufenschnitt der 5,34-Meter-Limo ganz zu schweigen. Weil unter der Haube zwar leider nicht mehr der famose Zwölfzylinder steckt, den sich Toyota eigens für die letzte Generation des Luxusliners geleistet hat, sondern sich nun auch der Century dem Hybrid-Diktat beugt und deshalb mit dem V8-Tandem aus dem Lexus LS an den Start geht.

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