Fahrbericht Toyota Mirai: Schöner emissionsfrei fahren

Autor: Julia Mauritz

Die zweite Generation der Brennstoffzellenlimousine hat in puncto Preis, Reichweite, Technik und Design einen großen Sprung nach vorn gemacht. Das Gesamtkonzept überzeugt – doch ein Problem bleibt.

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Seit Februar ist der neue Mirai erhältlich. Die Preise starten bei 63.900 Euro.
Seit Februar ist der neue Mirai erhältlich. Die Preise starten bei 63.900 Euro.
(Bild: Mauritz/»kfz-betrieb«)

Beim ersten Blick auf den Mirai muss man gleich zweimal hinschauen: Ist das echt ein Toyota? War die erste Generation des Brennstoffzellenautos, die von 2014 bis 2020 produziert wurde, eher ein hässliches Entlein, ist die zweite, breitere und flachere Mirai-Generation ein anmutiger Schwan, der durchaus auch das Lexus-Emblem tragen könnte. Tatsächlich war Letzteres zumindest zu Beginn der Entwicklungsphase geplant. Doch Toyota-CEO Akio Toyoda entschied sich dann noch um.

Anders als der Ur-Mirai ist die neue Generation der Brennstoffzellenlimousine, die seit Februar 2021 auch in Deutschland erhältlich ist, für Toyota inzwischen ein Volumenmodell. Der japanische Hersteller hat das jährliche Produktionsvolumen glatt verzehnfacht: von 3.000 auf 30.000 Einheiten. Für den deutschen Markt sind für 2021 dabei zwischen 500 und 600 Einheiten eingeplant. Die Preise des Mirai überraschen – und zwar im positiven Sinn: Sie starten bei 63.900 Euro; und dabei ist die Innovationsprämie in Höhe von 7.500 Euro noch nicht abgezogen. Im Vergleich zum Mirai der ersten Generation ist der Einstiegspreis damit um 18.000 Euro gesunken.

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Vertrieben wird auch der Mirai der zweiten Generation über ein Direktvertriebsmodell. Allerdings gibt es gut 50 deutsche Toyota-Händler, die als Stützpunkthändler fungieren und unter anderem die Fahrzeuge ausliefern und Vorführwagen vorhalten. Als Grund für dieses außergewöhnliche Vertriebsmodell nennt ein Toyota-Sprecher die hohe Komplexität bei den Förderungen, die sich zum Teil sogar innerhalb eines Bundeslands unterscheiden. Denn nach wie vor kaufen oder leasen im Regelfall keine Privatkunden den Mirai, sondern Flottenkunden beziehungsweise Behörden.

Das hat einen Grund: die nach wie vor geringe Dichte an Wasserstofftankstellen in Deutschland. Gerade einmal 91 davon gibt es aktuell in Deutschland. 15 weitere werden gerade neu gebaut. Zum Vergleich: Fossile Kraftstoffe gibt es hierzulande an knapp 14.500 Tankstellen. Gerade in ländlicheren Gebieten muss man so teils unverhältnismäßig lange Strecken zurücklegen, um Wasserstoff tanken zu können. Von Bad Kreuznach beispielsweise, wo die Testfahrt mit dem Mirai stattfand, war die nächstgelegene Tankstelle knapp 50 Kilometer entfernt.

650 Kilometer Reichweite

Was die Reichweite betrifft, hat der Mirai unter den emissionsfreien Modellen die Nase vorne. 650 Kilometer weit kommt das knapp fünf Meter lange Auto laut WLTP. Zum Vergleich: Die erste Mirai-Generation schaffte nur rund 500 Kilometer.

In puncto Fahrleistung ist die Limousine mit ihrem 134 kW/182 PS starken Elektromotor nicht ganz so sportlich, wie es die Optik vermuten lässt. Bei einem beherzten Tritt auf das Gaspedal braucht der gut 1,9 Tonnen schwere Mirai 9,2 Sekunden, um verzögerungsfrei von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen – Schluss ist bei 175 km/h. Auf der Testfahrt, die vorwiegend auf Landstraßen stattfand, verbrauchte der Mirai knapp 1 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometern. Toyota gibt den kombinierten Wasserstoffverbrauch mit 0,89 bis 0,79 Kilogramm pro Kilometer an. Ein Kilo Wasserstoff kostet dabei rund 9,50 Euro. Die Dauer für einen Tankvorgang gibt der Hersteller mit drei bis fünf Minuten an.

Bezüglich des Fahrverhaltens machte die Brennstoffzellenlimousine auf der Testfahrt selbst auf sehr kurvigen Passagen eine durchweg gute Figur. Das Modell basiert auf der GA-L-Plattform, die Toyota für Modelle mit einem Heckantrieb konzipiert hat. Diese sorgt für ein agiles und zugleich stabiles Fahrverhalten, und zwar durch die neue, gewichtstechnisch ausbalancierte Anordnung von Brennstoffzelle, Hochvoltbatterie, Elektromotor und insgesamt drei Tanks, die zusammen 5,6 Kilogramm Wasserstoff fassen.

Im Innenraum punktet der Mirai, der in drei Ausstattungsvarianten erhältlich ist, mit einem edlen Ambiente. Dieses hat durchaus Oberklasseniveau. Der Materialmix ist stimmig, das Cockpit mit seinem 12,3 Zoll großen Touchscreen in der Mittelkonsole ist übersichtlich und nicht mit Bedienelementen überfrachtet. Die Sitze sind bequem, und die Geräuschkulisse ist so niedrig, dass die Limousine geradezu prädestiniert ist für lange Fahrten.

Kleiner Kofferraum

Konzipiert ist das Brennstoffzellenfahrzeug für fünf Passagiere. Allerdings muss der Passagier, der im Fond auf dem Mittelsitz Platz nimmt, durch den breiten Mitteltunnel Einbußen beim Sitzkomfort hinnehmen. Auch Insassen mit einer Körpergröße von über 1,80 Metern dürften aufgrund der geringen Kopffreiheit wenig Freude im Mirai haben – vor allem wenn das Fahrzeug mit einem Panoramadach ausgestattet ist. Letzteres ist serienmäßig im getesteten Topmodell Mirai Advanced eingebaut, das 73.900 Euro kostet. Recht klein fällt auch der Kofferraum aus. Während das Ladevolumen beim Tesla Model S 793 Liter beträgt, schluckt der Mirai-Kofferraum gerade einmal 300 Liter.

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