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Trotz Mitarbeiterprotesten: Conti schließt Werke

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Der Zulieferer Continental sieht keine Zukunft mehr für mit die Hydraulik-Technik für Verbrennungsmotoren. Entsprechende Produktionsstätten werden geschlossen. Die betroffenen Mitarbeiter protestieren, Arbeitnehmervertreter kritisieren den „überhasteten Umbau“.

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Das Bild trügt: Eitel Sonnenschein herrscht im Continental-Konzern wahrlich nicht.
Das Bild trügt: Eitel Sonnenschein herrscht im Continental-Konzern wahrlich nicht.
(Foto: Continental)

Der Autozulieferer Continental wird sich definitiv aus dem Geschäft mit Hydraulik-Technik für Verbrennungsmotoren zurückziehen. Entsprechende Pläne des Vorstands bestätigte der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns am Mittwoch bei einer Sitzung in Hannover. Die Fertigung hydraulischer Komponenten für Benzin- und Dieselantriebe solle «in den kommenden Jahren» auslaufen, erklärte das Unternehmen. „Hintergrund ist der durch verschärfte Abgasgesetze beschleunigte, disruptive Umstieg der Autoindustrie auf Elektromobilität“, hieß es. Die Hydraulik-Nachfrage sei eingebrochen.

Bisher stellt Continental zugehörige Teile wie Hochdruckpumpen oder Einspritzdüsen etwa im bayerischen Roding, im sächsischen Limbach-Oberfrohna sowie in den USA (Newport News) und in Italien (Pisa) her. Der Konzern setzt angesichts des Umbruchs der Autobranche künftig vor allem auf Elektronik, Sensorik und Technologien zum automatisierten Fahren. Auch die Reifensparte und das Geschäft mit Endkunden bleiben Schwerpunkte.

Gegen die Entwicklungen im Unternehmen hatten vor der Bekanntgabe der Entscheidung Hunderte Mitarbeiter von Continental vor der Firmenzentrale in Hannover demonstriert. Sie waren von Standorten aus ganz Deutschland angereist und appellierten vor einer Aufsichtsratssitzung an die Unternehmensleitung, das Konzept zur Neuausrichtung des Autozulieferers zu überdenken. Vorstandschef Elmar Degenhart hatte zuvor zugesagt, dass Kündigungen nur als „allerletztes Mittel“ denkbar seien. Grundsätzlich will Continental den Umbau über Umschulungen und die Nicht-Nachbesetzung von Stellen abfedern.

Nach Angaben der IG Metall kamen 870 Beschäftigte zu der Kundgebung, auch aus besonders betroffenen Standorten wie Babenhausen (Hessen), Roding und Regensburg (Bayern) oder Oppenweiler (Baden-Württemberg), ebenso aus Gifhorn und Hannover-Stöcken. In den Werken selbst liefen parallele „Aktionstage“. Eine Unterschriften-Tafel wurde der Konzernführung übergeben und im Foyer der Zentrale aufgestellt.

Umbau: Überhastet oder vorausschauend?

IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner – zugleich stellvertretende Vorsitzende des Continental-Aufsichtsrats – kritisierte, der Umbauplan sei überhastet: „Wir wollen die Prozesse verbessern. Aber wir brauchen mehr Zeit.“ Das Management dürfe die Veränderungen nicht einfach mit Verweis auf die schwierige Lage der Autobranche möglichst schnell durchdrücken. Bisher sei zudem unklar, wie genau die Spitze den Konzern langfristig aufstellen wolle – dabei dürfte es auch noch lange eine Nachfrage nach Technik für Diesel- und Ottomotoren geben. Die bislang vorgesehenen Qualifizierungsmaßnahmen reichten nicht aus, meinte Benner.

Personalvorständin Ariane Reinhart erklärte dagegen, man leite „umgehend und vorausschauend über drei bis sieben Jahre die notwendigen Anpassungen ein“. Conti werde die betroffenen Mitarbeiter unterstützen – neben weiterer Qualifizierung auch über den konzerninternen Arbeitsmarkt und Kooperationen mit Partnerunternehmen. Weltweit könnten laut Conti bis 2023 rund 15.000 Jobs von „Veränderungen“ betroffen sein, davon 5.000 in Deutschland.

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