Es bleibt die Konkurrenz durch Mietwagenfirmen – sehen Sie Chancen für Marktanteile?
Konkurrenz ist ja grundsätzlich eine gute Sache, die wir auch begrüßen. Interessant ist gerade die Kombination verschiedener Konzepte, wir können uns ja gegenseitig ergänzen. Ein Beispiel: An einem sonnigen Tag würde ich in Berlin einen Streetscooter für die Kurzstrecke wählen, bei Regen dann doch eher Uber. Bei drei Personen oder mehr mit über den Tag verteilten Terminen bietet wiederum ein Mietwagen Vorteile. Natürlich gibt es auch Konkurrenzsituationen; auf lange Sicht bin ich aber überzeugt, dass sich die verschiedenen Konzepte gegenseitig ergänzen können und gerade durch Kooperationen ein flächendeckendes Mobilitätsangebot entstehen kann.
Wie stellt Uber sich die Mobilität im Jahre 2027 vor?
Ich sehe die Zukunft der urbanen Mobilität im geteilten, elektrisch betriebenen und autonomen Fahrzeug. Ganz wichtig ist mir der Aspekt des „geteilten“, weil das autonome Fahrzeug allein unsere Verkehrsprobleme nicht wird lösen können. Sicher werden auch in die ersten autonomen Fahrzeuge – zumindest in einem kontrollierten Umfeld – unterwegs sein, das ist aber wiederum auch eine Frage der gesetzlichen Regulierung. In den USA haben wir bereits autonome Fahrzeuge in vier Städten laufen, in denen allerdings zur Sicherheit noch ein Fahrer sitzt, der bei Bedarf eingreifen kann. Die Parkplatzsuche, die einen erheblichen Teil des innerstädtischen Verkehrs ausmacht, wird hoffentlich der Vergangenheit angehören. In erster Linie ist der Gesetzgeber gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen bezüglich autonomen Fahrens und neuer Mobilitätskonzepte zu schaffen.
Derzeit wird Uber mit rund 70 Milliarden US-Dollar bewertet – auf dem Niveau namhafter Hersteller mit Fabriken, Forschungszentren, Patenten und mehreren Hunderttausend Mitarbeitern. Der Börsengang soll laut Ihrem neuen Chef Khosrowshahi 2019 erfolgen – rechtliche Hürden sind für Ubers aktuelles Geschäftsmodell nicht zu übersehen. Welche Strategie verfolgt Uber in Deutschland und Europa, um letztlich dauerhaft profitabel zu arbeiten?
Diese Bewertung setzt ja voraus, dass sich die Mobilität tatsächlich so fundamental ändert, wie ich es eben beschrieben habe. Aus deutscher Sicht ist das noch schwierig nachvollziehbar, da die Veränderungen hier noch nicht sichtbar sind. Es besteht eine hohe Dringlichkeit, den Rechtsrahmen derart zu modernisieren, dass die heimischen Automobilhersteller ihre Ideen auch umsetzen können. Hier liegt die große Herausforderung, nicht zuletzt weil die Automobilhersteller hierzulande Hauptträger der Wirtschaftsleistung sind und daran natürlich auch viele Arbeitsplätze hängen. Um ihre Visionen zu testen, müssen die deutschen Automobilmanager derzeit ihr eigenes Land verlassen.
Somit wäre hier vornehmlich das Marktpotenzial bewertet als das Unternehmen Uber – wie wollen Sie sicherstellen, dass Uber für diesen Markt steht, wie sichern Sie Ihre Pfründe?
Besonders entscheidend ist zunächst, das Verständnis zu fördern, wie Mobilität funktioniert. Im zweiten Schritt sehen wir uns als einen Anbieter, der die technologische Kompetenz dafür anbietet. Unser Ansatz ist ja, bereits vorhandene Ressourcen durch effiziente Technologie bestmöglich zu nutzen und eine hohe Auslastung zu erreichen. Ein Beispiel: Ein Uber-Gast sitzt bereits im Fahrzeug, Sie befinden sich in der Nähe und haben das gleiche Ziel. Allerdings sind um Sie herum nur Einbahnstraßen, und um Sie aufzusammeln, wäre ein Umweg von 5 Minuten notwendig. Die Wartezeit oder den Umweg möchten wir Ihnen und dem Fahrgast nicht zumuten. Daher schlägt Ihnen die Uber-App vor, entgegen der Einbahnstraße 50 Meter zur nächsten Kreuzung zu laufen, dort wird Sie der Wagen aufsammeln. Wir kennen die Verkehrssituation und wir optimieren die Effizienz für alle Beteiligten, indem wir ganz konkrete Wegstrecken für die einzelnen Nutzer vorschlagen. Fünf Minuten klingen nicht nach viel, bei 10 Millionen vermittelten Fahrten täglich macht das aber einen gewaltigen Unterschied – nicht zuletzt auch für die Umwelt. Diese Kompetenz differenziert uns vom Wettbewerb.
Die Idee überzeugt und wird von den Kunden in vielen europäischen Städten akzeptiert und auch genutzt. In Deutschland hingegen rufen dann die meisten potenziellen Kunden doch eher ein Taxi. Welche Schritte müssen Sie gehen, um hier faktisch Fuß zu fassen?
Wir wollen durch Information – das Gespräch mit Ihnen ist ein Teil davon – die Akzeptanz und das Interesse an unserem Konzept erhöhen. Gerade Ihre Leserschaft ist ja dafür sensibilisiert, wie sich Mobilität verändern wird. Für alle Beteiligten, sei es der Handel, der Vertrieb oder auch der Service, verhindern Regularien noch echte Entwicklungen. Deutschland darf seine Vorreiterrolle in der Automobilindustrie nicht verlieren und muss seine Arbeitsplätze und Umsätze sichern. Wir müssen genau hinsehen, wo hier gebremst wird. Ich gebe auch hier auf der New Mobility World mit einem Vortrag einen Einblick, was bereits technisch möglich ist und warum es noch nicht umgesetzt werden kann. Mein Job ist es, die nötige Sensibilisierung, gerade bei den professionell Beteiligten, zu erreichen.
Sie sind seit einem guten Jahr im Amt und in turbulenten Zeiten gestartet – wie lautet Ihre erste persönliche Bilanz?
Wir haben in Deutschland bereits wichtige Meilensteine erreichen können. Zum einen haben wir jetzt hierzulande ein Modell entwickelt, das den Rechtsrahmen zu 100 Prozent berücksichtigt. Alle Beteiligten, also die Behörden, die Politik, unsere Partner und nicht zuletzt die Gerichte, sagen: Das passt. Wir hatten ja keinen leichten Einstieg in Deutschland mit unserem damaligen Modell. Mittlerweile genießen wir von allen Seiten deutlich mehr Vertrauen. Auch unsere Beziehung zum Taxigewerbe hat sich deutlich verbessert, in Berlin haben wir mittlerweile auch 1.500 Taxen neben unseren klassischen Uber-Chauffeuren. Bei einem Gesamtbestand von 8.000 Taxen ist das ein großer Erfolg für uns. Zuletzt sind wir mit UberX soweit, dass wir für München und Berlin eine Wartezeit von unter 5 Minuten garantieren können, das ist ein großer Schritt. Leider müssen wir uns aktuell noch auf die zwei Städte konzentrieren, da der Rechtsrahmen eben so ist, wie er ist. Aber zumindest dort haben wir jetzt die „Uber-Experience“, die man auch aus anderen Ländern kennt.
(ID:44942238)