Über alle Grenzen

Im- und Export von Fahrzeugen gehören mittlerweile zum Tagesgeschäft der Händler

11.03.2009 | Autor: Silvia Lulei

2007 erlebten die Neuzulassungen eine Talsohle wie schon lange nicht mehr: Es wurden zwar 3,15 Millionen neue Autos verkauft. Das sind aber 320.000 weniger als im Vorjahr und deutlich weniger als der Mittelwert der letzten zehn Jahre von 3,43 Millionen Pkw. Der Markt für gebrauchte Autos war mit 6,27 Millionen zwar doppelt so groß, erlitt aber Verluste von minus sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Verbraucher sind verunsichert und warten mit dem anstehenden Autokauf lieber noch – bis beispielsweise die Frage der CO2-Besteuerung geklärt ist. Den Nachbarn in Europa geht es übrigens genauso wie den Autofahrern hierzulande: Sie üben sich ebenfalls in Zurückhaltung, meistens aus wirtschaftlichen Gründen oder weil die politische Lage nicht vielversprechend ist.

Spanier exportieren Überbestände

Das gilt zumindest für die westeuropäischen Nachbarn. Dort sind die Märkte gesättigt. Das trifft beispielsweise auf Spanien zu. Die vielen Mietwagen, die dort im Einsatz sind, werden keineswegs in Spanien vermarktet. Sie wandern vielmehr nach Deutschland und von hier weiter nach Osteuropa. Denn dort wächst nach wie vor die Nachfrage nach günstigen und gut erhaltenen Gebrauchtwagen.

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Tipps und Trends

Auch die französische Firma Cipa Auto Contact, die Buy-Back-Fahrzeuge in ganz Europa vermarktet, beobachtet, dass die südeuropäischen Länder ihre Überbestände exportieren müssen. Didier Schmitt, Direktor von Auto Contact in Deutschland, berichtet, dass speziell aus Spanien und Portugal Gebrauchtwagen und Tageszulassungen in vierstelligen Mengen eingeliefert werden.

Warenstrom nachOsteuropa

Das Problem ist nur, dass Deutschland selbst ein Überangebot an Fahrzeugen hat. Das ruiniert die Restwerte. Als Sofortmaßnahme zur Rettung der Restwerte empfiehlt Schmitt, die überzähligen Autos – zu geringeren Preisen – nach Osteuropa zu exportieren.

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Import: Steuern und Gebühren

Und das scheinen die Händler auch zu tun: Die Online-Auktionsplattform www.autobid.de registriert, dass seit Beginn dieses Jahres der Warenstrom in Richtung Osteuropa von Monat zu Monat anschwillt. Bemerkenswert ist, dass sich die Qualität der Fahrzeuge deutlich gesteigert hat, so Vorstand Marc Berger. Im letzten Jahr gingen dagegen noch eher preiswerte, ältere Gebrauchte nach Osteu-ropa.

35 Prozent der bei Mobile.de verkauften Händlerfahrzeuge marschieren ins Ausland. Davon wiederum werden 31 Prozent nach Polen sowie jeweils 13 Prozent nach Rumänien und Russland exportiert. Ab Oktober ist Mobile.de mit einer eigenen Website in Rumänien vertreten.

Als dynamisch und wachstumsorientiert bezeichnet auch Dr. Nicola Carbonari, Geschäftsführer von Autoscout 24, die osteuropäischen Märkte. 2007 importierten Polen, Rumänien und Bulgarien 1,4 Millionen Gebrauchtwagen. Autoscout 24 reagierte auf diesen regen grenzüberschreitenden Handel, indem die Online-Plattform seit Anfang 2008 mit einer eigenen Gebrauchtwagensuche in diesen drei Ländern präsent ist.

„Der Zu- und Verkauf von Fahrzeugen im Ausland wird zunehmend zum daily business des Automobilhandels“, wagt Dr. Carbonari einen Blick in die nahe Zukunft. Autobid.de-Vorstand Marc Berger ist sogar überzeugt: „Künftig werden die Händler die Nase vorn haben, die sich aktiv am europäischen Handel beteiligen.“

Das sieht auch Axel Bischopink, Berater bei der international tätigen Unternehmensberatung CG Christof Gerhard, so. „Allerdings sollte man seine Hausaufgaben in Deutschland gemacht haben, bevor man sich aufs internationale Parkett begibt“, warnt er. Sprich: Wer zu Hause nicht professionell arbeitet, braucht auch nicht international anzutreten.

Tücken des Geschäfts beachten

Denn das Import- und Exportgeschäft birgt neben Chancen auch so manche Tücken:

  • Da wären zum einen die steuerlichen Rahmenbedingungen. Die muss man studieren, um sicherstellen zu können, dass man alle Geschäfte konsequent nach diesen Vorgaben abwickelt.
  • Die Bedingungen des internationalen Zahlungsverkehrs sollten allen Beteiligten bekannt sein. Denn hier liegt eine große Betrugsgefahr.
  • Wichtig ist, genau zu recherchieren, welcher Exportmarkt für das eigene Autohaus interessant ist. Hierbei sind wichtig: die Marke, die überwiegend gehandelten Modelle und die geografische Lage des Betriebs.

Internationale Gebrauchtwagenkonzepte mit einheitlichen Qualitätsstandards könnten die Händler auf dem Weg zu einer Internationalisierung ihres Geschäfts begleiten, so Axel Berger, Vorstandsvorsitzender der Car Garantie. Seit dem Jahr 2002 haben Schlag auf Schlag mittlerweile fast alle Fabrikate ihr eigenes Gebrauchtwagenkonzept aufgelegt – jeweils eine Art Vertrauenssiegel für den Privatkunden und ein Gütezeichen für die Händler, um sich gegenüber dem Privatmarkt abzugrenzen.

Gäbe es diese Konzepte auch auf internationaler Ebene, wäre dies ein weiterer Vorwärtsschub, um das Gebrauchtwagengeschäft zu professionalisieren.

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