Überraschende Erfahrung: Im Kia K7 durch Korea

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So vertraut einem Korea in Seoul noch vorkommt, so befremdlich wird es auf dem Weg nach draußen. Gen Süden, weil man stundenlang durch Hochhaussiedlungen fährt, wie sie die Plattenbauer in deutschen Osten nicht gleichförmiger hinbekommen hätten. Nur dass die hier nagelneu sind und Jahr für Jahr weiter ausufern. Umso wohler fühlt man sich da in einer Limousine, die mit ihrem nach innen gewölbten Grill, den scharfen Zacken der Tagfahrleuchten in den LED-Scheinwerfern und der schneidig-schlanken Silhouette erfreulich frisch und eigenständig aussieht im Einerlei der Businessklasse.

Und gen Norden, weil dort mit jedem Kilometer der Stacheldraht entlang der Autobahn dichter wird und sich dazwischen in immer kürzeren Abständen Wachtürme erheben. Ja, auch dafür gibt es Parallelen in der deutschen Geschichte. Nur dass es bei uns zwischen den Wachtürmen keine Shopping-Center, Kunstmuseen und Vergnügungsparks gegeben hat.

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Dass man diese Szenerie aus dem Kia heraus wie im Kino erlebt, liegt aber nur zum Teil an der skurrilen Mischung aus Amüsement und Abschreckung, mit der die Koreaner ihre Grenze inszenieren. Es liegt auch daran, dass man in diesem Auto die Realität da draußen tatsächlich wie ein Zuschauer sieht, weil man ihr so weit entrückt ist: Die Karosserie dick gedämmt, vom Rauschen des Windes und dem Rollen der Reifen kaum etwas zu hören und das Fahrwerk wie bei allen Autos in Korea samtig weich – so fährt man im K7 in seiner eigenen Welt.

Dass man dabei nicht ganz den Kontakt zu Mutter Erde verliert, ist einmal mehr ein Verdienst der Kia-Elektronik. Denn die Assistenten für Spurführung und Spurwechsel sowie die Kontrolle des Abstands sind so übervorsichtig programmiert, dass einen ein beständiges Piepen und Fiepen zurück ins Hier und Heute holt.

Radarwarner zählt metergenau herunter

Und es ist wieder das Navigationssystem, das dem Fass den Boden ausschlägt. Denn im Kampf gegen die wahrscheinlich pingeligste Verkehrsüberwachung der Welt zählt es begleitet von anschwellenden Warntönen metergenau auf jede Radarfalle herunter und berechnet zwischen zwei Kontrollstellen sogar die Differenz zum erlaubten Durchschnitt. Das mag nervig sein, weil man bei der von keinem anderen Land erreichten Dichte an Kameras nie seine Ruhe hat. Aber beruhigter als in diesem Kia kann man mit keinem anderen Auto rasen.

Wobei das mit dem Rasen so eine Sache ist. Für ihren 3,3 Liter großem Sechszylinder-Direkteinspritzer mit 290 PS und einer famosen Achtgang-Automatik haben die Koreaner zwar viel Lob geerntet. Doch seit ein paar Wochen gibt es den K7 auch als Hybrid. In der Stadt, wo man ohnehin die meiste Zeit im Stopp-and-Go-Verkehr dahin staut, macht der mit seinem 160 PS starken 2,4-Liter-Vierzylinder und einer E-Maschine von 38 kW/52 PS nicht nur Sinn, sondern auch noch Spaß – selbst wenn der 1,76 kWh-Akku zu klein ist für einen Plug-in-Anschluss. Denn so zäh, wie sich die Schlangen durch Gangnam quälen, rekuperiert man auch damit genug, dass man die meiste Zeit flüsterleise durch die Stadt surrt und nur selten das dezente Knurren des Vierzylinders hört.

Kein Raser

Doch draußen auf der Autobahn ist das ein bisschen anders und der Limousine geht überraschend schnell die Puste aus. Erst recht, wenn man vom entspannten Öko-Modus in den Sport-Betrieb wechselt und sich am Elan doch nichts ändert. 140, 150 sind kein Problem, und natürlich kratzt der K7 auch an der 200er-Marke. Doch so dicht, wie hier die Radarfallen stehen, kann man dafür kaum genügend Anlauf nehmen, wenn man danach nicht wieder voll in die Eisen steigen möchte.

So richtig engagiert mag man mit dem Hybriden vielleicht nicht fahren. Doch fährt man dafür umso entspannter. Und vor allem hier oben im Norden des Landes kann ein bisschen Entspannung ja nicht schaden. Erst recht nicht, wenn man zwischen Stacheldraht und Schießständen an einer Konfliktlinie entlangfährt, auf deren Anspannung die Welt gut verzichten könnte. Nicht dass es dafür angesichts der Raketenphantasien des Diktators Kim Jong Un gerade ernsthafte Hoffnungen gäbe. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Denn Grenzen sind dafür da, verschoben zu werden. Und der K7 als veritabler Fünfer-Konkurrent einer einstigen Billigmarke ist dafür ein gutes Beispiel. Denn mit dem Aufstieg von Hyundai und Kia haben die Koreaner das zumindest in der Autowelt doch gerade vorgemacht.

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