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Unberechenbarer Leistungsverlust

Autor / Redakteur: Holger Schweitzer / Dr. Holger Schweitzer

Der Restwert der Batterie eines gebrauchten Elektrofahrzeugs kann momentan nur schwer beurteilt werden. Die mangelnde Transparenz zu Leistungs- und damit Wertverlust der Batterien sorgt bei Versicherern, Sachverständigen aber auch Autobesitzern für Unsicherheit.

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Vertreter von Autoherstellern, Politik, Feuerwehr und der Allianz diskutierten auf dem 5. Allianz Autotag Themen zu Sicherheit und Kosten der Elektromobilität.
Vertreter von Autoherstellern, Politik, Feuerwehr und der Allianz diskutierten auf dem 5. Allianz Autotag Themen zu Sicherheit und Kosten der Elektromobilität.
(Bild: Schweitzer)

Gebrauchte und in Unfälle verwickelte Elektroautos sind für Käufer und Versicherer ein Risiko. Grund hierfür sind die Batterien, deren Leistungsverlust bislang noch nicht verlässlich bestimmt werden kann. Die Allianz machte auf diese schwerwiegende Schwachstelle der Elektromobilität auf ihrem diesjährigen Autotag, der Mitte September im Allianz Zentrum für Technik in München stattfand, aufmerksam.

Umso deutlich wird die Problematik vor allem bei der Betrachtung der Neupreise von Batterien, die mit circa 10.000 Euro etwa ein Drittel des Gesamtwertes eines Elektroautos ausmachen können. Genau an diesem Punkt stehen Versicherer und Sachverständige vor einem Problem, denn momentan gibt es keine verlässliche Möglichkeit den Leistungsverlust und damit den Restwert von Batterien im Schadensfall zu beurteilen. Joachim Müller, Allianz Vorstandsvorsitzender, erklärt: „Hier sind wir als Versicherer, aber auch die Sachverständigen und Autobesitzer auf transparente Informationen von den Autoherstellern angewiesen.“

Die Allianz fordert deshalb, dass es in Zukunft möglich sein muss, anhand von Fahrzeug- und Nutzungsdaten den Zustand der Batterie zu bestimmen. Nur so könne das gesamte Fahrzeug beurteilt und der Wert ermittelt werden, so Joachim Müller. Dies sei nicht nur im Hinblick auf Kosten zur Wiederherstellung, sondern auch für Käufer von gebrauchten Elektroautos von großer Bedeutung.

Dass dies auch im Fokus der Hersteller liegt, erklärt auch auch Jürgen Peitz, Leiter Reparaturtechnik bei Opel und Vorsitzender des VDA Arbeitskreises Unfallanalyse und -vorsorge: „Wir müssen Kriterien für den Austausch von Batterien definieren und Standards festlegen. Das ist auch für die Hersteller bei der Schadensbeurteilung enorm wichtig.“

Elektroautos seltener in Unfälle verwickelt

Gute Neuigkeiten zeigen hingegen die Unfallstatistiken der Allianz. Aktuell sind Elektroautos 25 Prozent seltener in Unfälle verwickelt als Autos mit Verbrennungsmotoren. Allerdings ist der Anteil der zugelassenen Elektrofahrzeugen nach Angaben der Allianz mit 1,3 Prozent noch verschwindend gering ist. Genauere Studien, warum Fahrer von Elektroautos vermeintlich sicherer unterwegs sind, gibt es zwar noch keine, aber Dr. Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz Zentrums für Technik (AZT), geht davon aus, dass sich die Anteile an Unfallzahlen unabhängig von der Antriebsform in Zukunft angleichen werden.

Warum Elektroautos höhere Reparaturkosten nach Unfällen verursachen erklärt Dr. Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik.
Warum Elektroautos höhere Reparaturkosten nach Unfällen verursachen erklärt Dr. Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik.
(Bild: Schweitzer)

Im Zusammenspiel mit einer sich kontinuierlichen Verbesserung der Technik und Vergrößerung Anzahl an qualifizierten Werkstätten erwartet er auch eine deutliche Reduzierung der Reparaturkosten. Denn bei den Reparaturen fallen die Elektrofahrzeuge bislang noch mit etwa 25 Prozent höheren Kosten, eher negativ auf.

Keine zusätzlichen Kosten bei Versicherungspolicen

Joachim Müller, Allianz Vorstandsvorsitzender, sieht deshalb für die Zukunft bei den Preisen keine wesentlichen Unterschiede zu den herkömmlichen Policen für Autos mit Verbrennungsmotoren. Langfristig rechnet er damit, dass Versicherungen sogar eher günstiger werden. Auch wenn die Allianz zusätzliche Risiken der Elektromobilität identifiziert hat, wie zum Beispiel Ladekabel, Software, Elektronik und Batterien, so würde sich dies durch den Wegfall risikobehafteter Elemente der Verbrennungsmotoren ausgleichen. Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass die Batterien keine Auffälligkeiten im Hinblick auf erhöhtes Brandrisiko zeigten.

Für die Berechnung der Kfz-Versicherungen lässt sich laut Joachim Müller die bestehende Einstufung von Fahrzeugen in Typklassen auf Elektrofahrzeuge übertragen. So sei ein BMW i3 in der gleichen Stufe wie ein Golf VII angesiedelt. Die genauen Kosten von Elektroauto-Versicherungspolicen seien zwar, wie bei allen Versicherungen, stark individuell abhängig und deshalb schwer zu beziffern. Er kündigte jedoch einem Preisnachlass von 20 Prozent auf Policen für Elektro- und Hybridfahrzeuge ab dem 6. Oktober an.

Konstruktion von E-Autos zeigt noch Potential

Die derzeit hohen Kosten bei Reparaturen von Elektroautos führen die Experten der Allianz vor allem auf die Konstruktion der aktuellen Fahrzeuge zurück. Dr. Christoph Lauterwasser, erklärt: „Hier gibt es noch viel Potenzial.“ Gerade die Batterie, aber auch die Ladesteckdose müssen momentan häufig schon bei kleinen Unfällen aufwendig ausgetauscht werden. Bei den Kosten schlagen zurzeit auch noch zusätzliche Transportkosten zu Buche, da nicht jede Werkstatt für die Reparatur eines E-Fahrzeugs optimal ausgerüstet ist. Das AZT übermittelt die Ergebnisse der durchgeführten Tests und Untersuchungen zur Verbesserung an Karosserie und Technik an die Hersteller, damit diese in künftige Entwicklungen einfließen können.

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