„Uniti One“: Per Joystick durch die City

Autor: Yvonne Simon

Seit einiger Zeit beschäftigen sich mehrere Start-ups damit, günstige Elektrofahrzeuge möglichst schnell in Serie zu bringen. Die Schweden von Uniti versprechen selbstbewusst, das Auto komplett „neu zu denken“ und sehen ihr erstes Modell „Uniti One“ eher im Elektromarkt als beim Autohändler.

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Im Zentrum des „Uniti One“ steht ein Joystick-Kontrollsystem.
Im Zentrum des „Uniti One“ steht ein Joystick-Kontrollsystem.
(Bild: Uniti Sweden AB (publ))

Zum Autokauf in den Elektromarkt? In Schweden ist das mehr als nur Zukunftsmusik. Das Start-up Uniti hatte in zwei Media Markt Filialen in Stockholm und Malmö über einige Monate Showrooms für sein erstes Auto „Uniti One“ eingerichtet. Bis April konnten Kunden einen Prototyp des kleinen E-Mobils begutachten, Fragen an sogenannte „Product Experts“ stellen und Vorbestellungen aufgeben.

Mehrere Start-ups wie Sono Motors, E.Go und Microlino treiben seit einiger Zeit mit neuen Ideen die E-Mobilität voran. Bei Uniti handelt es sich um eine Ausgründung aus einem Projekt der südschwedischen Universität Lund, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, das Auto „neu zu denken“. Geplant ist die Produktion einer Reihe von zwei-, vier- und fünfsitzigen Leichtfahrzeugen der Klasse L7e, die vor allem „urbanen Millenials“ als Pendler-Fahrzeug oder jungen Familien als Zweitwagen dienen soll. Klassisch ist dabei tatsächlich wenig.

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Die Lenkung des City Cars soll über ein im Zentrum drehendes Joystick-Kontrollsystem funktionieren, Pedale gibt es dann nicht mehr. Zweifler können das Hightech-Auto aber auch traditionell mit Lenkrad kaufen. Auf seiner Website kündigt Uniti außerdem das weltweit größte und fortschrittlichste interaktive Head-Up-Display an. Grundsätzlich wollen die Schweden einen Großteil der Hardware im Cockpit durch Software ersetzen.

Kein Händlernetz geplant

Dadurch, dass das Auto aus Verbund-Biomaterialien und Karbonfaser hergestellt wird, soll es nur 450 Kilogramm wiegen. Uniti verspricht eine maximale Reichweite von 300 Kilometern mit einer 22 kWh-Batterie, eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 80 km/h in 3,5 Sekunden. Die Preise sollen unter 19.900 Euro liegen. Für rund 14.900 Euro soll die günstigste Variante zu haben sein.

Ein klassisches Händlernetz planen die Schweden – wenig überraschend – nicht. Uniti möchte die Autos direkt über die eigene Website oder über Partnerfirmen verkaufen. „Unsere Produkte passen nicht zum traditionellen Autohändler. Sie gehören neben die neuesten Smartphones und Premium-Heimelektronik“, so der aus Australien stammende CEO Lewis Horne. Die Showroom-Pilotstudie mit Media Markt Schweden sei durchweg positiv aufgenommen worden, heißt es vom Unternehmen auf Anfrage. Man habe den ursprünglich vereinbarten Zeitraum verdoppelt und viel Feedback gesammelt.

Derzeit überarbeitet Uniti das Konzept und Design der Schauräume, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusteigen. Unklar ist noch, wie die Service-Struktur aussehen wird. Einen Partner mit Service-Netzwerk werde es aber geben. Elektroautos hätten allerdings einen um 60 Prozent geringeren Servicebedarf als Verbrenner, gibt das Unternehmen in diesem Zusammenhang zu bedenken.

Siemens unterstützt die Produktion

Mit seinen Plänen und Visionen konnte das Start-up schnell eine große Anzahl Unterstützer mobilisieren. In einer Crowdfunding-Kampagne sammelte Uniti im Herbst 2016 eine halbe Million Euro in 36 Stunden ein. Innerhalb kurzer Zeit waren 600 Investoren aus 45 Ländern an Bord, darunter etablierte Konzerne wie Eon, Kuka Robotics und Siemens.

So bekommen Eon-Kunden in Schweden, die sich für ein Auto von Uniti entscheiden, fünf Jahre lang kostenlosen Solarstrom, um das Fahrzeug zu Hause zu laden. Die Kooperation mit Siemens zielt auf die Massenproduktion des E-Mobils ab. Der gesamte Produktionsprozess soll vor der realen Umsetzung virtuell geplant werden. Dadurch könne man den Test-Aufwand am fertigen Fahrzeug deutlich verringern. Die Herstellung soll in einer Industrie-4.0-Fabrik vollautomatisch, robotergestützt ablaufen. Als Fertigungsstandort hat Uniti Landskrona in der südschwedischen Provinz Schonen ausgewählt.

Die ersten Fahrzeuge möchte das Unternehmen Ende 2019 ausliefern, größere Chargen werden 2020 folgen. Interessenten können das Auto auf der Website von Uniti gegen eine voll rückerstattbare Anzahlung von 149 Euro vorbestellen. 2.500 Reservierungen konnte das Start-up bislang verzeichnen. Testfahren soll es definitiv geben, bestätigt Uniti auf Anfrage, die Planung für Zeitrahmen und Ort befinde sich aber noch in der Anfangsphase.

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 Yvonne Simon

Yvonne Simon

Redakteurin Management & Handel