Unterm Hammer
Durch eine Rückwärtsauktion im Internet wollte das Autohaus Hempel Langsteher werbewirksam versteigern. Das Intermedia-Team in Bottrop half dem Braunschweiger Kfz-Betrieb dabei.
„Vor einiger Zeit haben sich die Gebrauchtwagenbestände bei uns gestapelt und sind nicht abgeflossen“, sagt Sabine Hempel vom Autohaus Hempel in Braunschweig. Statt zu klagen, kam die Geschäftsführerin auf eine originelle Idee: Durch eine Rückwärtsversteigerung im Internet wollte sie die Autos werbewirksam veräußern.
Damit stieß sie beim Intermedia-Team in Bottrop, das schon die Homepage der Braunschweiger Autohändlerin betreut, auf offene Ohren. „Die Umsetzung der Idee hat keine Woche gedauert. Die Jungs von Intermedia sind schnell“, äußert sich Sabine Hempel zufrieden über ihren Internetdienstleister.
Jeden Tag 100 Euro billiger
31 Gebrauchtwagen des Autohauses nahmen an der Versteigerung teil. Ihr Preis wurde jeden Tag um 100 Euro herabgesetzt. Auf der Homepage des Autohauses waren jeweils die tagesaktuellen Angebote und der ursprüngliche Startpreis zu sehen. Interessenten konnten direkt eine E-Mail an das Autohaus schreiben.
Vor Beginn der Aktion hat Sabine Hempel die Autos nicht extra verteuert und auf einen hohen Startpreis gesetzt. „Das hätte keinen Sinn gemacht, die Kunden lassen sich ja schließlich nicht veralbern“, weiß die kreative Autohändlerin.
Kauf per Internet war nicht möglich
Ein direkter Kauf per Internet war nicht möglich. Rein rechtlich gesehen galten die tagesaktuellen Preise als eine Aufforderung an den Kunden, ein Angebot abzugeben. Das hatte Vorteile für den Verkäufer. Er konnte nicht in einen Konflikt geraten, wenn beispielsweise gerade das Auto ersteigert wird, das er zur gleichen Zeit im Autohaus verkauft.
„Letzten Endes meldeten sich gar nicht so viele Interessenten per Internet, sie kamen einfach vorbei“, sagt Hempel, die auch im Autohaus mit großen Plakaten auf die Versteigerung aufmerksam machte. Hempel begleitete die Aktion mit Anzeigen in der lokalen Presse. „Das war aber kein zusätzlicher Aufwand, sondern Werbung, die ich ohnehin geschaltet hätte“, berichtet Sabine Hempel. Zudem schrieb sie die Bestandskunden in einem Mailing an.
Alle 31 Autos verkauft
Die Versteigerung lief über sechs Wochen, wobei sie die 31 Autos nach und nach einstellte. Das erste Auto wurde nach sieben Tagen verkauft, der längste Herabsetzungszeitraum betrug 23 Tage. Im Schnitt dauerte es 15 Tage, bis jemand zuschlug und das Gebot annahm.
„Bei einigen Autos haben wir die Reduzierung gestoppt, weil es zu schmerzhaft wurde. Diese blieben dann bei ihrem letzten Preis stehen“, erläutert die Autohändlerin. Innerhalb des Aktionszeitraums konnte sie alle Wagen verkaufen, bis auf fünf, die erst danach einen Käufer fanden.
Mehr Besucher auf der Website
„Natürlich sind einige Fahrzeuge mit einem Minus herausgegangen, aber insgesamt haben wir ein Plus gemacht“, verrät die Geschäftsführerin, die noch einige positive Nebeneffekte verzeichnen konnte. Während der Aktion erhöhten sich die Besuche auf der Internetseite von 55.000 pro Monat auf 180.000. Wichtiger noch waren aber die vielen Interessenten, die in das Autohaus kamen. „Nicht jeder kommt auf die Idee, einmal zu einem Honda-Händler zu gehen, wenn er ein Auto sucht“, weiß Hempel, die zum Zeitpunkt der Versteigerung noch Vertragshändlerin des japanischen Automobilanbieters gewesen ist.
Beträchtlicher Imagegewinn
Durch die Aktion konnte sie sich einen Namen als Gebrauchtwagenhändlerin machen. Und der Imagegewinn war nachhaltig. Mittlerweile kommen viel mehr Besucher auf ihren Gebrauchtwagenplatz, um sich gezielt umzusehen. Eines hat Sabine Hempel für das Tagesgeschäft übernommen: Alle 30 Tage setzt sie den Gebrauchtwagenpreis um 10 Prozent herab. „Ebenso wie bei der Versteigerung sind dies Regeln, die die Kunden akzeptieren. So kommt es bei uns kaum noch zu Preisverhandlungen“, berichtet sie.
„Die Rückwärtsversteigerung verspricht zwar keinen großen finanziellen Gewinn. Aber sie ist sinnvoll, wenn die Standzeiten der Gebrauchtwagen zu lang sind. Sollte das bei uns wieder einmal der Fall sein, werde ich diese Aktion erneut durchführen“, resümiert Sabine Hempel. Derzeit hat sie aber mit Standzeiten von durchschnittlich 55 Tagen keine Probleme, ihren Gebrauchwagenbestand in Bewegung zu halten. Das ist eine Folge der Aufmerksamkeit, die die Rückwärtsversteigerung erzielt hat.
(ID:190437)