Reaktionen auf Zollstreit Verbraucher tragen die Last, denn Autos werden teurer

Von NIck Luhmann 3 min Lesedauer

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Erleichtert und doch enttäuscht reagieren ZDK und VDA auf die Erklärung zur Zolleinigung zwischen der EU und den USA. Auch wenn die US-Zölle von 27,5 Prozent auf 15 Prozent gesenkt werden können, ist unterm Strich die Belastung für den Verbraucher höher als vor dem Zollstreit.

Schlimmeres konnte verhindert werden: Anstatt 27,5 Prozent fallen jetzt 15 Prozent Zölle auf Autos an, die aus der EU in die USA exportiert werden. (Bild:  KI-generiert)
Schlimmeres konnte verhindert werden: Anstatt 27,5 Prozent fallen jetzt 15 Prozent Zölle auf Autos an, die aus der EU in die USA exportiert werden.
(Bild: KI-generiert)

Die Europäische Union und die USA haben sich auf eine schriftliche Erklärung zu den Vereinbarungen zur Beilegung ihres Handelskonflikts verständigt. Darin wird der künftige US-Zoll von 15 Prozent auf die meisten europäischen Produkte festgezurrt, wie etwa Autos, Autoteile, Arzneimittel, Halbleiter und Holz.

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) wiederholt seine Kritik an diesem Ergebnis: „Ein Zollsatz von 15 Prozent verteuert deutsche Fahrzeuge auf dem US-Markt strukturell – das wird sich auf Produktionsentscheidungen und die Modellstrategie der Hersteller auswirken“, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. „Was jetzt als vorteilhafter Handelsdeal verkauft wird, trifft am Ende die Kunden – mit weniger Auswahl und höheren Preisen.“

Zahlreiche Fahrzeugkomponenten werden transatlantisch entwickelt oder produziert – somit stünden auch Werkstätten und Servicebetriebe vor möglichen Kostensteigerungen. „Wenn bestimmte Teile oder Technologien nicht mehr effizient geliefert werden können, steigen die Preise im Ersatzteilmarkt – das wirkt sich unmittelbar auf die Reparaturkosten aus“, so Peckruhn. „Letztendlich tragen die Verbraucher die Last dieses Zolls – beim Autokauf genauso wie beim Werkstattbesuch.“

VDA: EU muss zügig handeln und Planungssicherheit bieten

Erste Reaktionen gibt es auch vom VDA: „Es ist ein gutes Zeichen, dass sich die USA und die EU nun endlich auf ein gemeinsames Dokument über ihre am 27. Juli 2025 verkündete Zollvereinbarung verständigt haben. Besonders wichtig für die europäische Automobilindustrie sind dabei die Regelungen zu den gegenseitigen Zollsenkungen – nachdem die Belastungen in die Milliarden Euro bzw. Dollar gingen, eine äußerst wichtige Nachricht. Gleichzeitig werden die bald geltenden Zölle mit 15 Prozent deutlich über den ursprünglichen 2,5 Prozent für die Exporte in die USA liegen. Langfristig muss das Ziel sein, hier wieder zu einem geringeren Zollsatz zu kommen", teilte Präsidentin Hildegard Müller mit. .

Gemäß der am Donnerstag (21. August) veröffentlichten Rahmenvereinbarung werden die USA ihre Zölle auf Pkw von aktuell 27,5 Prozent auf 15 Prozent senken. Auch die Zusatz-Zölle auf Teile in Höhe von 25 Prozent werden gesenkt, sodass ein Zoll von insgesamt 15 Prozent anfällt. Voraussetzung hierfür ist, dass die EU ihre versprochenen Zollsenkungen in die Wege leitet. Sollte die EU dies bereits im August initiieren, könnten sogar rückwirkend die Zölle für den Monat August gegenseitig erstattet werden. Insofern wäre es angesichts der vielen Herausforderungen für die Wirtschaft zwingend notwendig, dass die EU hier zügig handelt. Die Unternehmen brauchen dringend Klarheit und Planungssicherheit.

Ebenso positiv sei laut VDA das in der Vereinbarung festgehaltene Engagement im Bereich der regulatorischen Zusammenarbeit: Hier sollen bestehende Standards gegenseitig anerkannt werden und zukünftige Standards gemeinsam erarbeitet werden. Das ist nicht nur für die Automobilindustrie auf beiden Seiten des Atlantiks hilfreich.

Müller: „Insgesamt sind wir uns sicher, dass diese Vereinbarung einen positiven Impuls für die wichtigen transatlantischen Beziehungen gibt. Unsere Industrie ist mit über 2.000 Standorten in den USA eng verwoben. Deutsche Hersteller gehören zu den größten Exporteuren in den USA und umgekehrt lieferten deutsche Standorte im letzten Jahr rund 450.000 Fahrzeuge in die USA. Es ist also wichtig, dass der transatlantische Handel nicht mit Zöllen ‚bestraft‘, sondern erleichtert wird. Davon profitieren beide Seiten des Atlantiks."

Zölle belasten die Autoindustrie

Jedoch dürfe nicht vergessen werden: Auch die nun vereinbarten US-Zölle werden die deutsche Automobilindustrie belasten. Umso wichtiger sei es, dass Berlin und Brüssel die eigenen Hausaufgaben mit Blick auf Standortattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit entschlossen angehen.

Denn der Zollstreit mit den USA habe laut VDA nochmals eindrücklich verdeutlicht: Die EU müsse zu neuer wirtschaftlicher Stärke finden und dazu die Rahmenbedingungen in Europa für Unternehmen wie auch Investoren international wettbewerbsfähig ausgestalten. Nur so werde die EU als Investitionsstandort wieder interessanter und relevanter werden. Darüber hinaus müsse die EU entschlossen Freihandelsabkommen und Rohstoffpartnerschaften mit möglichst vielen Regionen der Welt abschließen. Hier sei die EU auf einem guten Weg, es seien nun mehr Tempo, mehr Entschlossenheit und mehr Pragmatismus als in der Vergangenheit gefragt, so der VDA.

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