Videoberatung: Kfz-Branche geteilter Meinung

Autor: Christoph Seyerlein

In Sachen Online-Handel gibt die Kfz-Branche trotz Corona-Pandemie und geschlossenen Verkaufsräumen weiter ein geteiltes Bild ab. Während einige beispielsweise aktuell die Video-Beratung forcieren, lehnen sie andere nach wie vor ab.

Firmen zum Thema

Audi hatte kürzlich vermeldet, die digitale Kundenberatung deutlich auszubauen.
Audi hatte kürzlich vermeldet, die digitale Kundenberatung deutlich auszubauen.
(Bild: Audi)

Da der stationäre Verkauf von Fahrzeugen infolge der Corona-Pandemie weiter verboten ist, greifen viele Autohändler vermehrt zu digitalen Hilfsmitteln. Auch Hersteller und Importeure investieren in jene Geschäftsfelder. Zuletzt hatten etwa Audi und FCA Deutschland verkündet, die digitale Kundenberatung auszubauen, Hyundai Deutschland betreibt bereits seit Februar einen Online-Showroom.

Doch längst nicht die gesamte Kfz-Branche traut jenen nicht-physischen Kundenkontakten zu, zur dauerhaften Lösung zu werden. Ein Händler sagte gegenüber »kfz-betrieb« beispielsweise: „Der Verkäufer mutiert mit der Videobrille zum Clown oder zum Berater. Beides ist wenig zielführend.“ Kunden gehe es beim Autokäufer nach wie vor darum, sich mehr als nur audiovisuell vom Produkt zu überzeugen.

Im Rahmen einer Umfrage von »kfz-betrieb« bei Instagram mit 1.011 Teilnehmern äußerte sich eine knappe Mehrheit von 53 Prozent ebenfalls negativ zum Thema Videoberatung. Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass die große Mehrheit der Zielgruppe des Accounts sehr jung ist und damit als digitalaffin gelten dürfte. 89 Prozent der User, die »kfz-betrieb« bei Instagram folgen, sind 34 Jahre oder jünger.

Befürworter erwarten Veränderung des Handels

Es gibt allerdings auch zahlreiche Befürworter des digitalen Autohandels. So hatte etwa Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), unmittelbar nach Inkrafttreten der Verkaufsbeschränkungen dem Handel empfohlen, beim Ausbau der eigenen digitalen Angebote „alle Register zu ziehen“.

Marktbeobachter erwarten zudem, dass sich das Kaufverhalten der Kunden durch die aktuelle Ausnahmesituation verändern könnte. Auch Menschen, die bislang wenig Kontakt zu digitalen Kommunikations- und Bezahlmethoden gehabt haben, kommen derzeit vermehrt damit in Kontakt und könnten sich daran gewöhnen. Die Unternehmensberatung Bain beispielsweise rechnet damit, dass im Lockdown erprobte Alternativen wie Videokonferenzen in Zukunft viele persönliche Treffen ersetzen könnten. Das könne zu nicht weniger als einer „neuen Normalität“ im Automobilhandel führen.

(ID:46503339)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«