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Vielfacher HU-Missbrauch im Raum Stuttgart

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Laut einem Pressebericht hat ein korrupter Gutachter im Großraum Stuttgart in 8.500 Fällen Fahrzeugen eine neue HU „verpasst“, ohne diese überhaupt untersucht zu haben.

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In 8.500 Fällen soll ein Gutachter der GTS unrechtmäßig Plaketten geklebt haben.
In 8.500 Fällen soll ein Gutachter der GTS unrechtmäßig Plaketten geklebt haben.
(Foto: dpa)

Nach Berichten der „Stuttgarter Nachrichten“ sind im Großraum Stuttgart 8.500 Autofahrer offenbar einem korrupten Gutachter aufgesessen. Dieser soll die Fahrzeuge mit frischen Plaketten und Papieren für die Hauptuntersuchung (HU) versehen haben, ohne sie überhaupt in Augenschein genommen zu haben. Gegen den 58-jährigen Gutachter der GTS (Gesellschaft für technische Sicherheitsprüfungen) ermittelt man jetzt wegen Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall und Falschbeurkundung im Amt.

Die Landratsämter schreiben derzeit die bekannten Betrugsopfer an und fordern sie auf, ihre Fahrzeuge beim TÜV, der als offizielle technische Prüfstelle des Landes fungiert, vorzufahren. Die Kosten für die neuerliche Untersuchung – 53,50 Euro – gehen dabei zu Lasten der Fahrzeughalter. Die „Rest-HU-Laufzeit“ bleibt dabei bestehen.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium hat inzwischen die Zulassungsstellen angewiesen, betroffene Fahrzeughalter bei Anfragen in Sachen Kostenerstattung an die GTS zu verweisen. Ob diese überhaupt in der Lage ist, für die Kosten aufzukommen, die der im März überführte Gutachter verursacht hat, ist unklar. Insgesamt soll es sich um Forderungen in Höhe von fast einer halben Million Euro handeln. Das Unternehmen ist laut „Stuttgarter Nachrichten“ für eine Stellungnahme seit Tagen nicht zu erreichen.

Mindestens die Hälfte der nachgeprüften Fahrzeuge haben erhebliche Mängel. Erfasst wurden bisher nur die Fahrzeuge der letzten ein bis eineinhalb Jahre. Die Ermittler der Polizei gehen davon aus, dass der Sachverständige auch in den Jahren zuvor unrechtmäßig Plaketten ausgegeben hat.

„Wir wissen nicht, um welche Werkstätten es sich handelt“, sagte Christian Reher, Geschäftsführer der Kfz-Innung Region Stuttgart, auf Anfrage. „Sofern es sich um Innungswerkstätten handelt, werden wir umgehend tätig: Diese Betriebe müssten dann mit einem Ausschlussverfahren rechnen und werden sofort ausgeschlossen. Darüber hinaus ist bei anerkannten AU-Werkstätten zu prüfen, ob sie diese Aufgaben noch durchführen dürfen.“

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