Volkswagen bringt neues Handschaltgetriebe mit Megaspreizung

Autor: Jan Rosenow

Mit einem Verhältnis 7,89 zwischen größtem und kleinstem Gang dürfte das MQ 281 einen Spitzenplatz einnehmen. Durch die längere Übersetzung soll die CO2-Emission um bis zu fünf Gramm sinken.

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Das MQ 281 ist das neueste manuelle Getriebe von Volkswagen.
Das MQ 281 ist das neueste manuelle Getriebe von Volkswagen.
(Bild: Volkswagen AG)

Als wir kürzlich einmal einen ganz normalen VW Golf 1.6 TDI als Leihwagen fahren durften – das Gegenteil der mit Extras vollgestopften Pressetestwagen – da schauten wir einigermaßen konsterniert auf den Schalthebel. Nur fünf Gänge? Ja, das gibt es auch heute noch, sogar in der Kompaktklasse. Und der Umgang mit der Box war keine Freude: Die Drehzahlsprünge viel zu groß, die Übersetzung des fünften Gangs zu lang, und die mittlere und rechte Schaltgasse lagen so eng beisammen, sodass Verschalter zwischen dritter und fünfter Stufe vorkamen. Unseren rechten Arm hätten wir gegeben für ein DSG.

Doch noch immer hat das Handschaltgetriebe einen erheblichen, wenn auch sinkenden Marktanteil in Europa. Und so ist es logisch, dass auch VW seine Schaltboxen von Zeit zu Zeit erneuert. Denn die Forderung nach sinkender CO2-Emission richtet sich auch an diese scheinbar kaum noch verbesserbaren Komponenten, und dafür hat VW nun das neue MQ 281 ausgelegt.

Schwere SUVs brauchen kürzeren ersten Gang

Bis zu fünf Gramm CO2 pro Kilometer soll das neue Getriebe einsparen, maßgeblich durch eine längere Übersetzung der oberen Gänge. Hier muss VW allerdings aufpassen, nicht zu überziehen. Der oben erwähnte Golf beispielsweise baute im höchsten Gang bei Landstraßentempo kaum noch Zugkraft auf – kein Wunder bei einer Drehzahl deutlich unter 2.000 min-1. Bei jedem Überholvorgang mussten wir herunterschalten.

Die Spreizung, also das Verhältnis der Übersetzungen des kleinsten und größten Gangs, von 7,89 dürfte einen Spitzenwert unter den Handschaltern darstellen. Der Wert kommt offenbar nicht nur durch einen noch „längeren“ Overdrive zustande, sondern auch durch eine kürzere Übersetzung der ersten Stufe. Laut VW ist diese nötig, um auch bei schweren Fahrzeugen mit großen Rädern – also SUVs – eine gute Anfahrperformance sicherzustellen.

Noch weniger Öl im Getriebe

Das MQ 281 basiert auf einem 2,5-Wellen-Konzept. Neben dem Radsatz haben die Entwickler auch die Lagerung und Schmierung überarbeitet. Mit verschiedenen Ölleitmaßnahmen realisierten sie eine gleichmäßige Beölung von Zahnrädern und Lagern und konnten dadurch die Füllmenge auf 1,5 Liter verringern. Die Dauerhaltbarkeit dieser Lösung wird sich allerdings erst später zeigen. Zur Reibungsreduzierung verwendeten die Ingenieure Lager mit berührungsarmen Dichtungen.

Zum Einsatz kommt das MQ 281 zunächst im neuen Passat und nachfolgend in nahezu allen Fahrzeugklassen des Volkswagen-Konzerns. Es weist ein Drehmomentspektrum von 200 bis 340 Newtonmetern auf, womit es die Getriebevarianten MQ 250 vollständig und MQ 350 teilweise ablöst.

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 Jan Rosenow

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group