Volkswagen startet Batteriezellfertigung in Salzgitter

Weniger abhängig von Zulieferern

| Autor: dpa

MIt den Zellen aus Salzgitter könnte Volkswagen auch seine Töchter Audi, Skoda, Seat oder Porsche.
MIt den Zellen aus Salzgitter könnte Volkswagen auch seine Töchter Audi, Skoda, Seat oder Porsche. (Bild: Volkswagen)

Der VW-Konzern hat in Salzgitter die Pilotfertigung für eigene Batteriezellen aufgenommen. Mittels der Fertigung in Kleinserie sollen weitere Erfahrungen gewonnen werden für eine spätere Zellherstellung im großen Rahmen. Damit verbunden ist ein Strategiewechsel im Konzern. Eine eigene Zellfertigung war für die deutschen Autohersteller bisher zu teuer, sie kauften die Komponenten von Zulieferern vor allem aus Asien ein. Nun wird parallel zur Fertigung in Salzgitter auch ein Forschungszentrum eröffnet. Und drittens plant VW für 2020 mit dem schwedischen Partner Northvolt in Salzgitter eine Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien.

Bislang sind die Autobauer bei ihren E-Autos von den Zulieferern abhängig, die die Batteriezellen liefern. Der VW-Konzern hat lange überlegt, diese zentralen Bauteile selbst zu produzieren. Manche Kritiker meinen: zu lange. Nun aber hat VW-Beschaffungsvorstand Stefan Sommer in Salzgitter – bisher Sitz des Werks für Verbrennungsmotoren – den Startschuss gegeben. Bis zum Jahreswechsel 2023/24 werden mehr als eine Milliarde Euro investiert. Mittelfristig sollen über 1000 Jobs in Salzgitter entstehen – 300 im jetzt eröffneten Entwicklungszentrum, weitere 700 im Joint Venture mit Northvolt.

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„Durch die Bündelung der Kompetenzen am Standort stellen wir sicher, dass wir die Weiterentwicklung der Batteriezellen als Schlüsselkomponente der Elektrifizierung selbst vorantreiben und schnell in die Serienfertigung überführen können“, sagte Sommer. Ein „Center of Excellence“ soll die interne Forschung vorantreiben.

Der nächste Schritt auf diesem Weg ist die Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien, für die VW den schwedischen Partner Northvolt ins Boot geholt hat. Vom Jahreswechsel 2023/2024 an sollen die Batterien vom Band laufen. Die Deutschen und die Schweden halten jeweils die Hälfte der Anteile, Volkswagen investiert rund 900 Millionen Euro.

Belieferung der Markentöchter

Eigene Batteriezellen hätten für den Autokonzern eine enorme Bedeutung. Töchter wie Audi, Skoda, Seat oder Porsche könnten von der Kernmarke beliefert werden, wie das heute schon bei Motoren, Getrieben, Lenkungen und weiteren Komponenten geschieht. Das hätte Kostenvorteile für die ganze Gruppe. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte eine eigene Zellproduktion schon früher befürwortet – „entgegen der Haltung des Vorstands“, der lange die Autozulieferer stärker in der Pflicht sah.

Ziel sind eine größere Selbstständigkeit und weniger Einfluss für marktbeherrschende Zulieferer wie Samsung und LG (Südkorea) oder CATL (China). VW-Konzernchef Herbert Diess hatte dem „Handelsblatt“ gesagt: „Ich finde es erschreckend, dass wir in diese Abhängigkeit geraten sind.“ Vor allem CATL versuchte zuletzt, in Deutschland stärker Fuß zu fassen, in Thüringen entsteht ein riesiges Zellwerk.

Je entschlossener der Umstieg auf die E-Mobilität angegangen wird, desto sicherer dürften langfristig auch die Jobs in den Fabriken sein. Zwar wird das geringere Arbeitsvolumen für Elektromotoren im Vergleich zu Verbrennern dazu führen, dass Stellen in traditionellen Bereichen wegfallen. Aber bei entsprechender Weiterbildung könnten viele Beschäftigte, so hofft die IG Metall, mit in die neue Welt wechseln. Ein „Zukunftspakt“, der bei VW neben Einsparungen auch die Schaffung solcher neuer Jobs vorsieht, war anfangs heftig umstritten.

Diess hatte jüngst gemahnt, die europäischen Autohersteller müssten sich endlich zu einer eigenen Fertigung durchringen. In der Politik laufen mehrere Initiativen, die dies unterstützen. Kürzlich beschlossen neun Staaten das Programm für einen zweiten europäischen Batterieverbund.

Nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gelang es, zwei Großprojekte zur Batteriezellfertigung aufs Gleis zu setzen. Sein Ressort fördert den Aufbau einer Zellfertigung mit einer Milliarde Euro, um Wertschöpfung und Jobs zu erhalten und aufzubauen. In einem ersten deutsch-französischen Konsortium sind Opel, dessen Mutter PSA und der französische Batteriehersteller Saft vertreten.

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