Suchen

Volkswagen und Mercedes punkten bei der Polizei

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Die Polizei fährt in Deutschland regelmäßig auch in deutschen Modellen vor, VW und Mercedes haben dabei die besten Karten. Doch generell scheint das Interesse der Autobauer an den öffentlichen Ausschreibungen zu sinken – aus einem handfesten Grund.

Firmen zum Thema

(Foto: Grimm / »kfz-betrieb«)

Polizeiautos in Deutschland kommen meist von Volkswagen oder Mercedes-Benz. Die beiden Marken dominieren das Bild in einer aktuellen Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den deutschen Landespolizeien sowie der Bundespolizei. Auch BMW, Opel oder Ford sind in den Fuhrparks gut vertreten. Viel Geld verdienen die Hersteller mit diesem Geschäft aber nicht.

Die Umfrage zeigt Volkswagen bei den Streifenwagen, Polizeibussen und Zivilfahrzeugen im Bestand der deutschen Polizei klar an der Spitze. Elf Landespolizeien und die Bundespolizei lieferten verwertbare Daten. Dort kommt VW mit mehr als 8.600 Fahrzeugen auf einen Anteil von gut einem Drittel. Und auch in vier der fünf fehlenden Ländern gehören VWs zu den häufigsten eingesetzten Modellen. Vor allem der Passat und der VW-Bus werden von der Polizei genutzt.

Unter anderem liegt VW in Sachsen, Brandenburg, Bremen, Rheinland-Pfalz, Hamburg und bei der Bundespolizei im Fahrzeugbestand der Polizei vorne. In Thüringen schlägt VW Opel um einige Fahrzeuge und selbst in Bayern liegen die Niedersachsen noch vor BMW. Niedersachsen gibt dagegen keine verwertbaren Daten über die Markenverteilung im Bestand heraus. Da die drei häufigsten Modelle dort aber Passat, Golf und der VW-Bus sind, liegt es nahe, dass die Marke auch dort Marktführer im Polizei-Fuhrpark ist.

Mercedes ist die Nummer zwei im Polizeiautobestand und profitiert wie VW davon, Kleinbusse im Angebot zu haben. 6.600 Fahrzeuge lassen sich zählen, mehr als die Hälfte davon im Stammland Baden-Württemberg, wo Mercedes sieben Achtel der Polizeiautos stellt. Daneben haben die Stuttgarter auch noch im Saarland und in Hessen die Nase vorne.

BMW liegt mit mehr als 3.800 Fahrzeugen in den auswertbaren Daten auf den dritten Platz. Doch nur in einem einzigen Bundesland haben die Bayern die Nase vorne: NRW meldet zwar keine konkreten Zahlen, doch BMW sei die „mit Abstand“ häufigste Marke, heißt es dort. Doch das Land tauscht den Bestand der nicht-zivilen Streifenwagen aus: Dort werden der Ford S-Max und der Mercedes Vito künftig die 3er und 5er aus München ersetzen.

Opel liegt im Heimatmarkt Hessen zwar nur auf dem zweiten Platz, dafür hat die Marke in Berlin die Nase vorne. Insgesamt kommen die Rüsselsheimer im auswertbaren Bestand auf mehr als 2.700 Fahrzeuge. Deutlich dahinter, mit mehr als 800 Fahrzeugen in den auswertbaren Daten, folgt Audi.

Wenig Verdienst, viel Prestige

Lohnend ist das Geschäft mit den Polizeiautos für die Hersteller eher nicht. Die meisten Landespolizeien äußern sich zwar nicht zu den typischen Rabatthöhen, doch teilweise ist von bis zu 35 Prozent zu hören. Von Ford heißt es: „Verkäufe an Polizeien stellen, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, absolute Grenzgeschäfte dar.“ Das liegt nicht nur an den Rabatten: „Um die umfangreichen Anforderungen der Polizeien darstellen zu können, bedarf es hoher Investitionen in zusätzliche Fahrzeugtechnik und in gegenüber Serienfahrzeugen zusätzliche Test-Szenarien“, sagt ein Ford-Sprecher.

Dass die Hersteller den Weg dennoch mitgehen, liegt am Prestige-Gewinn: „Die Polizei genießt allgemein ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung und hat ein positives Image. Volkswagen hat daher grundsätzlich Interesse daran, sie mit Fahrzeugen zu beliefern“, heißt es aus Wolfsburg. Dort stellt man zudem einen Trend fest, der dem Gesamtmarkt folgt: „Inzwischen ist auch im Polizeibereich der Trend zum SUV spürbar", sagt ein Sprecher. „Beispielsweise verzeichnen wir zunehmendes Interesse am Tiguan Allspace.“ Auch Plug-in-Hybride und E-Fahrzeuge würden stärker nachgefragt.

Auch wenn auffällt, dass die meisten Hersteller in den Bundesländern, in denen sie ihren Sitz haben, auch gut dastehen, ist der Zusammenhang dabei höchstens indirekt. „Die Beschaffung läuft grundsätzlich und ausschließlich im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen“, heißt es beispielsweise vom Innenministerium Thüringen.

Regelmäßige hohe öffentliche Investition

Dazu, wie engagiert die Hersteller an diesen Ausschreibungen teilnehmen, gibt es unterschiedliche Aussagen: „Das Interesse der Hersteller, fertig ausgebaute Funkstreifenwagen anzubieten, ist spürbar gesunken“, heißt es aus dem Saarland. Auch in Bayern bemerkt man diesen Trend und führt ihn auf die „immer komplexeren Anforderungen an den Ausbau als Polizeifahrzeug und des hohen Aufwands für den Fahrzeughersteller“ zurück. Ähnliches ist aus Baden-Württemberg zu hören. In Berlin melden sich nicht einmal regelmäßig mehr als zwei Bieter bei den Ausschreibungen.

Aus Hessen heißt es dagegen: „Das Interesse der Bieter ist groß, zumal in der Regel langfristige Rahmenverträge geschlossen werden.“ Auch von Audi heißt es beispielsweise, der Sektor sei „nach wie vor interessant und prestigeträchtig“. Und BMW verweist auf sein „umfangreiches und vielfältiges Angebot an selbst entwickelten und produzierten Sonderfahrzeugen“.

Das finanzielle Volumen hinter den Aufträgen ist zumindest nicht zu vernachlässigen. So standen alleine in Nordrhein-Westfalen 2019 mehr als 98 Millionen Euro für die Beschaffung neuer Autos im Haushalt. Die Höhe liegt zwar am aktuellen Umstieg auf andere Autos aber auch in anderen Ländern ohne Sondereffekte sind die Investitionen in neue Polizeiautos hoch. In Bayern sind es mehr als 34 Millionen Euro, in Baden-Württemberg waren es zuletzt knapp 20 Millionen, in Sachsen rund 15 Millionen.

(ID:46305621)