VW Budd-E: Vision vom neuen Volkswagen

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Deshalb leuchtet und funkelt Budd-E bei seiner Tour durchs Industriegebiet mit seinem Kühlergrill aus LED-Konsolen und den umlaufenden Lichtleisten mit der Skyline um die Wette und strahlt von innen heraus so hell, dass die Jungs an der Tankstelle selbst kurz vor Mitternacht noch einmal nach ihren Sonnenbrillen greifen.

Kein Wunder. Sjenar hat die Designstudie schließlich mit allem gespickt, was bei den Digital Natives ankommt und was die Nerds bei einer Computermesse glücklich macht. Wer begleitet von sphärischen Sifi-Sounds mit einer beinahe magischen Geste die Türen aufschwingen lässt, der blickt deshalb in ein komplett animiertes Cockpit mit aufwändigen 3D-Grafiken. Statt Knöpfen und Tasten gibt es Touchscreens und –pads mit haptischer Rückmeldung bis hinein ins Lenkrad. Und neben den Türen lassen sich auch viele weitere Funktionen mit einer weiterentwickelten Gestensteuerung abrufen.

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Während Fahrer und Beifahrer vorne in einem schlanken Cockpit sitzen und sich fühlen wie Captain Kirk im Kommandostand der Enterprise, lümmeln die Mitfahrer hinten in einer Hightech-Lounge und starren auf einen 34 Zoll großen Flat-Screen. Dabei sind sie auch während der Fahrt im Budd-E immer online und nie isoliert. Schließlich ist der VW von Morgen ein Knotenpunkt im so genannten Internet der Dinge und deshalb voll mit der digitalen Lebenswelt der Insassen vernetzt.

Nicht nur Beleuchtung und Musikprogramm passen sich auf Wunsch automatisch den Strecken, der Umgebung oder den Vorlieben der Passagiere an. Selbst das Smart-Home hat der Budd-E-Fahrer immer im Blick. Er sieht aus der Ferne, wer daheim gerade an der Tür klingelt, er kann in den Kühlschrank schauen oder die Heizung einstellen. Und weil der Server auf Wunsch immer weiß, wo Budd-E gerade ist, taugt die Studie sogar als mobiler Briefkasten und hat dafür eigens eine ausziehbare Schublade im Heck, die ähnlich wie eine Packstation genutzt werden kann.

Budd-E als Vorbote einer neuen Zeit

Das zumindest sind die Phantasien, denen Sjenars großes Projektteam in der Studie eine Chance geben wollte. Allerdings sind sie dabei zum Teil auch ein bisschen über das Ziel hinaus geschossen. Nicht nur, weil manche Techniken wohl noch ein paar Jahre auf sich warte lassen. Auch, weil sie bisweilen im Dschungel der vielen Möglichkeiten offenbar die Orientierung verloren haben – warum sonst zum Beispiel flimmert ausgerechnet in einem Auto für Las Vegas die Werbung für die Casino-Stadt Reno über den Flatscreen im Fond?

Der Projektleiter hat für diese Lapsus nur ein Lächeln übrig und startet mit Budd-E zur letzten Fotorunde. Als er wieder zur Tankstelle kommt und die Studie kurz vor dem Verladen noch einmal wendet, zücken die anderen Kunden ein letztes Mal Handys und klicken die Speicherchips voll. Zumindest dieses UFO werden sie wohl nie wieder sehen. Nur der Tankwart macht ein verdrießliches Gesicht. Denn wenn Sjenar Recht hat mit seiner Prognose und der Budd-E tatsächlich der Vorbote einer neuen Zeit ist, dann kann er seine Zapfsäulen bald abbauen.

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