VW T-Roc R: Der personifizierte Spagat

Autor / Redakteur: sp-x/cs / Christoph Seyerlein

VW macht sein Kompakt-SUV T-Roc zum Sportwagen. Die R-Version mit 300 PS schafft Tempo 250. Das richtige Signal eines Herstellers, der Vorreiter der Elektrorevolution sein will?

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Vom VW T-Roc gibt es nun auch eine Performance-Variante.
Vom VW T-Roc gibt es nun auch eine Performance-Variante.
(Bild: Volkswagen)

An diesem neuen Volkswagen werden sich die Gemüter der Freitags-Aktivisten und Bedenkenträger erhitzen. Ein SUV, das zugegeben mit 4,23 Metern kein Stadtpanzer ist, das aber 300 Benzin-PS unter der kurzen Haube hat und die linke Spur der Autobahn mit 250 km/h rocken will. Eigentlich also ein Sportwagen.

Passt das zu einem Autobauer, der in den letzten Monaten die Elektro-Revolution im eigenen Haus ausgerufen hat und zum führenden Anbieter jener Fahrzeuge werden will? Auf den ersten Blick sicherlich nicht. Klar ist aber auch: Der Wandel will irgendwie finanziert werden. Und der T-Roc R ist mit seinen Voraussetzungen durchaus ein potenziell lukrativer Geldbringer für VW.

VW T-Roc R: Vollgas zurück
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Dafür sprechen unter anderem die Verkaufszahlen des „normalen“ T-Roc: Laut KBA ist das Auto in diesem Jahr mit bislang 46.847 Neuzulassungen (Stand: Ende September) das mit Abstand erfolgreichste SUV hierzulande. Zum Vergleich: Platz zwei geht an den Ford Kuga mit 29.938 Neuzulassungen. Und auch innerhalb der VW-Bestsellerliste klettert der T-Roc immer weiter. Mittlerweile ist er auf Platz vier hinter dem Golf (149.701 Neuzulassungen), dem beim KBA als Geländewagen geführten Tiguan (65.358) und dem Polo (46.938) angekommen. Letzteren wird er wohl schon im Oktober überholen. Andere Größen wie den Passat (42.927) hat er bereits hinter sich gelassen.

Mit dem T-Roc bedient VW also ein boomendes Segment. Und auch Performance-Modelle sind trotz aller Diskussionen aktuell durchaus gefragt. Noch dazu kommt: Der T-Roc R ist mit knapp 44.000 Euro durchaus in einem bezahlbaren Bereich für Leistungshungrige, also alles andere als ein Exot. All das macht das Auto zum personifizierten Spagat: Einerseits steht es für ziemlich viel, was VW – zumindest in der Außendarstellung – nicht mehr sein will. Andererseits ist der T-Roc R für die Wolfsburger ein wichtiger Garant, den kostspieligen Wandel überhaupt hinbekommen zu können.

Optisch nur ein kleiner Krawallbruder

Eine nüchterne Betrachtung des Modells fällt aufgrund jener Voraussetzungen nicht gerade leicht. VW spricht von einem Crossover-SUV, vielleicht ein verbaler Trick zur Ablenkung und Kritik-Vorbeugung. Crossover bedeutet so etwas wie „übergreifend“, also die Kombination zweier Arten von Autos. Bei anderen Modellen dieses Genres steht der Begriff für eine Mischung aus Kombilimousine und SUV. Im Fall des T-Roc mischt sich noch ein Sportwagen in die Kreation. Drei in einem also.

Wobei der Allradler optisch nur wenig wie ein Krawallbruder daherkommt. Am deutlichsten ist der Sportler am steil stehenden Tagfahrlicht an den Seiten der beiden vorderen Lufteinlässe zu identifizieren, die beim normalen T-Roc von einem recht grellen LED-Band umrundet sind. Weitere sichtbare Attribute finden sich sehr dezent an Bug und Heck, wie zum Beispiel ein durchgehendes silbernes Chromband am Kühlergrill oder Luftauslässe am Hinterteil. Und natürlich die vier Endrohre.

Im Innenraum das gleiche Bild, alles gleicht dem bekannten Ambiente des T-Roc. Digitaler Tacho, Drehschalter in der Mittelkonsole für die einzelnen Fahrprogramme, die durch einen „Race-Modus“ ergänzt wurden. Der Navi-Bildschirm mit Touchscreen-Technik aus dem VW-Baukasten für viele Modelle ist ebenfalls an Bord. Der Startknopf ändert das Vertraute, vermittelt per blubbernder Akustik an alle da draußen, dass hier ein besonderer VW sprungbereit ist. Nicht aufdringlich, aber im Vergleich zur Laufruhe heutiger Autos ein hörbarer Beleg für das Thema Sport.

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