Wachsendes Interesse an Gasfahrzeugen

Autor / Redakteur: gr/sp-x / Andreas Grimm

Der Markt für Gasfahrzeuge ist noch kleiner als der für E-Autos. Trotzdem kamen in den letzten Wochen Signale für eine Trendwende. Das Interesse der Kunden scheint zu wachsen.

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Seat warb auf der IAA mit diesem Schnittmodell der Gastanks in einem Auto für den Gasantrieb.
Seat warb auf der IAA mit diesem Schnittmodell der Gastanks in einem Auto für den Gasantrieb.
(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Im Zuge der Diesel- und Emissionsdiskussion ist der Gas-Antrieb wieder ein wenig ins öffentliche Bewusstsein gekommen. Zumindest Fachleute und die Interessenverbände verweisen gerne darauf, dass gasbetriebene Pkw grundsätzlich schadstoffärmer fahren und strenge Grenzwerte schon lange schaffen. Allein CNG-Modelle stoßen 18 Prozent weniger CO2 aus als Benziner und emittieren 90 Prozent weniger Stickoxide als Dieselmotoren. Doch der Verkaufserfolg blieb in den letzten Jahren aus. Nun hat die IAA die Technik und die verfügbaren Modelle zumindest ein wenig zurück ins Bewusstsein gebracht.

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) kamen im Verlaufe dieses Jahres bislang 1.663 Erdgas- (CNG) und 2.946 Flüssiggas-Modelle (LPG) neu auf die Straßen. Dabei entwickelt sich die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unterschiedlich. Der CNG-Modellabsatz sank um 23,3 Prozent, während sich LPG-Modelle 42,6 Prozent besser verkauften. Allerdings sind die Stückzahlen tatsächlich unbedeutend. Zum Vergleich: Im bisherigen Jahresverkauf kamen immerhin 14.186 rein batterieelektrische Neuwagen auf die Straßen – das Dreifache des gesamten Gasauto-Volumens.

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Nach den Beobachtungen des Neuwagenvermittlers Meinauto.de ist das Interesse an Gas-Autos nach Auslobung der Eintauschprämien für Diesel-Fahrzeuge sprunghaft gestiegen (zum Vergrößern bitte klicken).
Nach den Beobachtungen des Neuwagenvermittlers Meinauto.de ist das Interesse an Gas-Autos nach Auslobung der Eintauschprämien für Diesel-Fahrzeuge sprunghaft gestiegen (zum Vergrößern bitte klicken).
(Grafik Meinauto.de)

Möglicherweise könnte das Interesse an Gas-Fahrzeugen aber nachhaltig steigen. Das KBA verzeichnete zuletzt auf Basis der monatlichen Zahlen einen deutlichen Zuwachs an Neuzulassungen. Und auch der Neuwagenvermittler Meinauto.de registriert eine vermehrte Nachfrage nach Autos mit Gasantrieb. Seit Anfang August hätten die entsprechenden Konfigurationen um das Sechsfache zugelegt. 3,6 Prozent der online nachgefragten Neuwagen würden derzeit mit Gasantrieb ausgestattet.

Bei Meinauto.de führt man die Entwicklung auf die Umweltprämien der Hersteller zurück, die das Interesse auch auf diese Antriebstechnik lenkt. Gas-Pkw werden erstmals auch mit Extraprämien gefördert, ähnlich wie die zusätzlichen Anreize für E-Modelle. In der ganzen Zeit seit Aufkommen der Dieseldiskussion sei kein signifikanter Anstieg bei Gasfahrzeugen feststellbar gewesen, heißt es bei Meinauto.de: „Die Nachfrage lag online seit dem Abgasskandal durchschnittlich bei 0,48 Prozent.“

Gas war kleines Thema auf der IAA

Dass es Autos mit Gasantrieb tatsächlich zu kaufen gibt, zeigten mehrere Hersteller zuletzt auf der IAA in Frankfurt. Opel präsentierte ein neues CNG-Fahrzeug. Die Rüsselsheimer bringen zusätzlich zu Zafira Tourer und Combo nun den Astra (ab 23.000 Euro) sowohl als Limousine als auch den Kombi mit Erdgas auf den Markt. Der Kompakte wird von einem 1,4-Liter-Turbomotor mit 81 kW/110 PS und 200 Newtonmeter Drehmoment angetrieben. Der Ottomotor verträgt neben Benzin eben Erdgas und Biogas oder eine beliebige Mischung daraus. Bis zu 450 Kilometer Reichweite sind im reinen Gasbetrieb möglich. Der Benzintank fasst 14 Liter.

VW und Seat legten sich auf der IAA auf Kleinwagen mit Erdgasantrieb fest. Schließlich sind Diesel in diesem Segment aufgrund der hohen Anforderung an Abgasvorschriften und der damit verbundenen hohen Kosten unattraktiv. Vielfahrer können VW Polo oder Seat Ibiza als CNG-Version gegen Ende 2017 ordern. Als Antrieb dient der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 66 kW/90 PS. Am Seat-Stand führte der Autobauer Interessenten mit Schnittmodellen zudem in die Speichertechnik ein.

Audi wiederum zielt auf die klassische Flotten- und Fuhrparkkundschaft mit dem A4 Avant (ab 40.300 Euro) und dem A5 G-tron (ab 40.800 Euro). Anders als der bereits im Portfolio befindliche A3 G-tron (81 kW/110 PS) kommt bei den zwei Mittelklassemodellen ein stärkerer Motor zum Einsatz. Der 2,0-Liter-TFSI leistet 125 kW/170 PS und stellt immerhin 270 Newtonmeter bereit. Der Standardspurt gelingt in 8,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 221 erreicht.

Der Normverbrauch liegt bei rund 4 Kilogramm Gas auf 100 Kilometern. Audi sieht neben geringeren Emissionen denn auch die günstigen Verbrauchswerte als Pluspunkt für die erdgasbetriebenen Modelle. Da die Motoren auf den Betrieb mit Erdgas optimiert wurden, bleiben sie auch unter Volllast recht genügsam. Die Gesamtreichweite gibt Audi mit rund 900 Kilometern an – 500 Kilometer mit Erdgas, 400 Kilometer mit Benzin.

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