Fahrzeugdaten aus SBZ und DDR Was nicht passte, wurde passend gemacht

Von Dipl.-Ing. (FH) Kfz-Technik Peter Diehl 6 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Oldtimer aus dem Osten Deutschlands und deren Dokumente passen längst nicht immer zusammen. Durch den Einigungsvertrag haben solche Konstellationen nach wie vor Bestand. Was sind die Hintergründe? Wie sollten Sachverständige heute damit umgehen?

Der Zweite Weltkrieg ist einer von mehreren Gründen, warum bei Oldtimern aus dem Osten Deutschlands Fahrzeug und Dokumente nicht immer zusammenpassen.(Bild:  Peter Diehl)
Der Zweite Weltkrieg ist einer von mehreren Gründen, warum bei Oldtimern aus dem Osten Deutschlands Fahrzeug und Dokumente nicht immer zusammenpassen.
(Bild: Peter Diehl)

Eine Begebenheit aus dem Jahr 2019: Der Besitzer eines betagten Pkw, der Optik nach ein VW Käfer, fragte bei der damaligen Oldtimerversicherung Autosan Classic nach Versicherungsschutz. In der zugleich übersandten Kurzbewertung erweckte das Fahrzeug zunächst einen positiven Eindruck, weil technisch und optisch in gutem Zustand und nach der Restaurierung kaum gefahren. Dem Abschluss von Oldtimer-Haftpflicht- und -Kaskoversicherung hätte also nichts im Weg gestanden, wäre da nicht eine auffällige Diskrepanz zwischen Baureihe und monetärer Bewertung gewesen: Das in der Kurzbewertung als Typ 166 identifizierte Fahrzeug sollte lediglich einen Marktwert von 30.000 Euro haben. Echte 166er, sogenannte Schwimmwagen, werden üblicherweise für Beträge jenseits 100.000 Euro gehandelt. Worin bestand der Fehler?

Bildergalerie

Zur genaueren Untersuchung der Kurzbewertung, vor allem des Bildmaterials, wurde die Kurzbewertung anonymisiert und der VW-Experte Prof. Dr.-Ing. Holger Enge hinzugezogen. Der Kfz-Mechanikermeister, promovierte Kfz-Ingenieur und Professor für Industrial Engineering an der Dualen Hochschule Sachsen in Plauen fungiert auch als technischer Berater des Käfer-Clubs „Brezelfenstervereinigung“. Er kam zu diesem Ergebnis: Bodenplatte und Vorderachskörper haben ihren Ursprung in einem KdF- oder Kübelwagen aus den Kriegsjahren. Die Typ-1-Karosserie stammt größtenteils aus dem Jahr 1952, ergänzt durch Teile aus späterer Fertigung, speziell am Vorderwagen. Und die Typbezeichnung 166 beruht lediglich auf den Papieren eines Schwimmwagens, die dem zum Zeitpunkt des Aufbaus wohl papierlosen Fahrzeug zugeordnet wurden. Es handelt sich also um einen DDR-typischen „Mischmasch“. Das ist nichts Schlechtes oder gar Illegales – im Gegenteil: ein interessantes Stück deutscher Mobilitätsgeschichte, was seitens des ausführenden Sachverständigen jedoch unerkannt blieb. Womit auch die Frage nach dem Fehler beantwortet ist.