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Sind mittlerweile alle Audi- und Volkswagen-Autohäuser in den Händen neuer Eigner?
Bis auf das Autohaus in Soest sind alle Standorte in den Händen neuer Eigner. Interessanterweise ist Soest als erfolgreichstes Max-Moritz-Autohaus noch nicht vermittelt. Hier spielen händlernetzpolitische Aspekte eine Rolle, da es in Soest einen weiteren VW-Händler gibt und sich nur einen Steinwurf entfernt zwei Audi-Zentren befinden.
Inwieweit ging das Ziel auf, die Arbeitsplätze zu erhalten?
Ins Ostfriesland wurden 50 von 300 Arbeitsplätzen abgebaut. Das war der schmerzhafteste Einschnitt. An den anderen Standorten wurde der überwiegende Teil übernommen, manch ein Mitarbeiter hat das Unternehmen aber auch von sich aus vorher schon verlassen.
Nachdem Sie Insolvenz angemeldet hatten?
Wenn die Insolvenz eingeleitet wird, dann geht eine Schockwelle durch den Betrieb. Aber durch die Insolvenz in Eigenregie läuft für drei Monate alles so weiter wie zuvor. Somit kehrt auch wieder Ruhe ein, da alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr Gehalt wie bisher erhielten – einschließlich Weihnachtsgeld. In dieser Zeit haben sich rund zehn Prozent der Belegschaft selbst umorientiert.
Warum sind die 50 Arbeitsplätze weggefallen?
Weil der neue Investor mit Unterstützung und den Möglichkeiten des Insolvenzverwalters härter verhandeln konnte als wir seinerzeit. Hätte die IG Metall dieser und weiteren aus Unternehmersicht verständlichen Forderungen nicht zugestimmt, wären alle 300 Arbeitsplätze futsch gewesen. Alle personellen und tariflichen Maßnahmen ersparen dem neuen Inhaber somit 2,5 bis 3 Millionen Euro im Jahr.
Was passiert bei einer Insolvenz in Eigenregie im Unternehmen?
Bei einer klassischen Insolvenz ist sofort Feierabend, da der erste Brief die Kündigung des Händlervertrages beinhaltet. Eine Insolvenz in Eigenregie bringt gefühlt erst einmal gar keine Veränderung mit sich. Es werden keine Händlerverträge gekündigt, die Geschäfte laufen weiter, wir können Neuwagen bestellen, die auch geliefert werden. Auch die Ersatzteile werden ohne Vorkasse geliefert. Das gelingt aber nur, wenn man ein vertrauensvolles Verhältnis zur Bank und zum Hersteller hat. Dennoch verläuft das Geschäft mit gedämpftem Licht im Saal. Risiken geht man nicht mehr ein, man tätigt nur noch sichere Geschäfte. Und mit dem Insolvenzverwalter ist ein weiterer Geschäftsführer an Bord, der – wenn man so will – auch den Hut auf hat. Daran muss man sich erst gewöhnen.
Wer entscheidet darüber, welcher Insolvenzverwalter ins Spiel kommt?
Das Amtsgericht. Man kann zwar Wünsche äußern, ob diese gehört werden, obliegt aber der Richterin bzw. dem Richter.
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