Wellergruppe: Einzelne Verfehlungen reißen Max-Moritz-Betriebe nieder

Autor: Wolfgang Michel

Die Insolvenz der Max-Moritz-Betriebe (VW/Audi) passt so gar nicht ins Bild der Wellergruppe. Unternehmenschef Burkhard Weller spricht im »kfz-betrieb«-Interview über Fehler, Lehren und Maßnahmen sowie die Zukunft der beiden verbliebenen Markenwelten der Gruppe.

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(Bild: Michel/»kfz-betrieb«)

Redaktion: Sie nehmen für sich in Anspruch, Ihr Unternehmen hochprofessionell zu führen bzw. managen zu lassen. Wieso kam es dennoch zur Schieflage der VW/Audi-Betriebe?

Burkhard Weller: Mit Auto Weller (Toyota/Lexus) und B&K (BMW/Mini) sind wir seit 39 bzw. 21 Jahren sehr erfolgreich unterwegs. Bei Max-Moritz (VW/Audi) hingegen haben wir jahrelang fußkranke Betriebe eingesammelt. Diese Autohäuser waren zum Zeitpunkt der Übernahme allesamt insolvent. Max-Moritz war ein ständiger Kraftakt. Dennoch waren wir bis zum Schluss noch guter Dinge, alles auf die Reihe zubekommen.

Was ist dazwischengekommen?

Zwei Prokuristen haben in ihren Berichten verschiedene Zahlen so geschickt manipuliert, dass es im Controlling lange Zeit nicht aufgefallen ist. Damit nahm die Katastrophe ihren Lauf. Gemeinsam mit neuen Führungskräften kämpften wir noch sechzehn Monate, die Trendwende ist jedoch nicht mehr gelungen. Heute müssen wir uns eingestehen, dass wir früher und konsequenter hätten handeln müssen. Nur dann wäre die Insolvenz eventuell noch vermeidbar gewesen.

Waren alle VW/Audi-Betriebe gleich schlecht unterwegs?

Nein, ins Trudeln haben uns die Standorte in Ostfriesland gebracht. Mit den anderen Max-Moritz Häusern wären wir nie in die Insolvenz gegangen. Aber das war leider nicht zu trennen. Hier haben wir den ersten Fehler gemacht. Mit der Übernahme der damals insolventen Betriebe hätten wir Max-Moritz-Ostfriesland als eigenes Unternehmen und somit wirtschaftlich komplett getrennt von unseren anderen VW/Audi-Betrieben in Bielefeld, Hagen und Soest führen müssen. Letztere waren zwar auch keine Ertragsperlen, wir haben in Summe aber nie ein Minus geschrieben. Jedoch begingen wir den Fehler, Max-Moritz Ostfriesland finanziell durch Max-Moritz West zu stützen.

Sie haben quersubventioniert.

Ja, und am Ende hat Ostfriesland die ganze VW/Audi-Gruppe niedergerissen.

Zuvor haben Sie noch viel Geld für das Audi-Zentrum in Bielefeld in die Hand genommen. Warum?

Weil wir zu diesem Zeitpunkt noch davon ausgegangen sind, dass Max-Moritz funktioniert. Bielefeld ist eine kaufkraftstarke Stadt mit über 300.000 Einwohnern, aber ohne Audi-Händler vor Ort. Diese Kombination ist unter normalen Umständen eine Riesenchance.

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Werden die unterschiedlichen Gründe, die zur Insolvenz führten, derzeit noch aufgearbeitet?

Sicher, das Geschehene können wir nicht einfach so hinnehmen. Wir stellen uns derzeit viele kritische Fragen und arbeiten an verschiedenen innerbetrieblichen Maßnahmen, ohne dabei mit dem Finger auf jemanden zu zeigen.

Wie war es möglich, die beiden anderen Markenwelten BMW/Mini und Toyota/Lexus aus der Insolvenz der Max-Moritz-Gruppe herauszuhalten?

Dafür war es extrem wichtig, frühzeitig Mauern aus Beton hochzuziehen. Das haben wir gemacht.

Wie?

Unsere Markenwelten Toyota/Lexus, BMW/Mini und VW/Audi sind bzw. waren drei rechtlich und finanziell völlig voneinander getrennte Unternehmen mit jeweils einzelnen Geschäftsabschlüssen.

Hier gab bzw. gibt es keinerlei Quersubventionen?

Nein, nicht einmal ein Anhänger darf unentgeltlich vom anderen Unternehmen genutzt werden. Und wenn eine Dienstleistung von Auto Weller (Toyota) an B&K (BMW) geht, oder umgekehrt, dann wird eine Rechnung geschrieben. Diese wird bezahlt, als wäre es ein Dritter.

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 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«