Wessels + Müller: Trost-Übernahme nur unter Auflagen

Bedingung ist der Verkauf regionaler Niederlassungen

| Autor: Christopher Kampfmann

Mit der Entscheidung des Bundeskartellamts steht der Übernahme von Trost durch Wessel & Müller nichts mehr im Weg.
Mit der Entscheidung des Bundeskartellamts steht der Übernahme von Trost durch Wessel & Müller nichts mehr im Weg. (Foto: Trost)

Die Übernahme der Trost Auto Service Technik SE durch die Wessels + Müller SE kann nur unter Auflagen erfolgen. Wie der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, in einer Pressemitteilung vom Freitag erklärte, müssen die beiden Unternehmen in einigen Märkten vor der Fusion zunächst Standorte verkaufen. Ohne den Verkauf würde dort „der Wettbewerb zwischen den Großhändlern durch die Übernahme in diesen Regionen erheblich beeinträchtigt“.

Betroffen von der Entscheidung sind „nach intensiver Prüfung“ die regionalen Märkte in Braunschweig, Darmstadt, Frankfurt, Heilbronn, Magdeburg und Stuttgart. Hier müssen Standorte an unabhängige Dritte verkauft werden. Aus Sicht des Kartellamts drohte in diesen Städten durch einen Zusammenschluss die Gefahr, „dass mit der Marktmacht von Wessels & Müller Nachteile für die freien Werkstätten und ihre Kunden entstehen“. Dies habe eine Befragung von Wettbewerbern und Kunden sowie die Marktanalyse des Kartellamts ergeben.

Ein funktionierender Wettbewerb im Teilehandel ist aus Sicht des Kartellamts allerdings wichtig für die Kfz-Branche, da Freie Werkstätten auf das Angebot der Sortimentsgroßhändler vor Ort angewiesen seien. Anbieter von Originalersatzteilen sowie Reifen- und Glasspezialisten könnten das Angebot der Sortimentsgroßhändler allenfalls in manchen Teilbereichen ersetzen.

Weiteres Zugeständnis: Abschied von ATR

Zudem musste sich Wessels + Müller im Zuge des Genehmigungsprozesses verpflichten, aus der bislang mit dem bundesweit stärksten Wettbewerber, der Stahlgruber Otto Gruber AG, bestehenden Einkaufsgemeinschaft Auto Teile Ring (ATR) auszuscheiden.

Roland Dilmetz, Geschäftsführer der ATR bedauerte in einer Reaktion einerseits das Ausscheiden des Gründungsmitglied Wessels & Müller nach 48 Jahren Zusammenarbeit. Das Bundeskartellamt habe jedoch sorgfältig geprüft, „daher können wir die Gründe nachvollziehen“. Der Auto-Teile-Ring wurde 1967 gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben Wessels und Müller die Großhändler Auto Merkur, Auto Staiger, Matthies und Stahlgruber.

Werkstätten, die über Wessels + Müller an ein Werkstattkonzept des ATR angebunden seien, könnten nun entscheiden, ob sie in ihrem jeweiligen Konzept bleiben wollen, erklärte die Einkaufsgemeinschaft. Als Folge der Entscheidung des Kartellamts wurde der für Ende August angesetzte Werkstattpartner-Kongress des ATR allerdings abgesagt. Die Veranstaltung soll 2016 nachgeholt werden.

Wessels + Müller erwirtschaftete mit 3.300 Mitarbeitern zuletzt einen Umsatz von rund 840 Millionen Euro. Die Trost-Gruppe kam mit 4.000 Mitarbeitern auf 800 Millionen Euro. Beide Unternehmen sollen laut früheren Aussagen nach der Fusion weiterhin unabhängig agieren.

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