Datenzugang Wettbewerb erhalten, Monopole vermeiden

Autor: Jan Rosenow

Beim 14. Berliner Automobildialog des ZDK gab Europaparlamentarier Ismail Ertug einen Einblick, welche Punkte dem Gesetzgeber in Bezug auf im Fahrzeug entstehende Daten wichtig sind. Zentrale Botschaft: Es darf keine „Torwächter“ für den Datenzugang geben.

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EU-Parlamentarier Ismail Ertug (links oben) versprach, sich für den freien Datenzugang einzusetzen. Ferner auf dem Bildschirm: Dr. Christoph Konrad und Alex Jan Erdmann vom ZDK.
EU-Parlamentarier Ismail Ertug (links oben) versprach, sich für den freien Datenzugang einzusetzen. Ferner auf dem Bildschirm: Dr. Christoph Konrad und Alex Jan Erdmann vom ZDK.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Die im Fahrzeug entstehenden Daten – Fahrprofil, Standortdaten oder servicerelevante Informationen – werden in naher Zukunft die Basis für vielfältige Geschäftsmodelle sein. Doch wenn es nach der Automobilindustrie geht, wird sie die meisten dieser Geschäfte selbst machen. Unabhängige Marktteilnehmer, beispielsweise freie Werkstätten, blieben demnach außen vor oder müssten sich mit Schmalspur-Datenzugängen begnügen.

Doch die EU hat dies als wettbewerbsfeindlich erkannt und eruiert derzeit Methoden, wie die Markteilnehmer des automobilen Aftermarkets künftig Daten aus den Fahrzeugen nutzen können. Die Automobilhersteller haben dafür das Konzept Nevada Share & Secure vorgestellt; die Datenweitergabe kann auch über eine externe Schnittstelle, zum Beispiel einen Treuhänder, erfolgen oder über das Fahrzeug selbst als offene, interoperable Schnittstelle.

EU will keine Datenmonopole

Beim 14. Berliner Automobildialog, den der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) am 2. Dezember als Onlineveranstaltung durchführte, gingen vier Experten auf verschiedene Aspekte der Thematik ein. Ismail Ertug, Mitglied des Europaparlaments, wies auf das europäische Ziel eines einheitlichen Binnenmarkts auch für den Datenaustausch mit sektorübergreifenden Standards hin. Es sollen also keine spezifischen Gesetze für den Umgang der Automobilbranche mit Daten geschaffen werden.

Laut Ismail Ertug hat der Gesetzgeber kein Interesse daran, neue Monopole zuzulassen. „Gatekeeper“, die den Zugang nach eigenem Ermessen reglementieren, dürfe es nicht geben. In Bezug auf die Automobilbranche betonte der Parlamentarier, dass freie Werkstätten weiter Chancen am Markt haben müssten. Er bot dem Kfz-Gewerbe Hilfe dabei an, bei weiteren Schlüsselfiguren in Brüssel für die Vorstellungen des ZDK zum freien Datenzugang zu werben. Bis zur Verabschiedung einer entsprechenden EU-Verordnung oder -Regulierung kann es aber nach Ertugs Einschätzung noch bis zu zwei Jahren dauern.

Kein „Daten-Bypass“ am Handwerk vorbei

Wettbewerb erhalten, Monopole vermeiden – diese Botschaft zum Thema Datennutzung sendete auch Dr. Tibor Pataki vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) an die Zuhörer beim 14. Berliner Automobildialog. Er betonte, dass der Kunde entscheiden solle, wer die Daten aus seinem Fahrzeug nutzen dürfe. Wettbewerbsfreiheit sei nur dann gegeben, wenn allen Marktteilnehmern ein gleichberechtigter Zugang ermöglicht werde. Unterstützt wurde er dabei von Fred Blüthner von der FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH. Dieser wies insbesondere darauf hin, dass der faire Datenzugang zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben wie etwa der Hauptuntersuchung erforderlich sei.

Dr. Alexander Barthel vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) lenkte in Bezug auf den Datenzugang den Blick auf die Anforderungen mittelständischer Unternehmen. Die Hersteller intelligenter Geräte und Systeme, etwa für Anwendungen im „Smart Home“ oder für „Smart Living“, dürften keinen „Daten-Bypass“ am Handwerk vorbei direkt zum Kunden legen. Hier gebe es ungeklärte Sachverhalte im aktuellen Wettbewerbsrecht, die durch die anstehende 10. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) geregelt werden sollten.

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group