„Das ist in gewisser Weise ein Wagnis“, sagt Stefan Reindl, der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Aber letztlich sei es auch Marketing. Porsche lebe nun einmal davon, vor allem bemerkenswerte Autos zu bauen. „Und man will zeigen, dass Elektromobilität nicht Verzicht heißt“, erklärt Reindl. Und natürlich wolle man sich auch von anderen unterscheiden.
Die Sache mit der Profitabilität
Dass das zumindest mal zu Beginn auf die Profitabilität durchschlage, sei klar. „Das betrifft aber nicht nur Porsche“, sagt Reindl. Mit etwa 10.000 Euro höheren Materialkosten rechnet der Konzern zum Start bei jedem Elektrofahrzeug im Vergleich zu einem Verbrenner-Modell. Um das angesichts der schwachen Autokonjunktur ohnehin nicht gerade bescheidene Ziel von 15 Prozent Rendite trotzdem halten zu können, hat Blume ein „Ergebnisprogramm“ aufgesetzt. Bis 2025 soll das sechs Milliarden Euro und von da an pro Jahr zwei Milliarden einbringen – über Einsparungen, aber auch mit neuen Umsatzquellen.
Die Frage, ob der Konzern aus der Elektro-Nummer zur Not auch nochmal herauskäme, falls es nicht läuft, stelle sich nicht, meint Blume. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Elektromobilität eine Erfolgsstory für Porsche wird“, sagt er. Bauen kann der Vorstandschef darauf, dass sich weltweit schon Tausende Menschen in den vergangenen Monaten quasi eine Katze im Sack gekauft haben. Für jeweils 2.500 Euro Anzahlung hat Porsche Vorbestellungen für den Taycan angenommen, von dem bis Mittwoch kaum jemand wusste, wie er in der Serienversion aussieht und wie er sich fährt. Blume wird deshalb auch nicht müde zu betonen, dass auch ein E-Porsche natürlich ein echter Porsche sei.
Neue Käuferschichten
Offiziell ist seit Monaten von mehr als 20.000 Interessenten die Rede, die schon eine Anzahlung geleistet haben. Produktionschef Albrecht Reimold hat jüngst aber auch schon von mehr als 30.000 gesprochen. Mindestens 20.000 Taycan pro Jahr will Porsche bauen. Nach oben ist noch Kapazität, von bis zu 40.000 war schon zu lesen. Auch dazu wollte sich Blume bislang nicht festlegen. Experte Reindl hält es für durchaus möglich, dass mit dem Taycan auch ganz neue Käuferschichten erschlossen werden können. Es sei indes sehr wichtig für Porsche, sagt er, dass sich die einzelnen Segmente nicht kannibalisieren.
Um die weltweit verschiedenen Klimaschutzvorgaben einhalten zu können, plant der Konzern, 2025 rund die Hälfte aller Fahrzeuge elektrifiziert oder mit reinem Elektroantrieb zu verkaufen. Beim Panamera etwa gelingt das schon, der wird in Europa schon seit einiger Zeit mehrheitlich als Hybridversion ausgeliefert.
Auf Erprobungsfahrt mit dem Porsche Taycan
Von seiner Ikone lässt Porsche hingegen die Finger. Der 911er mit Elektromotor kommt dann doch erst einmal nicht in Frage. Porsche will auch die Verbrenner weiterentwickeln, wobei sich das im Fall der Stuttgarter auf Benzinmotoren beschränkt. Neue Diesel gibt es bei Porsche nicht mehr. Eine Hybridversion des 911ers kann sich der Chef zwar prinzipiell vorstellen, machbar wäre es auch, konkret geplant ist es bisher aber nicht. Der 911er sei eine feste Größe in der Produktpalette, sagt Blume. „Er wird noch lange mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sein.“
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