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Wie sich Porsche auf Elektro trimmt

| Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Mit dem Taycan wagt sich nun auch Porsche aus der Deckung und präsentiert sein erstes reines Elektroauto. Die Investitionen in das Zukunftsprojekt sind immens, die Erwartungen aber auch.

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Der Porsche Taycan ist innen recht futuristisch - und gleichzeitig für Porsche ein wichtiges Zukunftsprojekt.
Der Porsche Taycan ist innen recht futuristisch - und gleichzeitig für Porsche ein wichtiges Zukunftsprojekt.
(Bild: Porsche)

Dass ihre Autos ja eigentlich kein Mensch braucht, ist etwas, mit dem sie gern kokettieren bei Porsche. Braucht keiner, will aber jeder. Das Motto ist schon ziemlich alt, zieht aber immer noch, vor allem wenn es besonders PS-starke und zugleich eher nicht so alltagstaugliche Supersportwagen zu bewerben gilt.

Der Taycan schlägt da womöglich ein bisschen aus der Art. Am Mittwoch hat das erste reine Elektromodell aus Stuttgart-Zuffenhausen seine Weltpremiere gefeiert - gleichzeitig an drei Standorten auf drei Kontinenten. Ab Ende des Jahres wird es ausgeliefert, die USA machen den Anfang, dann folgen Europa und China. Die Erwartungen sind groß. Porsche steht, wie die Branche insgesamt, wegen Dieselskandal und der Debatte um Fahrverbote in der Kritik und wird skeptisch beäugt. Der Konzern selbst hat Nachhaltigkeit und Elektromobilität unter Einsatz von Milliardenbeträgen zu Top-Themen gemacht und gar den Beginn einer neuen Ära ausgerufen - und muss nun liefern.

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Insofern braucht also vor allem auch die VW-Tochter selbst jetzt den Taycan. Und ob den dann wirklich jeder will – und wer ihn will – muss sich erst zeigen. Da geht es Porsche gerade nicht anders als allen anderen Autobauern, die zum Sprung ins Elektro-Zeitalter ansetzen.

Falls er deshalb nervös ist, lässt sich Vorstandschef Oliver Blume das zumindest nicht anmerken. „Der Einstieg in neue Technologien ist nie ohne Risiko zu bewältigen“, sagt er. Aber ohne den Mut dazu sei in der Zukunft eben auch nichts zu holen. Und Porsche habe sich früh festgelegt: „Wir haben die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt, noch bevor die Diskussionen um die Zukunft des Dieselmotors und den Klimaschutz aufkamen“, betont der 51-Jährige.

Sechs Milliarden Euro für die Elektromobilität

Der Konzern nimmt bis 2022 sechs Milliarden Euro in die Hand, um groß in das Geschäft mit der Elektromobilität einzusteigen, stellt 1.500 neue Leute eigens dafür ein. Das komplette Werk am Stammsitz in Zuffenhausen wurde in den vergangenen Monaten für den Taycan aus- und umgebaut. Die Belegschaft verzichtete auf Geld, damit die Produktion dort angesiedelt wird und nicht anderswo, wo es billiger gewesen wäre und mehr Platz gegeben hätte.

Blume ist überzeugt, dass das Geld gut angelegt und das Risiko kontrollierbar ist – und der Taycan als erstes Elektromodell das richtige Auto. „Wir haben uns mit dem Taycan bewusst für ein Segment entschieden, in dem unsere Marke bislang noch nicht vertreten war“, sagt er. Schaut man auf die Verkaufszahlen, hätte sich das SUV-Segment zum Start auch bei Porsche womöglich eher angeboten – als die sicherere Variante sozusagen. Der Taycan hingegen ist irgendwo zwischen dem Klassiker 911 und dem viertürigen Panamera zu verorten. Den aktuellen Topseller, den kleinen SUV Macan, soll es zwar auch als reine E-Variante geben – aber erst 2022.

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