Lockdown im Autohandel ZDK-Vize Peckruhn fordert Hilfen für Autohäuser

Autor: Doris Pfaff

Viele Autohändler kämpfen um ihre Existenz. Sollte die Politik eine Verlängerung des Lockdowns planen, muss es auch Entschädigungen und Hilfen für die geschlossenen Schauräume geben, fordert ZDK-Vize Thomas Peckruhn.

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Thomas Peckruhn, ZDK-Vizepräsident, fordert von der Politik Entschädigungen für die Kfz-Branche, sollte der Lockdown verlängert werden.
Thomas Peckruhn, ZDK-Vizepräsident, fordert von der Politik Entschädigungen für die Kfz-Branche, sollte der Lockdown verlängert werden.
(Bild: Michel/»kfz-betrieb«)

Die Frustration und die Existenzängste bei den Autohändlern sind derzeit groß. Sie haben kaum noch finanzielle Reserven und können keine Entscheidungen hinsichtlich der Fahrzeugbestellungen für das Frühjahrsgeschäft treffen. Ohne konkrete Entschädigungen und Hilfen werden viele Betriebe eine Verlängerung des Lockdowns über den 31. Januar hinweg nicht überleben, fürchtet ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn.

Die Schließung des stationären Autohandels Mitte Dezember hätten viele seiner Kollegen noch gut weggesteckt, sagt Peckruhn. Aufgrund der Mehrwertsteuersenkung hat sich die Auftragslage in den Autohäusern im zweiten Halbjahr wieder etwas erholt, was zu einem hohen Auftragsbestand zum Jahresende geführt hat. Diesen konnten die Autohäuser noch abarbeiten; doch jetzt kommt nichts mehr nach, auch die Perspektive fehlt.

Peckruhn, der mehrere Autohäuser in drei Bundesländern hat, musste wie viele seiner Kollegen wieder Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Und nicht überall kann der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld aufstocken. „Das ist für die Mitarbeiter schon sehr bitter“, sagt er.

Aber auch für die Händler selbst wird es eng. Peckruhn fürchtet, dass die Betriebseinnahmen ähnlich wie beim ersten Lockdown im Frühjahr einbrechen: Als am 18. März die Autohäuser für fast sechs Wochen schließen mussten, ging das Neuwagengeschäft um 80 Prozent zurück und das Gebrauchtwagengeschäft um 60 Prozent.

Gespenstische Ruhe auch in Thüringens Autohäusern

Zwar sind viele Händler inzwischen digital deutlich besser aufgestellt, doch der Lockdown bremst die Kauflust der Kunden. „Selbst in Thüringen, das als einziges Bundesland noch den stationären Autohandel erlaubt, herrscht in den Autohäusern gespenstische Ruhe“, so Peckruhn. Alles, was jetzt im Handel kontaktlos und digital machbar ist, nutzen seine Kollegen. Selbst Probefahrten sind grundsätzlich und unter Einhaltung der Coronaschutz-Auflagen möglich. Aber: „Wie im Frühjahr zeigt sich jetzt auch, dass der Kunde die Beratung im Autohaus möchte.“ Der digitale Handel könne den stationären Verkauf nicht kompensieren.

Die Entscheidung der Politik, den stationären Autohandel zu schließen, findet laut Peckruhn in den Betrieben keinerlei Akzeptanz. „Wir haben alle Hygieneauflagen umgesetzt, die Autohäuser halten riesige Flächen vor und haben eine geringe Kundenfrequenz. Hier gibt es kein erhöhtes Infektionsrisiko. Die Politik hat uns versprochen, den Fehler aus dem Frühjahr, den Autohandel zu schließen, nicht noch einmal zu wiederholen“, sagt der ZDK-Vize.

Größte Sorge machen den Betrieben die fehlende Perspektive und die immer öfter geführte Debatte über eine nochmalige Verlängerung des Lockdowns. Das würde den Kfz-Handel besonders hart treffen, weil traditionell im Frühjahr die verkaufsstärksten Monate sind.

Sorge ums Frühjahrsgeschäft und Probleme bei der Kalkulation

In dieser Situation ist eine Kalkulation der Fahrzeugbestellungen für das eigentlich gute Frühjahrsgeschäft extrem schwierig. „Wir wissen nicht, ob wir ordern sollen oder nicht. Das sind enorme Beträge, von denen wir reden. Es ist ein Unterschied, ob man auf Fahrzeugen sitzen bleibt oder auf Lebensmitteln. Das sind Verluste in Millionenhöhe“, sagt Peckruhn.

Die Lage im Handel, vor allem bei einer möglichen Verlängerung des Lockdowns über den 31. Januar hinaus, werde dramatisch. „Wenn es keine Hilfen für den Autohandel gibt, werden das viele Betriebe nicht überstehen. Hier stehen Existenzen auf dem Spiel“, sagt der ZDK-Vize.

Er fordert für diesen Fall eine Anpassung der staatlichen Hilfen. Bislang gebe es außer Kurzarbeit und Krediten keine geeigneten Hilfen oder Entschädigungen für den Kfz-Handel, erklärt Peckruhn. Kredite aufzunehmen, führe nur zur Überschuldung der Betriebe. Die jetzigen staatlichen Soforthilfen schieden aus, weil kaum ein Kfz-Betrieb die Kriterien erfülle.

Peckruhn: „Das muss sich ändern. Schließlich erleben wir im Prinzip ein Berufs- und Verkaufsverbot. Deshalb sind Entschädigungen, wie es sie beispielsweise für die Gastronomie gibt, dann auch für den Autohandel erforderlich.“ An der Wunschlösung, den Autohandel zu öffnen, arbeitet der Verband mit Hochdruck und sucht dazu Gespräche mit Vertretern der Politik.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik