Euro-7-Abgasnorm ZDK warnt vor nicht realisierbaren Grenzwerten

Autor / Redakteur: Nick Luhmann / Doris Pfaff

Falls die EU die Abgasnorm in der nächsten Stufe so verschärft, wie derzeit diskutiert wird, droht nicht nur der Autoindustrie ein Schaden. Der ZDK warnt, dass die umweltpolitischen Ziele der Bundesrepublik nicht erreicht werden, wenn „Euro 7“ das Ende der Verbrennungsmotoren zur Folge hat.

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Sollte eine verschärfte Abgasnorm zu einem Aus des Verbrenners führen, hält ZDK-Präsident Jürgen Karpinski es nicht für möglich, dass die Klimaziele der EU erreicht werden können.
Sollte eine verschärfte Abgasnorm zu einem Aus des Verbrenners führen, hält ZDK-Präsident Jürgen Karpinski es nicht für möglich, dass die Klimaziele der EU erreicht werden können.
(Bild: Promotor)

Die bekannt gewordenen möglichen Grenzwerte der neuen Euro-7-Abgasnorm sind aus Sicht des Vorstands des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) faktisch nicht zu realisieren. Sie würden den umweltpolitischen Zielen Deutschlands und Europas mehr schaden als nützen. In den strengen Werten sieht der Verband letztlich ein Hindernis, das den Tausch älterer gegen moderne, extrem schadstoffarme Verbrenner blockiert.

Laut Medienberichten liegen in Brüssel Vorschläge einer Forschergruppe zur Neugestaltung der nächsten Abgasnorm vor, die vor allem den Ausstoß der gesundheitsschädlichen Stickoxide senken soll. Demnach sollen Neuwagen künftig nur noch 30 oder sogar nur noch 10 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen dürfen. Bisher beträgt der Maximalwert bei Benzinern 60 Milligramm pro Kilometer und bei Dieseln 80. Die Autobranche hatte darauf scharf reagiert und der EU vorgeworfen, faktisch ein Verbrennerverbot zu schaffen.

ZDK sieht individuelle Mobilität in Gefahr

Der ZDK plädiert für Grenzwerte, die den Automobilherstellern die Chance lassen, weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als Bestandteil technologieoffener Zukunftsstrategien zu erschwinglichen Kosten zu entwickeln. Andernfalls werde individuelle Mobilität für viele Menschen unbezahlbar. Ausdrücklich, so der ZDK, unterstütze er die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die kürzlich auf der Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände vor einer zu extremen Abgasnorm gewarnt hatte. Ihrer Ansicht nach müsse geprüft werden, was machbar sei im Sinne des Klimaschutzes unter Berücksichtigung strukturpolitischer Aspekte.

Laut dem ZDK-Vorstand lasse sich der aktuelle Bestand von rund 48,2 Millionen Pkws in Deutschland auf absehbare Zeit nicht einfach durch E-Fahrzeuge ersetzen. Auch deshalb sei es ein Fehler, Verbrennungsmotoren aus dem Technologiemix verbannen zu wollen.

Fahrzeugbestand veraltet aus Mangel an bezahlbaren Alternativen

„Wer kurzfristig etwas für die Umwelt tun will, darf die Menschen nicht zwingen, ihre älteren Fahrzeuge aus Mangel an bezahlbaren Alternativen so lange wie möglich weiter zu betreiben“, unterstreicht ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. Die durchschnittliche Pkw-Lebensdauer von aktuell 9,6 Jahren würde weiter gestreckt, und der Bestand an älteren Fahrzeugen könne nicht in dem für die Umwelt sinnvollen Maß gegen schadstoffarme Verbrenner ausgetauscht werden. Laut dem ZDK-Vorstand sollten neben der Elektromobilität unbedingt auch nicht-fossile Kraftstoffe für Brennstoffzellen und Verbrennungsmotoren in eine Gesamtbetrachtung einbezogen werden, um die CO2-Belastung nachhaltig zu verringern.

Ob die EU tatsächlich die durchgesickerten Pläne so umsetzen wird, ist offen. EU-Kommissar Thierry Breton hatte zuletzt die Vorwürfe zurückgewiesen, durch überhöhte Abgasziele ein faktisches Aus für den Verbrenner zu bewirken. Der EU-Vorschlag soll nicht nur ehrgeizig, sondern auch realistisch sein, hatte er wissen lassen.

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