Zetsche gratuliert Lueg zum 150. Geburtstag

Autor: Dr. Dominik Faust

Vor 150 Jahren gründete der Kutschenbauer Friedrich Lueg in Bochum seine eigene Wagenfabrik. Heute zählt das Autohaus zu den größten und ältesten Mercedes-Benz-Händlern in Deutschland. Am vergangenen Wochenende gratulierte sogar Daimler-Chef Dieter Zetsche.

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Daimler-Chef Dieter Zetsche gratulierte der Lueg AG per Video-Botschaft zum 150-jährigen Bestehen.
Daimler-Chef Dieter Zetsche gratulierte der Lueg AG per Video-Botschaft zum 150-jährigen Bestehen.
(Bild: Lueg AG)

Die Fahrzeug-Werke Lueg AG hat am vergangenen Samstag mit rund 2.100 geladenen Gäste ihren 150. Geburtstag gefeiert. Selbst Daimler-Chef Dieter Zetsche ließ es sich nicht nehmen, seine Glückwünsche per Videobotschaft in die Jahrhunderthalle Bochum hinein zu tragen. Außerdem bedankte er sich für die lange und erfolgreiche Partnerschaft zwischen Lueg und Daimler.

Die war in der Tat sehr eng im Laufe der vergangenen 150 Jahre (vgl. Kastentext am Ende). So haben die Fahrzeug-Werke einst Autos im Auftrag des Herstellers produziert und nach dem Krieg dafür gesorgt, dass Daimler bevorzugt mit Stahl aus dem Ruhrgebiet versorgt wird. Zetsche richtete seinen Blick auch in die gemeinsame Zukunft und betonte: „Mit Lueg haben wir einen starken Partner, der zusammen mit uns Innovationen und den digitalen Wandel vorantreibt.“

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Heute steht die fünfte Generation der Familie Lueg als Gesellschafter hinter dem Unternehmen. Aus einem Kutschenbauer mit 25 Mitarbeitern ist ein Konzern mit 14 Gesellschaften, über 30 Standorten und rund 1.400 Beschäftigten geworden. Lueg zählt mit Stern Auto zu den größten Mercedes-Benz-Händlern in Deutschland. Kein Wunder also, dass auch der Vorsitzende der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Cars Vertrieb Deutschland (MBD) und Leiter Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland (MBVD), Carsten Oder, an der 150-Jahrfeier teilnahm. Auch interessant: Friedrich Oskar Lueg gründete einst die Vorgängerorganisation des ZDK.

„Es ist eine besondere Ehre, 150 Jahre Lueg im Kreis und im Gedanken derer zu feiern, die von der Gründung bis heute zum Bestehen und Erfolg unseres Unternehmens beigetragen haben.“ Das erklärte Vorstandschef Jürgen Tauscher, der im Oktober vom Magazin »kfz-betrieb« mit dem „Executive Circle Awards 2017“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Neben Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart vertreibt sein Unternehmen noch Fahrzeuge von Ferrari, Maserati, Opel und Volvo.

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Gemeinsame Geschichte von Lueg und Daimler

1868: Fabrik für elegante Kutschen

Fast 20 Jahre bevor Carl Benz in Mannheim das erste praxistaugliche Automobil entwickelt, hat knapp 350 Kilometer nordwestlich ein junger Wagenbauer eine Vision: Friedrich Lueg will in Bochum exklusive Kutschen herstellen – als Inbegriff von Luxus und Mobilität. So gründet der damals 26-Jährige am 1. Oktober 1868 eine Wagenfabrik „mit großem Lager von eleganten neuen und gebrauchten Wagen“, wie es heißt.

1904: Lueg baut erstes Auto auf Mercedes-Basis

Kurz nach der Jahrhundertwende kreuzen sich dann erstmals die Wege der Firmen Lueg und Daimler. Denn 1904 lässt Gründersohn Friedrich Oskar Lueg das erste eigene Automobil bauen – auf der Basis eines Mercedes Simplex 28/32. Etwa zur gleichen Zeit steigt er in den Handel von Fahrzeugen der Marke Oldsmobile ein. Später folgen die Marken Mercedes und Adler. Weitere fünf Jahre später gründet Lueg den Deutschen Automobilhändler-Verband, den Vorläufer des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

1914: Händlerverträge für Pkw und Lkw mit Benz

Am 30. September 1914 schließt Friedrich Oscar Lueg einen Vertrag über den Vertrieb von Automobilen mit der Firma Benz & Cie. in Mannheim. Im Oktober folgt ein weiterer Händlervertrag für Lkw aus dem Benz-Werk in Gaggenau. Nach der Fusion von Daimler und Benz 1926 denkt der neue Konzern, er könne den Vertrieb seiner Fahrzeuge selbst in die Hand nehmen. Doch Lueg und andere wehren sich erfolgreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Land und die Industrie in Schutt und Asche liegen, herrscht auch beim Daimler Demut: Der Hersteller hat nicht genug Stahl für die Produktion.

1949: Daimler beauftragt Lueg mit Fahrzeugbau

Doch Lueg hilft: Die älteste Tochter des am 7. November 1947 verstorbenen Friedrich Oscar Lueg, Hanna, sorgt mit ihren Kontakten zur Schwerindustrie dafür, dass Daimler bevorzugt mit Stahl aus dem Ruhrgebiet beliefert wird. 1949 vergibt der Hersteller dann den Auftrag an Lueg, einen neuen Krankenwagen zu produzieren – wie erstmals 1938 geschehen. Doch 1954 gibt Lueg den Fahrzeugbau nach 90 Jahren auf und konzentriert sich ganz auf Vertrieb und Service. Der Firmenname bleibt jedoch, um an die Tradition als Fahrzeugbauer zu erinnern.

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Über den Autor

Dr. Dominik Faust

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Founder & CEO viadoo GmbH