Suchen

ZF repariert nun auch Nutzfahrzeuggetriebe

| Autor: Jan Rosenow

Kfz-Betriebe können defekte Getriebe zu ZF schicken, wo sie professionell zerlegt, begutachtet und mit Neuteilen wieder aufgebaut werden. Die exakte Fehlerdiagnose bleibt aber entscheidend.

Firmen zum Thema

Zum Reparaturprozess bei ZF gehört ein abschließender Prüfstandstest.
Zum Reparaturprozess bei ZF gehört ein abschließender Prüfstandstest.
(Bild: Nico Kleeman)

Der Autozulieferer ZF bietet bereits die Reparatur von Pkw-Getrieben als Dienstleistung an und wendet sich damit an Kfz-Betriebe, die diese aufwendige und langwierige Arbeit nicht in Eigenregie durchführen wollen oder können. Nun weitet das Unternehmen sein Angebot auch auf Nutzfahrzeuggetriebe aus. Die Servicestellen von ZF Aftermarket bieten sowohl für ZF- als auch für Nicht-ZF-Getriebe Reparaturen unter Einsatz moderner Diagnose- und Instandsetzungstechnik sowie unter Verwendung von Originalteilen an.

Normalerweise hat ein Lkw-Getriebe eine Lebensdauer von 12 bis 15 Jahren, was etwa einer Fahrleistung von 700.000 bis 800.000 Kilometern entspricht. Fehler beim Schaltvorgang, Verschleiß und Verschmutzungen können die Funktionalität jedoch einschränken und langfristig zu einem früheren Ausfall des Getriebes führen.

In vielen Fällen handelt es sich dabei erst einmal nur um verschlissene Kleinkomponenten wie Nadellager, Synchronringe, Schaltmuffen oder Dichtungen, die ausgetauscht werden. 80 Prozent der Probleme resultieren aus mangelhafter Synchronisierung der Kupplungs- oder Getriebesteller. Außerdem lassen sich Ausfälle des Getriebes auch auf Mechanik- oder Elektronikverschleiß zurückführen.

Andere Symptome wiederum lassen zwar auf einen Getriebeschaden schließen, werden jedoch durch externe Bauteile verursacht – zum Beispiel durch ein defektes Zweimassenschwungrad oder durch einen Fehler bei der Luftversorgung. Aufgrund der Komplexität der Schadensursachen ist also ein Diagnoseprozess gefragt, der all diese Fehlerquellen vor einer Getriebereparatur untersucht.

Der Prozess der Getriebeinstandsetzung bei ZF Aftermarket

Schritt 1: Diagnose und Interpretation der Fahrzeugdaten

Grundlage für eine verlässliche Diagnose sind das Auslesen des Fehlerspeichers und die Interpretation aller relevanten Fahrzeugdaten. Das eigens für ZF-Produkte entwickelte Diagnosegerät ZF-Testman kann im Gegensatz zu anderen Diagnoselösungen auch bei ausgebauten Getrieben verwendet werden.

Schritt 2: Zerlegen des Getriebes

Die Experten von ZF Aftermarket untersuchen die Komponenten im Getriebeinneren. Dazu zerlegen sie das Getriebe komplett in seine Einzelteile, die befundet und wenn notwendig vermessen werden.

Schritt 3: Getriebereinigung in der Waschmaschine

Nach der Identifikation der Fehlerursachen wird das zerlegte Getriebe gereinigt. Das heißt, festsitzende Ablagerungen und Reste von Verschmutzungen werden in einer speziellen Waschmaschine rückstandslos entfernt.

Schritte 4 und 5: Reparatur und Prüfung der Mechatronik

Neben einer bedarfs- und zeitwertgerechten Reparatur mit dem Austausch von schadhaften Getriebekomponenten bietet ZF auch komplette Austauschgetriebe an. Nach der Reparatur werden alle Getriebe am ZF-Prüfstand unter realistischen Bedingungen überprüft. Bei Automatikgetrieben wird das Getriebeöl auf 75 Grad Celsius erhitzt, um realitätsgetreue Temperatur- und Druckbedingungen zu simulieren.

Schritte 6 und 7: Montage und letzte Tests am Prüfstand

Nach der Montage wird das Getriebe mit neuem Öl befüllt. Fürs Prüfen auf Dichtheit und Funktion hat der ZF-Konzern eigens für seine Automatikgetriebe einen spezifischen Prüfstand entwickelt. Zuletzt wird die Software des Automatikgetriebes auf den ursprünglichen Stand zurückgestellt, damit die Werkstatt nach Einbau des Getriebes die Fahrzeugdaten wieder aufspielen und die neueste Softwareversion der Fahrzeughersteller installieren kann. Ein finaler Testlauf des Getriebes im Fahrzeug schließt den Reparaturprozess ab.

(ID:45916079)

Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group