BMW Zipse hält verbindliches Verbrenneraus für „klimaschädlich“

Autor Svenja Gelowicz

BMW will Autos mit Verbrennungsmotor länger als bis zum Jahr 2035 verkaufen – es sei sogar klimaschädlich, das nicht zu tun. Das, und weshalb Tesla für die Münchner in mancher Hinsicht kein Vorbild ist, erklärte BMW-Chef Oliver Zipse den Teilnehmern eines Auto-Kongresses.

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BMW-Chef Oliver Zipse.
BMW-Chef Oliver Zipse.
(Bild: BMW)

BMW-Chef Oliver Zipse will das Aus für Verbrennungsmotoren nicht mit einem festen Datum besiegeln. Dass zwei Dutzend Staaten, sechs große Autobauer sowie Städte und Investoren am Mittwoch bei der Weltklimakonferenz in Glasgow genau das getan haben, hält der Topmanager gar für „klimaschädlich“, wie er am Mittwoch beim „Handelsblatt Auto-Gipfel“ erklärte. Zu den Autobauern, die sich zu dem Ziel bekannt haben, gehören laut der Nachrichtenagentur „dpa“ Mercedes, Ford und General Motors. „Es ist nicht sichtbar, dass in Ländern der Welt – auch in Deutschland – die Ladeinfrastruktur in einem Zustand ist, wo das zur Klimaneutralität führen kann“, sagte Zipse zur Begründung.

Solange die Fahrer nicht nachhaltig Strom tanken könnten, sei das der Umwelt nicht dienlich. Außerdem, so führte Zipse an, würden Menschen dann weiter ältere Modelle mit schlechterer Verbrennertechnik fahren. Die Dimension der Kraftstoffindustrie würde in der Diskussion unterschätzt, aktuell wachse das Angebot an E-Fahrzeugen fünfmal so schnell wie die Ladeinfrastruktur. Er sieht deshalb kein Ende des Verbrenners bis zum Jahr 2035.

Diese Zeitmarke strebt die Bundesregierung an, wie ein Sprecher es Bundesumweltministeriums am Mittwoch gegenüber „dpa“ bekräftigte. Nur noch Null-Emissionsfahrzeuge sollen dann zugelassen werden können. Auch Deutschland hat das Ende des Verbrenners nicht unterschrieben – weil die Frage um den Einsatz von E-Fuels nicht geklärt sei.

„Wir entwickeln fünf Technologien weiter“

BMW will, anders als Volkswagen und Daimler, weiter auf eine breitere Palette an Antriebsformen setzen. „Wir entwickeln fünf Technologien weiter: Diesel und Otto, Plug-in-Hybride, rein elektrisch und perspektivisch zum Ende des Jahrzehnts Wasserstoff.“ BMW könne es sich leisten. „Das hängt von unseren Architekturen und Werken ab. Deshalb trauen wir uns die Komplexität zu.“

Auch hänge das damit zu tun, dass das „kräftige Wachstum" BMW in seinem Kurs bestärke. „Unser strategisches Ziel sind acht bis zehn Prozent Umsatzrendite. Das erreichen wir bereits dieses Jahr“, so Zipse.

Selbstbewusst gibt sich Zipse auch in Sachen Konkurrenz. Tesla, den VW-Chef Herbert Diess als Maßstab heranzieht, sei ein ernstzunehmender Wettbewerber. Allerdings folge man den Amerikanern in einigen Dingen nicht. „Was uns von Tesla unterscheidet ist unser Anspruch an Qualität und Zuverlässigkeit.“ Der E-Autobauer wachse vor allem über Preisreduzierungen, für Zipse „kein nachhaltiges Geschäftsmodell“.

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