Zweites Leben für den Starter

In einem Werk in Polen arbeitet Valeo Starter und Generatoren auf.

02.02.2009 | Autor: Jan Rosenow

Aus alt mach neu: Eine Tiefenreinigung und ein neues Innenleben machen den Generator fit für ein zweites Leben.
Aus alt mach neu: Eine Tiefenreinigung und ein neues Innenleben machen den Generator fit für ein zweites Leben.

Zehn Millionen Autos fallen in Europa pro Jahr mit Schäden am Starter oder Generator aus, hat der französische Zulieferer Valeo herausgefunden. In 70 Prozent der Fälle tauscht die Werkstatt das kaputte Teil dann aus. Weil Starter und „Lichtmaschine“ meist erst im reiferen Fahrzeugalter Probleme machen, bevorzugen viele Kunden aus Kostengründen ein aufgearbeitetes Altteil anstelle eines Neuteils als Ersatz.

Kein Wunder, dass Valeo nicht nur einer der größten Hersteller, sondern auch der nach eigenen Angaben größte Aufarbeiter dieser Elektrikkomponenten ist. Seit 2002 kümmert sich ein eigenes Werk im polnischen Czechowice darum. Bevor die polnischen Arbeiter Hand an die Altteile legen können, müssen diese zuerst eingesammelt werden. Dazu legt die Werkstatt einfach das alte Teil in den Karton des verkauften Neuteils und gibt ihn dem Großhändler zurück. Valeo holt die Rückläufer dann bei seinen Handelspartnern ab. Diese aktive Methode vermeidet Irrläufer, sortiert Schrott aus und erleichtert die Identifikation der Teile. Früher gelang das nicht immer – drei Prozent gingen laut Valeo dem Aufbereitungsprozess verloren.

Heute hilft das Ecorps-Gerät bei der Identifizierung, ein mobiles Terminal, in das der Abholer die Teiledaten eingibt. Sie gelangen sofort in den Produktionsplan des Aufbereitungswerks; ebenfalls sehr schnell bekommt die Werkstatt ihre Gutschrift (laut Valeo innerhalb von 14 Tagen).

Fast wie neu

Rund 6.000 Gebrauchtteile kommen jeden Tag in Czechowice an. Die Hälfte davon sind Produkte anderer Hersteller, die ebenfalls verarbeitet werden. Valeo erneuert die Teile nicht nur mechanisch von Grund auf, die Ingenieure lassen sogar den technischen Fortschritt in die Altteile einfließen. Sie bessern damit Schwachstellen älterer Konstruktionen aus, die sich im Betrieb gezeigt haben.

Der erste Schritt des Verfahrens ist die Demontage. Jede Komponente wird gereinigt, die Gehäuse sogar gestrahlt. Der empfindliche Rotor des Generators erhält zudem eine schonende Reinigung an rotierenden Drahtbürsten. Enthält das Altteil Asbest, wird dieses unter strengen Sicherheitsvorkehrungen entfernt und von einem Spezialbetrieb entsorgt.

Genau geprüft

Anschließend prüfen und überarbeiten die Techniker alle Einzelteile sowie die Elektronik. Verschleißteile wie Lager oder irreparabel beschädigte Komponenten ersetzen sie durch Neuteile. Wo die Mitarbeiter Altteile übernehmen – zum Beispiel beim Untersetzungsgetriebe des Starters – , prüfen sie diese auf Rundlauf und akustische Unauffälligkeit.

Wie peinlich genau die Mitarbeiter vorgehen müssen, unterstreicht ein Beispiel: Der Spalt zwischen Rotor und Stator in der „Lichtmaschine“ beträgt nur 0,1 Millimeter! Weil der Stator drahtgebürstet wird, um Korrosionsspuren zu beseitigen, müssen die Techniker seinen Innendurchmesser vor dem Zusammenbau gewissenhaft kalibrieren.

Valeos Erfahrungen als Originalteilelieferant helfen dabei, die hohen Anforderungen zu erfüllen, die das Unternehmen auch an aufgearbeitete Teile stellt – selbst wenn diese ursprünglich von Wettbewerbern stammen.

Nach dem Zusammenbau kommen alle Starter und Generatoren ein weiteres Mal auf den Prüfstand, um ihre neugewonnene mechanische und elektrische Leistungsfähigkeit zu beweisen. Ihr neuwertiges Äußeres lässt kaum noch vermuten, dass sie bereits ein veritables Autoleben auf den Wicklungen haben.

25 Jahre Erfahrung

Der Markt für aufgearbeitete Starter und Generatoren beträgt etwa sechs Millionen Stück pro Jahr. Die Hälfte davon teilen sich Valeo und Bosch, auf der anderen Hälfte tummelt sich eine Vielzahl von Aufarbeitern, die nicht auf dem OE-Markt aktiv sind.

Der französische Zulieferer arbeitet bereits seit 25 Jahren auf diesem Markt und hat viel Erfahrung gesammelt. Die Reklamationsrate von angeblich unter zwei Prozent beweist den hohen Qualitätsstandard, der für die Aufarbeitung gilt – derselbe wie in der Originalteileproduktion.

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