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60 Jahre Strandautos: Das Gefühl von Sonne und Meer

| Autor / Redakteur: SP-X/Wolfram Nickel / Thomas Günnel

Dieser Tage neigt sich der Sommer wohl endgültig seinem Ende entgegen. Was bleibt, sind Strand- und Urlaubserinnerungen. Eng mit dem Urlaubsgefühl verbunden ist eine besondere Art der Mobilität: coole Strandautos und spaßige Freizeitgefährte.

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Spezielle Strandautos erlebten seit den 1960er Jahren immer wieder einen Schub.
Spezielle Strandautos erlebten seit den 1960er Jahren immer wieder einen Schub.
(Bild: Renault)

Sommer 1956 an der Riviera: Es war heiß, die Sonne brannte und die Strände von San Remo bis Saint Tropez zogen die Menschenmassen geradezu magnetisch an. Darunter nicht wenige Multimillionäre, die auf ihren Mega-Yachten durchs Mittelmeer kreuzten und denen es an nichts zu fehlen schien. Außer an einem schicken automobilen Beiboot für den Land- beziehungsweise Strandgang, wie der legendäre Automobildesigner Pininfarina und Gianni Agnelli, der Enkel des Fiat-Gründers Giovanni Agnelli, fast zeitgleich feststellten.

Gefragt war ein kleiner, verführerischer und doch praktischer Hingucker, ganz so wie der gerade in Mode gekommene Strand-Bikini. Pininfarina präsentierte deshalb in Paris den Fiat 600 Eden Roc. Basierend auf dem originellen Microvan Fiat Multipla sollte der als vollkommen offenes Cabrio – ohne Türen und Verdeck – konzipierte Kunststoffflitzer die Schönen und Reichen zum Beachclub chauffieren. Ein unwiderstehliches Strandauto, befand sogar Henry Ford II in Detroit und ließ sich den Eden Roc liefern.

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Dagegen animierte Agnelli die Carrozzeria Ghia zum Bau der fröhlichen Fiat 500 und 600 Jolly, die bis nach Amerika Sand aufwirbelten. Echte automobile Motorboote fürs Meer waren ab 1959 die deutschen Amphicars, während Mini Moke, Citroën Méhari, Renault 4 und Rodeo in den 1960er und 1970er Jahren zusätzlich als Nutzfahrzeuge dienten. Letztlich brillierten sie aber ebenfalls als Lieblinge des Jetsets und als unkonventionelle Spaßmobile, wie die Flut der Buggies auf VW-Käfer-Basis zeigte.

Heute ist es der batteriebetriebene Citroën E-Méhari, der die Idee des leichten Surfboard-Shuttles wiederbelebt, während der VW Beetle Dune an die Tradition der Dünenrenner erinnert. Tatsächlich war es vor 60 Jahren deutlich leichter, legal durch Dünen- und Strandterrains zu fahren. Aber auch heute finden sich für das abwaschbare E-Mobil von Citroën oder den höher gelegten Beetle Dune noch Autostrände an europäischen Küsten, um im Meer dort geparkter konventioneller Pkw bunte Akzente zu setzen. Die goldene Ära der stylishen Sommer-Sonne-Strandfahrzeuge der schillernden Fifities und Swinging Sixties lässt sich jedoch nicht mehr zurückholen.

Aufstieg an der Seite des Jet-Sets

Damals, als die Beachcars zum unverzichtbaren Accessoire von Jetset, Playboys, Hippies, Surfern, Industriemagnaten, Fürsten und Königen wurden. Gleich ob Aristoteles Onassis, Fürstin Gracia Patricia von Monaco oder Beatrix, die angehende Königin der Niederlande, sie alle setzten ebenso wie die US-Leinwandmegastars Mae West, Mary Pickford, John Wayne und Yul Brynner sowie US-Präsident Lyndon B. Johnson auf das Flair von Fiat Jolly, Gamine & Co. mit ihren rustikalen Korbsesseln, luftigen Segeltuchdächern und bootsähnlichen Plastikrümpfen.

Ein globaler Trend, made in Italy. Gianni Agnelli, ausgewiesener Ferrari-Fan und bereits Fiat-Vizepräsident, liebte nicht nur seine Yachten und Schwimmausflüge vom Hubschrauber aus, sondern auch die kleinen Heckmotor-Minis 600 und 500 Nuova, die er deshalb von Ghia zu perfekten Beachtoys für Badegänge und Bistrobesuche umbauen ließ. Was Agnelli – von vielen als „wahrer König Italiens“ betrachtet – für gut befand, war sofort en vogue. Auch in Amerika, wohin Agnelli regelmäßig reiste. So flutete eine Welle feiner und origineller Strandautos von Karosserieschneidern wie Fissore, Vignale und Michelotti zuerst die automobilen Modemessen in Turin und Paris, dann die Cote d'Azur und schließlich Catalina Island vor Kaliforniens Küste.

Beflügelt wurde der Bau der maritimen Minis durch das seit Anfang der 1950er Jahre grassierende Fiberglas-Fieber. Leichtgewichtige und rostresistente Plastikkarosserien ließen sich nun billig produzieren und auch über Kleinstwagenchassis stülpen. Weshalb die spaßigen Strandautos schnell nicht nur von Fiat kamen, sondern auch von anderen Micro-Car-Produzenten. Darunter die englischen Hersteller Meadows (Frisky Sport), die italienische Carrozzeria Frua (etwa Volkswagen Sun Valley oder Glas 1004 Ranch), die spanische Fiat-Tochter Seat (600 Savio), der niederländische Kleinwagenspezialist Daf (Kini) und nicht zu vergessen die kaum zu überschauenden Vielfalt von VW-Buggy-Bausätzen verschiedener europäischer und amerikanischer Anbieter.

Es entstanden Autos mit sonnigen Sonderkarosserien, deren Neuwagenpreise durchaus ambitioniert waren. Dafür bleiben diese Sunnyboys ewig begehrenswert, wovon ihre Wertsteigerungen zeugen. So erzielen Fiat Jolly inzwischen Versteigerungserlöse von bis zu 250.000 Dollar und Pininfarinas Eden Roc wird sogar schon für über 650.000 Dollar gehandelt.

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