Abnahmefahrt: Mercedes E-Klasse Cabrio

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Für Christian Früh ist der Winter vorbei, bevor er begonnen hat. Während die Kollegen daheim in Stuttgart bei Minusgraden bibbern, kurvt der Projektleiter der E-Klasse durchs warme Arizona – bei letzten Tests mit der offenen E-Klasse.

Die Tests des neuen Mercedes-Benz Cabrios sind in den letzten Zügen.
Die Tests des neuen Mercedes-Benz Cabrios sind in den letzten Zügen.
(Bild: Mercedes-Benz)

Winter ist auch nur ein Wort. Zumindest für Männer wie Christian Früh. Zwar hat der Ingenieur privat als passionierter Skifahrer nichts gegen Eis und Schnee. Doch dienstlich zieht es ihn gerade in wärmere Gefilde. Denn Früh verantwortet in der Mercedes-Entwicklung die E-Klasse und er legt gerade letzte Hand an das neue Cabrio, mit dessen Premiere die Schwaben auf dem Genfer Salon den Generationswechsel ihrer wichtigsten Baureihe abschließen.

Während die Kollegen daheim in Sindelfingen bei Minusgraden bibbern, ist er in Arizona bei der so genannten Heißlanderprobung und nimmt seine vier Prototypen auf dem Rundkurs eines geheimen Testgeländes und den einsamen Landstraßen drum herum härter ran als jeder Kunde.

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„Konstruktiv sind die Autos fertig und die Abstimmung steht kurz vor dem Serienanlauf auch schon. Aber hier gibt es den Feinschliff“, sagt Früh und horcht mit spitzen Ohren tief in die Karosserie hinein, während sich das Auto auf ausgesucht schlechten Straßen bei Vollgas windet und schindet. Er fühlt nach Vibrationen, schaut, ob irgendwo Staub eindringt oder in der Mechanik schleift, achtet auf das flüchtigste Flattern am Dach und lauscht nach jedem noch so kleinen Störgeräusch.

Dass die E-Klasse im Hinterland von Phoenix Meile um Meile abspult, dient zwar vor allem den Härtetests, damit später nichts rattert und klappert und das Verdeck auch unter widrigsten Umständen tadellos öffnet und schließt, ohne dass im Stoff hässliche Krähenfüße, Falten oder Wellen bleiben. Nicht umsonst lassen die Testfahrer tagsüber das Dach während ihrer endlosen Runden bis zu 500 Mal auf- und zu surren und nachts werden die Steuergeräte so programmiert, dass noch einmal tausende Durchläufe im Stand dazu kommen. Und nicht ohne Grund haben die Schwaben auf dem Testgelände in Phoenix sogar ihr eigenes Kopfsteinpflaster aus Europa verlegen lassen, weil es sonst nicht in die genormten Testzyklen passen würde.

Cabrio soll „absolut alltagstauglich“ sein

Doch im Prinzip simuliert die Tour über den Apache Trail auch den so genannten „Use Case“, den alltäglichen Einsatz, für den Früh das Open-Air-Modell konzipiert hat: „Wir sehen in der offenen E-Klasse ein Cabrio, das als vollwertiger Viersitzer absolut alltagstauglich ist“, sagt der Ingenieur und grenzt den Wagen damit nicht nur von der Konkurrenz ab, sondern auch vom optisch kaum kleineren C-Klasse. Und selbst die S-Klasse mag mehr Status bieten, mehr Luxus und stärkere Motoren, aber nicht mehr Platz, sortiert Früh die Frischware aus Stuttgart und lässt als einziges Referenzmodell mit Stern das selige 124er Cabrio gelten.

Außerdem der eigenen Modellreihe wird es dagegen schwer mit einer Alternative. Der BMW Sechser mag höher positioniert sein, bietet aber weniger Platz, genau wie der Bentley Continental GTC. Und der Audi A5 fährt eher gegen die C-Klasse. Viel mehr als den Rolls-Royce Dawn muss Früh deshalb nicht fürchten.

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