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ADAC-Initiative gegen Tachobetrug

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Nach Berechnungen des ADAC entsteht jedem Autofahrer, der ein gebrauchtes Fahrzeug mit manipuliertem Tacho kauft, im Schnitt ein Schaden von rund 3.000 Euro.

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Die Inititative gegen Tachobetrug des ADAC stellt Forderungen vor allem an die Fahrzeughersteller.
Die Inititative gegen Tachobetrug des ADAC stellt Forderungen vor allem an die Fahrzeughersteller.
(Foto: Dominsky)

Bereits seit Jahren befasst sich der ADAC mit der Manipulation von Kilometerständen an Fahrzeugen und deren Konsequenzen. Jetzt hat der Automobilclub eine Initiative gegen Tachobetrug ins Leben gerufen. Auf einer Pressekonferenz machte sich ADAC-Präsident Peter Meyer für die Inititative stark: „Durch manipulierte Tachometer bei Gebrauchtwagen entsteht jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund sechs Milliarden Euro. Deutschland hat mehr finanziellen Verlust zu tragen als die gesamte Weltwirtschaft beispielsweise durch Piraterie im Meer vor Afrika verkraften muss“, so Meyer.

Einen Grund für das florierende Gewerbe, das sich mittlerweile gebildet hat, sehen Experten in der immer weiteren Verbreitung von elektronischen Komponenten in Fahrzeugen. Die in ihnen gespeicherten Kilometerstände können kriminelle Anwender dank der Vernetzung der einzelnen Komponenten untereinander mittlerweile bequem über die zentrale OBD-Steckdose verändern. Die Fahrzeugindustrie ist der Hauptadressat der vier Punkte umfassenden Initiative des ADAC. Sie beinhaltet laut Dr. Reinhard Kolke, Leiter ADAC Technik Zentrum, folgende Forderungen:

  • Einen zeitgemäßen technischen Schutz der Speicher von Kilometerständen z. B. mithilfe von „Trusted Platform Modules“ analog dem Computer-Bereich. Dies soll durch die EU-Typgenehmigung für jedes neue Fahrzeugmodell vorgeschrieben werden.
  • Einen neutralen Nachweis für die Wirksamkeit des Schutzes, z. B. durch Zertifizierung etwa unter Mitwirkung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
  • In Ersatz-Tachos darf die tatsächliche Laufleistung des Autos nicht mehr einstellbar sein. Der Tacho-Tausch muss samt Laufleistung des Autos zum Zeitpunkt des Wechsels in den Fahrzeugpapieren vermerkt werden.
  • Die Software der Fahrzeugsteuergeräte dürfen keine versteckten Hintertüren in Form sogenannter „Backdoors“ aufweisen.

Den Bemühungen des ADAC sowie des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) ist es zu verdanken, dass der Tatbestand des „Tachotricksens“ seit 2005 unter Strafe steht – bis dato war es lediglich ein Kavaliersdelikt. Leider zeigte die juristische Strafandrohung nicht die gewünschte Wirkung. Im Gegenteil: Die Zahl der Gebrauchtfahrzeuge mit manipulierten Kilometerständen nahm in den vergangen Jahren stetig zu.

Die Münchner Polizei geht auf Basis einer großanlegten europaweiten Razzia davon aus, dass bei rund 30 Prozent aller Gebrauchtwagen der Tachostand im Schnitt um 30.000 Kilometer nach unten und der Wert des Fahrzeugs damit durchschnittlich um 3.000 Euro nach oben „getürkt“ wird.

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Vor diesem Hintergrund verwundert deshalb auch die Forderung der bayerischen Justizministerin Merk nicht, die sich für eine Erhöhung des Strafmaßes bei gewerblichem Tachobetrug ausspricht. Bis zu fünf Jahre fordert hierbei der ADAC. Gleichzeitig müsse man aber Tachomanipulation insgesamt intensiver und flächendeckender verfolgen, worauf ADAC-Rechtsexperte Ulrich May hinweist. Der vielfach in der Öffentlichkeit diskutierte „Datenbanklösung“, bei der europaweit die Kilometerstände der Fahrzeuge erfasst und gespeichert werden, erteilt der Automobilclub ein Absage. Die hier abgelegten Angaben könnten bereits verfälscht sein und so eine falsche Sicherheit vorgaukeln.

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