Aerodynamik: Mercedes zähmt den Wind
Wenn man wissen will, wie windschnittig ein Auto ist, stellt man es in einen Windkanal. Mercedes hat damit seit sieben Jahrzehnten Erfahrung – was sich im Detail heute auszahlt.

Vor fast genau 70 Jahren begann in der Automobilentwicklung eine neue, windige Epoche. Damals nahm Mercedes-Benz in Stuttgart-Untertürkheim als erstes Automobilunternehmen einen Windkanal in Dienst. Der liefert bis heute noch Werte. In den 1930er Jahren beherrschte die Stromlinie noch die Schlagzeilen, entstanden windschnittige Busse für den Fernverkehr sowie aufregend geformte, aber nicht immer praktische Karosserien.
Doch dann verschwand das Streben nach möglichst windschnittigen Formen aus der öffentlichen Wahrnehmung. Was nicht bedeutete, dass die Aerodynamiker nicht weiter an der Verringerung des Luftwiderstandes arbeiteten und versuchten, die Physik auszuhebeln. In den 1980er Jahren, als Ferdinand Piëch mit dem Audi 100 einen cW-Rekordwert von 0,30 erreichte, standen die Herren und Damen mit den Rauchfahnen kurz im Rampenlicht – und zogen sich bald wieder zurück. Dass der Mercedes W124 im Jahr 1984 mit 0,29 einen neuen Rekord aufstellte, wurde dann höchstens noch am Rande zur Kenntnis genommen. Schließlich standen damals andere Dinge auf der Agenda: Das Kabelfernsehen kam nach Deutschland, und in Frankfurt wurde die Startbahn West in Betrieb genommen.
Neuer CLA holt cW-Rekord
So gesehen ist die Welt ungerecht zu den Aerodynamikern. Dabei spielen sie, wenn es um Verbrauchsreduzierung, Komfort, Sicherheit und natürlich auch um Ästhetik geht, eine wichtige Rolle. Zum Beispiel beim neuen Mercedes CLA, der mit einem cW-Wert von 0,22 in der Blue-Efficency-Edition (sonst 0,23), einen neuen Weltrekord aufstellte. „Wenn mir jemand vor sieben Jahren gesagt hätte, dass wir mal Werte von 0,23 und 0,22 erreichen, hätte ich das nicht für möglich gehalten“, erklärt Teddy Woll, Chef-Aerodynamik bei Mercedes-Benz.
Das Rekordergebnis ist das Zusammenspiel vieler Details. Dazu gehört zum Beispiel der patentierte Radspoiler, der bereits in der B-Klasse seinen ersten Auftritt hatte. Das unscheinbare Teil verhindert störende Verwirbelungen in den Radhäusern indem er den Luftstrom von den Rädern ablenkt und durch seine gezackte Form Scherschichten stabilisiert. Außerdem behält der Spoiler seine Funktion auch bei unterschiedlichen Standhöhen und Raddimensionen des CLA bei.
Noch weniger ins Auge als der versteckt arbeitende Spoiler fallen Details wie ein optimierter Unterboden mit großflächigen Motorraum-Bodenverkleidungen sowie eine ebenfalls großzügig ausgelegte Verkleidung der Hinterachse oder strömungsgünstige Bug- und Heckschürzen. Auch vermeintliche Kleinigkeiten wie luftwiderstandsarme Radblenden oder speziell entwickelte Aero-Leichtmetallräder spielen bei der Optimierung des Luftwiderstands eine entscheidende Rolle. Bei der Blue-Efficency-Edition des CLA werden sogar spezielle Reifen ohne erhabene Bezeichnung aufgezogen, um auch an dieser Stelle den Kräften des Windes entgegenzutreten.
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