Audi: „Zeit der schönen Worte und großen Reden ist vorbei“

Autor: Christoph Seyerlein

Am Mittwoch fand in Ingolstadt die erste Audi-Betriebsversammlung des Jahres statt. Dabei krachte es gewaltig zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Vorstand.

Firmen zum Thema

Audi-Betriebsratschef Peter Mosch sagte am Mittwoch: „Mit der Verunsicherung der Belegschaft muss jetzt Schluss sein.“
Audi-Betriebsratschef Peter Mosch sagte am Mittwoch: „Mit der Verunsicherung der Belegschaft muss jetzt Schluss sein.“
(Bild: Audi)

Audis Betriebsrat erhöht den Druck auf die Unternehmensleitung. Bei einer Betriebsversammlung am Mittwoch in Ingolstadt sagte der Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung Peter Mosch: „Mit der Verunsicherung der Belegschaft muss jetzt Schluss sein.“ Laut einer Mitteilung des Audi-Betriebsrats war die Anspannung in der Belegschaft spürbar.

Auch Jörg Schlagbauer, Vorsitzender der IG Metall Vertrauenskörperleitung und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Audi, nahm die Konzernspitze in die Pflicht: „Die Zeit der schönen Worte und großen Reden ist vorbei – jetzt müssen Perspektiven und verlässliche Entscheidungen her“, sagte er. Unter anderem forderte Schlagbauer die Verlängerung der Beschäftigungsgarantie bis 2030 und eine konkrete Werksbelegung mit maximaler Auslastung für die nächsten Jahre. Vom Management verlangte er, Themen wie E-Mobilität, Batterie- und Brennstoffzellen, Carsharing und den Wandel zum Mobilitätsdienstleister fest in einer „vielseitigen Zukunftsstrategie“ zu verankern. Gerade an einer solchen Strategie mangele es derzeit bei Audi.

Peter Mosch rief die Audi-Mitarbeiter zugleich zur Geschlossenheit und Solidarität auf. „In diesen schweren Zeiten gilt eines mehr denn je: Nur gemeinsam sind wir stark. Und das, was uns bevorsteht, können wir nur zusammen bewältigen.“

Den Audi-Vorstand rief der Betriebsrat dazu auf, seine Pläne offenzulegen und entsprechend zu handeln. Vergangene Woche hatte die Unternehmensspitze den Arbeitnehmervertretern einen Forderungskatalog mit geplanten Einsparmaßnahmen als Basis für weitere Verhandlungen vorgelegt. Diese „Giftliste“, wie Schlagbauer sie bezeichnete, habe einige Fragen aufgeworfen. „Wir können noch nicht nachvollziehen, wie wir Audi mit diesen Mitteln wieder an die Spitze bringen wollen. Zumindest nicht, wenn keine nachhaltige Strategie dahintersteht und diese ist für uns bis dato nicht erkennbar“, sagte er.

Gemeinsame Strategie, „damit Audi wieder Audi wird“

Audi-Personalvorstand Wendelin Göbel entgegnete, das Unternehmen und seine Beschäftigten müssten sich neuen Realitäten stellen, die auch Einschnitte mit sich bringen würden. „Wir müssen Audi zukunftssicher aufstellen, besser werden und uns verändern – konsequent, ehrlich und transparent“. Der Audi-Transformationsplan sei dabei die Basis für einen erfolgreichen Wandel, etwa mit der aktuellen Produktoffensive. Transformation erfordere vor allem Flexibilität, um wirtschaftlich zu bleiben, sagte Göbel.

Für die Zukunft wünschte sich Schlagbauer mehr Mitbestimmung und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Unternehmensleitung, IG Metall und Betriebsrat: „Lassen Sie uns eine gemeinsame Strategie entwerfen – einfach, klar und verständlich. Mit gemeinsamen Zielen. Damit Audi wieder Audi wird“.

(ID:45831174)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«