Auf Erprobung mit dem neuen Smart

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Dass sich der Kleine andererseits aber auch gravierend verändert hat, merkt man spätestens mit der ersten Sitzprobe. Er ist zwar nicht länger, aber dafür gute zehn Zentimeter breiter geworden. Das schafft so viel Platz, dass selbst zwei gestandene Kerle noch einen sittlichen Abstand wahren. Und es lässt den Smart viel satter auf der Straße stehen. Er sieht deshalb nicht nur erwachsener aus, er fährt auch so, verspricht Riedel und bittet zur gemeinsamen Proberunde am Polarkreis.

Selbst vom Beifahrersitz aus kann man spüren, wie gut das neue Setup dem Fahrkomfort bekommt. Zwar hört man aus dem Heck noch immer das knochentrockene Knattern der Einliter-Dreizylinder, die von Renault stammen und wohl auch im Smart auf 70 und 90 PS kommen werden. Doch der Zweisitzer wirkt lange nicht mehr so nervös und rollt viel gelassener über die vielen Bodenwellen, die von den Icemakern in die weiße Fahrbahn gefräst wurden.

Doppelkupplung oder Handschalter

Auch auf der Kreisbahn kann Riedel das Lenkrad mit den dicken Knubbeln für Radio & Co. mal etwas lockerer lassen. Und vor allem nickt man jetzt beim Schalten nicht mehr wie ein Wackeldackel. Endlich haben die Schwaben die leidige Halbautomatik über Bord geworfen und bauen dafür eine Doppelkupplung oder eine normale Handschaltung ein.

So tobt Riedel durch den schwedischen Winter, hört gespannt auf jedes Knistern und Knacken in der Karosse, wartet nervös auf den nächsten Eingriff der Elektronik, lässt den Zwerg immer flotter über die Teststrecke fliegen und freut sich diebisch über den winzigen Wendekreis. War schon der aktuelle Smart ein Parkplatzchampion, kratzt der neue jetzt nochmal anderthalb Meter früher die Kurve und dreht deshalb in Schweden souveräne Pirouetten.

Neuer Forfour – ein echter Smart

Seinen Schneewalzer tanzt der Smart aber nicht alleine. Er hat sich auch gleich noch einen Doppelpartner mitgebracht. Nein, nicht den Renault Twingo, der mit dem Bonsai-Benz gemeinsam entwickelt wurde. Zumindest nicht direkt. Im Rückspiegel des Fortwo taucht vielmehr immer mal wieder der neue Forfour auf, mit dem die Schwaben die Modellpalette jetzt – einmal mehr – erweitern wollen. Die Idee ist nicht neu. Doch anders als beim ersten Versuch mit einem frisch geschminkten Mitsubishi Colt ist der neue Forfour ein authentischer Smart, sagt Riedel: Mit dem passendem Design, mit einem ebenso poppigen wie pfiffigen Innenleben und natürlich mit einem smarten Antrieb. Nicht umsonst hat jetzt auch der Renault Twingo den Motor hinten.

Zwar hat Daimler durch das Teamwork mit den Franzosen ordentlich Geld gespart und einiges davon wieder in den Smart gesteckt. Immerhin schimmern unter den dunklen Stoffbahnen der Innenraumtarnung ein brillantes Display im Tacho, eine witzige Steuerung für die Klimazentrale und ein großer Touchscreen fürs Navigationssystem durch, auf dem man wie beim iPhone mit zwei Fingern zoomen oder scrollen kann.

Doch natürlich musste Riedel schon genau schauen, wofür er sein Geld ausgibt – und wofür eben nicht. Fensterheber in den hinteren Türen zum Beispiel hat er sich deshalb genauso gespart wie teure Hightech-Scheinwerfer. Wie beim VW Up kann man die Scheiben im Fond deshalb nur ausstellen und unter der Tarnfolie funzeln lediglich H4-Strahler in die frühe, schwedische Nacht. Xenon oder gar LED wie Mini & Co? „Das haben wir uns mit Blick auf die Kosten verkniffen“, räumt der Baureihenchef ein.

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Dafür glänzt der große Smart mit anderen Qualitäten: Auch er wird wendiger sein als die meisten anderen Kleinwagen, verspricht der Projektleiter, sich einfacher parken lassen und sich leichter durch den zähfließenden Verkehr mogeln. Und vor allem bietet er für seine rund 3,50 Meter überraschend viel Platz. Vielleicht nicht im hohen Kofferraum mit der waagrecht geteilten Klappe, schließlich steckt darunter ja der Motor. Aber dafür auf der Rückbank: Kinder werden hinten prima und Erwachsene zumindest im Notfall ganz ordentlich sitzen können. Und weil sich die Türen fast im rechten Winkel öffnen lassen, ist sogar das Einsteigen ein Kinderspiel.

Eine Zeitlang werden die Smarts hier oben im Schweden noch den Schneewalzer tanzen. Doch jeden Tag machen die Entwickler mehr Kreuzchen auf ihrer Checkliste und nähern sich so dem Ende der Eiszeit. Dann fährt der ganze Tross auf eigener Achse nach Süden und kehrt Lappland wieder den Rücken. Aus endlosen Birken- und Kiefernwäldern kehrt der Smart dann endlich heim in sein natürliches Habitat: den Dschungel der Großstadt.

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