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Aus für Abracar

Autor: Silvia Lulei

Der Fahrzeugvermittler Abracar gehörte zu den Top 30 der deutschen Gebrauchtwagenhändler und wollte weiter wachsen. Damit ist Ende Mai Schluss. Investor Allianz X stellt den digitalen Gebrauchtwagen-Marktplatz ein.

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Orhan Köroglu (li.) und Sebastian Jost stellen Ende Mai den Geschäftsbetrieb ihrer Gebrauchtwagenplattform Abracar ein.
Orhan Köroglu (li.) und Sebastian Jost stellen Ende Mai den Geschäftsbetrieb ihrer Gebrauchtwagenplattform Abracar ein.
(Bild: Abracar)

Vor drei Jahren ging das Start-up Abracar an den Start. Die Geschäftsführer Orhan Köroglu und Sebastian Jost wollten den Autoverkauf von privat an privat „sicher, transparent und einfach“ gestalten. Für 2019 rechnete das Unternehmen mit 7.500 Gebrauchtwagenvermittlungen über seine Plattform.

Geschäftsführer Orhan Köroglu zeigte sich im Gespräch mit »Gebrauchtwagen Praxis« im Herbst letzten Jahres sehr zufrieden: „Von den Stückzahlen her sind wir damit momentan vergleichbar mit einer Handelsgruppe auf Rang 30 in Deutschland – und das nach drei Jahren und ohne eigenen Bestand.“ Köroglu hatte konkrete Wachstumspläne: In drei Jahren solle Abracar 30.000 bis 50.000 Transaktionen abwickeln: „Der Gebrauchtwagenmarkt ist riesig. Deswegen sind wir zuversichtlich, dass noch einiges möglich ist.“ Allerdings kündigte er auch an, dass noch signifikante Investitionen nötig seien, um die Marke Abracar bekannt zu machen.

Hauptinvestor dreht den Geldhahn zu

Damit ist jetzt Schluss: Hauptinvestor Allianz X hatte 2018 noch 11,5 Millionen Euro in die Gebrauchtwagenplattform investiert und dreht jetzt den Geldhahn zu. Unmittelbar betroffen sind die 40 Mitarbeiter von Abracar. Auf der Plattform stehen noch 815 Gebrauchtwagen zur Vermittlung. Man wolle noch so viele Aufträge wie möglich in den nächsten Wochen abwickeln, teilt ein Abracar-Sprecher auf Anfrage mit. Neuaufträge würden nicht mehr entgegengenommen.

Als Grund für den Ausstieg gibt die Allianz eine Neuausrichtung ihrer Tochter Allianz X an. Allianz X wandelte sich vom Inkubator zu einem Venture-Capital-Investor, der einen anderen strategischen Investor für Abracar suchte. Die Suche sei zwar, wie Deutsche-startups.de berichtet, erfolgreich gewesen. Aber die beteiligten Parteien bekamen den Deal vor der Coronakrise nicht mehr unter Dach und Fach. Also zog die Allianz kurzfristig den Stecker.

Geschäftsbetrieb wird zum 31. Mai eingestellt

Die offizielle Mitteilung der Allianz X lautet: „Die Allianz X überprüft ihr Portfolio an Beteiligungen und damit verbundenen Leistungsangebote regelmäßig. In unserer Funktion als strategische Beteiligungsgesellschaft der Allianz sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass der strategische und wirtschaftliche Beitrag von Abracar zum Kerngeschäft der Allianz überschaubar geblieben ist. Deswegen haben wir uns entschieden, keine weiteren Investitionen in die Entwicklung von Abracar vorzunehmen und das Angebot einzustellen.“

Weiter heißt es: „Der Geschäftsbetrieb wird zum 31. Mai 2020 vollständig eingestellt. Die Liquidation wird dann voraussichtlich im Frühjahr 2021 abgeschlossen sein. Den Rückzug aus diesem Geschäft geht die Allianz verantwortungsvoll an. Wir fahren das Geschäft mit ruhiger Hand zurück und werden dabei durch das Team und die Gründer des Unternehmens weiter mit hohem Engagement unterstützt. Dafür sind wir dankbar.“

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Über den Autor

 Silvia Lulei

Silvia Lulei

Chefredakteurin »Gebrauchtwagen Praxis«, Vogel Communications Group