IAA Transportation Ausbau der Infrastruktur ist zwingend für den Antriebswandel

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Nutzfahrzeugbranche soll klimaverträglicher werden. An Modellen mit alternativen Antriebskonzepten auf Strom- und Wasserstoff-Basis herrscht kein Mangel, wie sich aktuell auf der IAA Transportation zeigt. Was fehlt, ist eine alltagstaugliche Infrastruktur.

Hildegard Müller, die Präsidentin des Herstellerverbands VDA, sieht die Nutzfahrzeugbranche auf dem Weg zur Klimaneutralität. Hemmend wirke derzeit die dürftige Ladeinfrastruktur für alternativ angetriebene Lkw.(Bild:  Messe Hannover)
Hildegard Müller, die Präsidentin des Herstellerverbands VDA, sieht die Nutzfahrzeugbranche auf dem Weg zur Klimaneutralität. Hemmend wirke derzeit die dürftige Ladeinfrastruktur für alternativ angetriebene Lkw.
(Bild: Messe Hannover)

Die Nutzfahrzeugindustrie sieht sich beim Umstieg auf klimafreundliche Antriebe durch den schleppenden Ausbau der Infrastruktur deutlich ausgebremst. „Europaweit mangelt es noch immer an Lade- und Wasserstofftankinfrastruktur mit den begleitenden Energienetzen. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist riesig“, teilte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, zur Eröffnung der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover mit.

Knapp 30 Prozent der CO2-Emissionen auf Europas Straßen entfallen Müller zufolge auf den Schwerlastverkehr. Das Potenzial sei enorm. Die Industrie habe mit Investitionen und Innovationen Lösungen für die klimafreundliche Mobilität entwickelt. Sie stünden bereit und seien einsatzfähig. Batterieelektrische Lkw kommen auf Reichweiten von bis zu 500 Kilometern, Wasserstoff-Lastwagen kämen aktuell 700 bis 800 Kilometer weit. „Was jetzt fehlt, sind die richtigen Rahmenbedingungen“, sagte Müller.

Die Infrastruktur sei die „zwingend notwendige Voraussetzung“ dafür, dass die Produkte auf die Straße kommen, sagte Müller. Die Stromnetze seien aber nicht ausreichend darauf vorbereitet. Die Politik stehe nun in der Bringschuld: „Wir brauchen einen Infrastruktur-Turbo und eine realistische Bestandsaufnahme in Deutschland und Europa.“

Aus Sicht des VDA geht es dabei nicht nur um zusätzliche Ladepunkte, sondern auch um deren Leistung. E-Lastwagen im Fernverkehr müssten an besonders leistungsfähigen Ladesäulen laden können, damit ihre Fahrer die gesetzlichen Lenk- und Pausenzeiten einhalten könnten. Der VDA geht für 2030 von einem Bedarf von rund 4.000 solcher Megawatt-Ladepunkte aus. Geplant seien bisher deutlich weniger. In ganz Europa sieht es demnach noch schlechter aus.

Industrie-Allianz für den Wasserstoff-Antrieb

Wenn es um Wasserstoff als Energieträger geht, rückten Industrie und Versorger inzwischen enger zusammen. Daimler Truck, Volvo, Toyota, Bosch sowie mehrere Energie- und Tankstellenunternehmen wollen den Wasserstoff-Lkw in Europa voranbringen. Auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover kündigten die Unternehmen an, Fahrzeuge, Wasserstoffversorgung und Tankstellennetz stärker aufeinander abzustimmen. Das soll den Hochlauf der Technik bis 2030 erleichtern.

Auf Fahrzeugseite bereitet Daimler Truck ab Ende 2026 den Kundeneinsatz einer Kleinserie von 100 Brennstoffzellen-Lkw der nächsten Generation vor. Zudem sollen 2027 erste Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor auf den Markt kommen. Auch Volvo arbeitet sowohl an Brennstoffzellen- als auch an Wasserstoff-Verbrennungsmotoren. Für einen wirtschaftlichen Betrieb müssten allerdings sowohl Fahrzeug- als auch Kraftstoffkosten sinken, so die Branche. Zudem fordert die Industrie unter anderem Förderprogramme, Mautvorteile für emissionsfreie Fahrzeuge und einen beschleunigten Ausbau der Tankstelleninfrastruktur.

Neuheiten zeigen Abkehr vom Diesel-Antrieb

Dass sich die Nutzfahrzeugbranche bewegt, zeigt sich deutlich an den Ständen der Aussteller. Vor allem bei kleinen und mittelgroßen Transportern wächst die Auswahl von zudem antriebstechnisch deutlich gereifteren Modellen. Die IAA ist Bühne für über 150 Premieren – und deren Schwerpunkt sind neue Stromer. Dazu gehört auch der neue Trafic E-Tech Electric von Renault. Der im Frühjahr 2027 in Deutschland startende Franzose basiert auf einer eigens für Elektrofahrzeuge entwickelten Plattform, mit der Renault erstmals auf eine 800-Volt-Architektur setzt. Mit 81-kWh-Batterie sind bis zu 470 Kilometer WLTP-Reichweite drin, im Stadtverkehr sogar rund 600 Kilometer.

Wie dynamisch sich der Markt entwickelt, zeigt auch Kia. Bereits vor zwei Jahren präsentierten die Koreaner mehrere Studien ihrer neuen elektrischen Nutzfahrzeugfamilie PBV. Nun feiert in Hannover der PV7 seine Weltpremiere feiert. Das bis zu 5,35 Meter lange Modell wird 2027 oberhalb des bereits verfügbaren PV5 positioniert und richtet sich vor allem an Logistikunternehmen und Handwerksbetriebe. Auch die chinesische Geely-Nutzfahrzeugmarke Farizon zeigt Elektrotransporter für urbane und regionale Einsätze.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Und dann sind da ja noch die Anbieter, die schon länger Elektro im Angebot haben. Ford deckt mit E-Transit und E-Transit Custom wichtige Transporterklassen elektrisch ab, Maxus bietet mit seiner E-Deliver-Familie ein breites Größenspektrum. Hinzu kommen die zahlreichen Elektrotransporter des Stellantis-Konzerns, darunter Citroën Berlingo und Jumpy, Opel Combo und Vivaro sowie Peugeot Partner und Expert.

Bilger: Konkrete Umsetzung beginnt

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger verwies auf den geplanten Ausbau der Infrastruktur. In Deutschland seien bereits mehr als 14.000 mittlere und schwere Nutzfahrzeuge täglich im Einsatz. „Wer laden will, muss laden können“, sagte der CDU-Politiker. Entlang der Autobahnen werde man ein Schnellladenetz für E-Lkw aufbauen. So soll die Grundversorgung sichergestellt werden. An 124 unbewirtschafteten Rastanlagen beginne nun die konkrete Umsetzung.

Zugleich setze die Bundesregierung nicht auf eine einzelne Antriebstechnik. Gefördert werden demnach auch mindestens 35 Wasserstofftankstellen und die Anschaffung von rund 500 Nutzfahrzeugen. Das beschleunige den Wandel des Straßengüterverkehrs hin zu klimafreundlichen Antrieben.

Fast 1.600 Aussteller in Hannover

Die IAA Transportation läuft bis Sonntag auf dem Messegelände in Hannover. Dem VDA zufolge sind knapp 1.600 Aussteller vertreten. Mehr als 70 Prozent kommen aus dem Ausland. Besonders stark vertreten seien in diesem Jahr Aussteller aus China, der Türkei und Italien.

Im Mittelpunkt der Messe stehen Zukunftsthemen der Branche: Das sind vor allem alternative Antriebe wie Elektromotoren und Brennstoffzellen sowie automatisiertes und autonomes Fahren. In den kommenden Tagen präsentieren die Aussteller mehr als 150 Weltpremieren und Neuheiten. Nach VDA-Angaben stehen für Besucher auch mehr als 80 Fahrzeuge für Probefahrten bereit.

(ID:50954505)