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Auto-Manager erwarten zeitnahen Konkurs mindestens einer großen Marke

| Autor: Andreas Grimm

Wettbewerb bedeutet immer auch Verdrängung. Für die aus verschiedenen Richtungen unter Druck geratene Automobilindustrie bedeutet das nichts Gutes. Selbst die eigenen Führungskräfte erwarten, dass eine größere europäische Automarke verschwinden wird.

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Die Autobauer fahren derzeit stürmischen Zeiten entgegen.
Die Autobauer fahren derzeit stürmischen Zeiten entgegen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der Umbruch in der Automobilindustrie wird in absehbarer Zeit mindestens einem europäischen Hersteller das Genick brechen. Das zumindest prognostiziert die Studie „The Innovation Race“, die Herausforderungen und Chancen für die europäischen Automobilhersteller untersucht hat. Befragt wurden dafür 300 Führungskräfte von Automobilherstellern und Großzulieferern. 52 Prozent von ihnen glauben, dass eine etablierte Marke binnen drei Jahren vom Markt verschwinden wird. Welcher Hersteller besonders gefährdet sein könnte, ermittelte die Studie allerdings nicht. In Auftrag gegeben hat die Untersuchung Protolabs, ein Hersteller von individuell gefertigte Prototypen und Kleinserienteilen.

Eine Ursache für den Niedergang sehen die Befragten in einem Absatzverlust der europäischen Autobauer zugunsten nordamerikanischer und vor allem asiatischer Marken. Diese Entwicklung wiederum werde getrieben von Technologiesprüngen bei Elektroautos und autonomen Fahrzeugen. Entsprechend erwarten 52 Prozent der Befragten, dass ein neuer Wettbewerber auftritt, der das Rennen um die Gunst der Kunden mit einer revolutionären Antriebstechnologie/Fahrzeugart in den nächsten drei Jahren massiv verändern wird. Mehrheitlich sind die Befragten zudem der Meinung, dass das traditionelle motorgetriebene seinen Nachfragehöhepunkt erreicht habe.

Weiterhin geben sich die Befragten überzeugt, dass Themen wie Umweltschutz oder Verkehrsberuhigung in den Innenstädten zu einem Umdenken hinsichtlich des Besitzes von Autos und dessen Funktionalitäten führen werden. Entsprechend kommen die Autobauer unter Druck zu reagieren. Entscheidend wird aus Sicht der Experten sein, wie schnell ein Autobauer auf die veränderten Kundenwünsche reagieren und ob er Ideen und Techniken aus anderen Industriezweigen auf das eigene Produkt übertragen kann. Aber auch die kostengünstige Produktion oder der Einsatz wegweisender Technologien bekommen große Bedeutung.

„Regelrechter Sturm“ braut sich zusammen

„In der Automobilbranche scheint sich ein regelrechter Sturm zusammenzubrauen, gefördert durch Handelskriege, der Brexit-Problematik und dem Wettlauf um die Elektrifizierung. Dies bedeutet eine Zeit extremer Veränderungen für die Automobilmarken sowie der gesamten Lieferkette“, fasst Bjoern Klaas, Vice President und Managing Director von Protolabs Europe, die Entwicklung zusammen.

Fast 70 Prozent der Befragten geben entsprechend an, dass sie noch nie unter solch einem großen Innovationsdruck gestanden haben wie heute. Carsharing, Mitfahrdienste, Vermietungs- und Abonnement-Konzepte als Alternative zum Kauf von Fahrzeugen werden dabei als Teil des Umbruchs in der Automobilbranche gesehen. Angesichts der Vielzahl der Veränderungen sind zwei Drittel der Befragten der Meinung, dass ihr Unternehmen ohne eine starke Forschungs- und Entwicklungsabteilung nicht mehr existieren könnte.

Für die Automobilindustrie kommt es nun darauf an, Wege zu finden, um Innovationen schneller als bisher in die Serie zu bekommen. Gleichzeitig gilt es, kreative Mitarbeiter zu finden und zu entwickeln, die sich ändernde Kundenwünsche erkennen und berücksichtigen können. Dazu müssen die Autobauer auch immer mit neuen Partnern und Lieferanten zusammenarbeiten, um die erforderlichen Kompetenzen bereitzustellen.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«