Auto Metzner entwickelt sich zielstrebig zum Erfolg

Start-up aus Langquaid kommt in die Top Ten des deutschen Werkstattpreises 2019

| Autor: Ottmar Holz

„Hier steht mein Name drauf, und da kommt auch sonst nichts hin“: Der Betrieb der Metzners ist ein echter „Freier“ und gehört keinem Werkstattsystem an.
„Hier steht mein Name drauf, und da kommt auch sonst nichts hin“: Der Betrieb der Metzners ist ein echter „Freier“ und gehört keinem Werkstattsystem an. (Bild: Holz / »kfz-betrieb«)

Katja und Thomas Metzner haben bei der Gründung ihres Betriebes nichts dem Zufall überlassen. Das heikle Thema Standortwahl fiel den beiden relativ leicht. Sie sind gebürtige Leipziger, die im Großraum Regensburg arbeiteten. Sie hatten daher keine lokalen Präferenzen wie so mancher dort gebürtige Ortsansässige. Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, hatte einen eher ungewöhnlichen Grund. „Drei kleine Kinder, berufstätig, aber keine Oma vor Ort? Das klappt nicht als Angestellte in Bayern – und daher beschlossen wir, uns selbstständig zu machen,“ berichtet Katja Metzner. „Mein Mann macht die Werkstatt, ich das Ganze drumherum – das war der Plan.“

Ihre Wahl fiel auf Langquaid, eine Marktgemeinde 30 Kilometer südlich von Regensburg. Sie hat über 5.500 Einwohner, aber nur eine andere kleine Kfz-Werkstatt vor Ort. 2009 war es dann soweit: Die Metzners eröffneten ihre Zwei-Bühnen-Werkstatt. „Ursprünglich wollten wir uns direkt dahinter ein Wohnhaus hinstellen, ist ja ein Mischgebiet hier,“ führt Frau Metzner aus. Doch schon nach kurzer Zeit war diese Planung nur noch Makulatur. „Wir wurden geradezu überrannt und mussten schon nach drei Jahren eine deutlich größere Werkstatthalle auf die für das Wohnhaus reservierte Fläche stellen.“

Die niederbayrischen Kunden sind regional treu, Schierling, das nächste Dorf, ist nur knapp sieben Kilometer weit weg, liegt jedoch schon im Regierungsbezirk Oberpfalz. „Hier erledigt jeder gern seine Geschäfte in Sichtweite zum örtlichen Kirchturm,“ beschreibt Thomas Metzner die lokale Einstellung zum Thema Werkstattwahl. Mit dieser Einschätzung liegt er goldrichtig: „Es ist nah, und ich bekomme hier für mein Auto genau den Service, den ich brauche,“ beantwortete ein Kunde, der zufällig während des Jurybesuchs seinen 5er BMW der aktuellen Baureihe abholt, die direkte Nachfrage eines Jurymitglieds. Inzwischen hat Metzner schon die knappe Hälfte der Dorfbewohner in der Kundenkartei. Diese machen damit den Löwenanteil des Kundestamms aus. Doch auch aus seinem früheren Beschäftigungsverhältnis sind Meister Metzner Dutzende Kunden gefolgt.

Neukunden gewinnt die Firma mittlerweile fast schon von allein. „Mundpropaganda bringt uns die meisten Neukunden“, ist sich Katja Metzner sicher. „Und dann ist da natürlich noch unsere Waschanlage.“ Das hauseigene Waschportal war von Anfang an zentraler Bestandteil des mit den geldgebenden Banken geplanten Businessplans. Der Plan ging auf, zumal Thomas Metzner bei der Auswahl des Waschportals mit Gelenkbürsten preislich vornherein in die Vollen gegangen war. Die Anlage half bei der Überwindung der immer vorhandenen Schwellenangst gegenüber völlig neuen Betrieben. Nach einer HU, einem Kundendienst oder größeren Reparaturen übergibt Metzner dem Kunden ein frisch gewaschenes Auto – unüblich für „die kleine Freie auf dem Land“.

An den Preisen hat er in zehn Jahren nicht gedreht, zu wertvoll ist ihm der zusätzliche Kundenstrom. Die Metzners sehen die Anlage mittlerweile nicht mehr in erster Linie als Ertragsbringer, sondern vielmehr als Kundenbagger und Kundenbindungsinstrument. Die gezielte Akquise von Firmenkunden steht nicht auf der Agenda von Thomas Metzner. Beim Bau der Werkstatt hat er trotzdem darauf geachtet, die Gewerke lokal zu vergeben. Auch das zahlt sich jetzt aus.

Hausgemachte Werbung

Natürlich nutzt der Betrieb auch die üblichen Werbemedien wie das lokale Anzeigenblatt „Labertal Gschichten“. Bei der Anzeigengestaltung wird es jedoch schon wieder ganz speziell: Die macht Frau Metzner nämlich selbst. Die gelernte Kosmetikerin hat sich im Lauf der Jahre zum Wirtschaftsfachwirt weitergebildet – und ist an der IHK inzwischen ehrenamtlich als Prüferin für Wirtschaftsfachwirte aktiv. Sie könnte ihre Brötchen mit Sicherheit genauso gut in einer Werbeagentur verdienen, denn sie besitzt ein sehr stilsicheres Händchen für Design und Farbgebung. So gestaltete sie nicht nur eine hochprofessionelle 16-seitige Imagebroschüre über das Leistungsangebot der eigenen Firma, sondern entwarf auch gekonnt die Farb- und Formensprache des kleinen Unternehmens. So zahlt bereits das dynamische Firmenlogo – eine Hand, die einen Gabelschlüssel umschlossen hält – auf die ideellen Unternehmenswerte ein. Besonders lobenswert: Auf einer der 16 Seiten animiert die junge Familie dazu, das Auto auch mal stehen zu lassen und mit dem Fahrrad zu fahren – ein Nachhaltigkeitsbewusstsein, das man in der Branche leider nur selten antrifft.

Viel Liebe zum Detail verrät auch die responsive Website des kleinen Servicebetriebs. Klar erkennbar auch hier: die Handschrift von Katja Metzner. Dort kann sich ein potenzieller Neukunde bequem vom Sofa aus über das Leistungsspektrum informieren, egal mit welchem Endgerät er die Webseiten betrachtet. Das Team um Meister Metzner hat einiges zu bieten: Inspektionen und Klimawartungen macht eigentlich jeder. Doch Automatikgetriebespülungen und Schaltgetriebeinstandsetzung erfordern eine kundige Hand. Hier gibt der Firmenchef unumwunden zu, sich auf deutsche Fahrzeuge zu fokussieren – schon allein weil er sich die Meisterwürden in einem Audi-Betrieb in der Nähe erworben hat.

Qualität hat ihren Preis

Die Metzners haben zwar den Preis der Waschanlage konstant gehalten. Beim Stundenverrechnungssatz hingegen liegen sie selbstbewusst eher am oberen Ende der für Freie üblichen Preisspanne. In die Preisdiskussion geraten die Firmeninhaber trotzdem eher selten – wohl auch weil Katja Metzner die Kundenberatung mit einfachen Worten gekonnt beherrscht. Daher verstehen die Kunden den Sinn der Arbeiten, und auch den damit verbundenen Aufwand. Die Mehrerlöse investieren die Metzners vorrangig in die Belegschaft. Um gutes Personal nicht an die umliegenden Großbetriebe zu verlieren, obwohl sie gehaltstechnisch wenig entgegensetzen können, spielen sie gekonnt auf der Zusatzleistungsklaviatur. So gibt es schon mal einen Firmenwagen oder eine Tankkarte als Bonus obendrauf. Und da Geld nicht alles ist, haben die Metzners auch die Work-Life-Balance gegen den Markttrend verbessert: Der Betrieb schließt am Freitag um 13 Uhr. Und das kommt wiederum den Kindern der Firmeninhaber zugute, um derentwillen der Betrieb ja seinerzeit gegründet wurde.

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