Autohaus Böttche: Der Senkrechtstarter

Autor / Redakteur: Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Den 3. Platz beim diesjährigen Vertriebs Award schaffte Mario Böttche – er baute innerhalb weniger Jahre eine veritable Autohausgruppe in Brandenburg und Sachsen-Anhalt auf.

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Einladend präsentiert sich das Autohaus Böttche im Norden der Stadt Brandenburg.
Einladend präsentiert sich das Autohaus Böttche im Norden der Stadt Brandenburg.
(Foto: VBM)

Der Automobilhandel gilt nicht unbedingt als eine Branche, in der man schnell erfolgreich werden kann. Meist dauert es viele Jahre, bis sich ein Unternehmen am Markt etabliert hat. Und noch viel schwerer ist es für einen Autohausunternehmer, zu expandieren und dabei noch ertragreich zu bleiben. Genau dieser Spagat ist Mario Böttche gelingen. Der heute 38-jährige Unternehmer machte sich Mitte der neunziger Jahre nach seiner Lehre als Kfz-Mechatroniker mit einer kleinen Werkstatt selbstständig. Standort war der Hof der Großeltern in einem kleinen Ort in Brandenburg. „Das lief ganz gut, sodass wir es uns bald auch leisten konnten, mit einem Gebrauchtwagenhandel anzufangen. Natürlich ganz klein, da kein Geld da war“, erzählt Böttche.

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Eine weitere Werkstatt und die ersten Mitarbeiter kamen bald dazu. Aus einer Insolvenz übernahm Böttche kurz darauf ein weiteres Betriebsgelände in der Nähe und errichtete dort die nächste Werkstatt. Eine vertragliche Bindung mit einem Hersteller wollte er damals nicht eingehen, da ihm das Geld fehlte, um die Standards der Hersteller erfüllen zu können. So spezialisierte er sich auf hochwertige Gebrauchtwagen. Böttche baute sich damit in der Region systematisch einen guten Ruf auf: Die Kunden wussten, dass sie nicht nur interessante Fahrzeuge bei ihm erwerben konnten, sondern dass er auch alle anfallenden technischen Probleme beheben konnte. Denn im Gegensatz zu vielen anderen freien Gebrauchtwagenhändlern legte Böttche von Anfang an Wert darauf, seine Werkstatt mit der neuesten Diagnosetechnik auszustatten.

Von der Werkstatt zum Handel

Eine zusätzliche Einkaufsquelle erschloss sich ihm, als er für Volkswagen in Insolvenzfällen tätig werden konnte. „Ich habe damals Pech- und Pleiten-Autos aus ganz Deutschland aufgekauft. Das lohnte sich. Ich hatte somit eine gute Einkaufsquelle, um weiter expandieren zu können“, erzählt Böttche.

Und im Jahr 2007 war es dann soweit: Böttche startete sein zweites unternehmerisches Leben als Fabrikatshändler. In Belzig war 2003 ein Opel-Händler in die Insolvenz gegangen und Böttche konnte den Betrieb übernehmen. Für ihn bot sich damit die Gelegenheit, aus dem kleinen Ort Brück in die Kreisstadt Belzig mit einem deutlich größeren Kundenpotenzial zu ziehen. Auch wenn Opel ihm damals erst einmal keinen Händlervertrag anbot, griff Böttche zu. In den neuen Betrieb verlegte der umtriebige Unternehmer die Zentrale seiner kleinen Gruppe, die inzwischen aus drei Betrieben bestand.

Schlag auf Schlag folgten in den Jahren darauf weitere Übernahmen aus Insolvenzen und Schieflagen. Heute betreibt der Händler acht Betriebe in Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Um Autohäuser übernehmen zu können, braucht ein Unternehmer viel Geld – oder aber Banken, die ihm vertrauen, sodass sie ihm das erforderliche Kapital vorschießen. Böttche hatte in den vergangenen Jahren den notwendigen Vertrauensvorschuss bei seinen Kreditgebern aufgebaut. Er hatte gezeigt, dass er die übernommenen Betriebe auf Erfolgskurs bringen konnte. Um diesen Weg auf Dauer halten zu können, musste er auch seine Mitarbeiter und Kunden überzeugen. In den übernommenen Betrieben fand Böttche immer wieder ein ähnliches Bild vor: nicht fertiggebaute Autohäuser, vernachlässigte Bausubstanz und Ausstattung sowie demotivierte Mitarbeiter. Die betreffenden Autohäuser hatten meist schon eine langjährige Verlustkarriere hinter sich. Das prägt die Atmosphäre und das Verhalten der Mitarbeiter. „Wenn mir jahrelang gepredigt wird, wie schlecht wir alle arbeiten, dann färbt das ab, und ich lasse es meine Kunden spüren“, ist sich der Autohändler sicher.

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