Autohaus Glinicke wird 80
Das Autohaus Glinicke in Kassel feiert einen 80. Geburtstag. Das im Jahr 1930 geründete Familienunternehmen vertritt heute neun Marken an 16 Standorten in drei Bundesländern. Mit einem Jahresabsatz von rund 20.000 Autos zählt es zu den Top 20 der deutschen Autohandels-Szene.
Das traditionsreiche VW-Autohaus Glinicke in Kassel feiert dieser Tage seinen 80. Geburtstag. Das im Jahr 1930 gegründete Familienunternehmen rangiert heute unter den Top 20 im deutschen Autohandel. Die Kasseler Autohandels-Gruppe betreibt derzeit 16 Autohäuser in drei Bundesländern und beschäftigt insgesamt 827 Mitarbeiter/innen. Das breitgefächerte Markenprotfolio umfasst die Fabrikate VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi, Skoda, Jaguar, Land Rover, Peugeot, Porsche, Hyundai sowie einen Seat-Service-Vertrag. An der Spitze des Familienunternehmens steht seit über 50 Jahren Senior-Chef Peter Glinicke (78).
In den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres verkaufte die Glinicke-Gruppe eigenen Abgaben zufolge insgesamt 3.712 Neu- und 3.554 Gebrauchtwagen. Damit habe man die Verkaufszahlen annähernd auf dem starken Niveau des Vorjahreszeitraums halten können, so Junior-Chef Florian Glinicke. „Insbesondere bei den Marken Audi, VW, Porsche und Jaguar/Land Rover hat die Kaufzurückhaltung von Privat- und Geschäftskunden offenbar ein Ende“, sagt der 39-Jährige, der im Zuge des Generationenwechsels Schritt für Schritt mehr Verantwortung in der Kassler Firmenzentrale übernimmt. Mit insgesamt rund 20.000 verkauften Neu- und Gebrauchtwagen sowie deutlichen Zuwächsen im Servicegeschäft hatte die Unternehmensgruppe im Geschäftsjahr 2009 einen Gesamtumsatz von 365 Millionen Euro erzielt.
Zukunftsfit mit „schlanken Strukturen“
„Mit einer neuen, schlanken Unternehmensstruktur haben wir unser Unternehmen fit für die Zukunft gemacht“, betont Senior-Chef Peter Glinicke. Seit vergangenem Jahr vernetzen zwei hauseigene Regionalleiter die Glinicke-Standorte markenübergreifend. „Um die Marktausschöpfung in Service und Verkauf zu verbessern, haben wir eine „small commercial“-Gebietsbearbeitung eingeführt, die eine systematische Marktbearbeitung gewährleistet und auch kleineren Firmen eine optimale Preisstruktur und Betreuung im Firmenfahrzeug-Sektor garantiert“, so Glinicke weiter.
Das nächste Jahrzehnt werde durchgreifende Veränderungen für den Automobilhandel bringen. Nicht das eigene Auto, sondern „Mobilität an sich“ wird mehr und mehr in den Vordergrund rücken, ist sich Junior-Chef Florian Glinicke sicher. „Wir sehen uns als Mobilitätsdienstleister, der seine Marktposition auch in Zukunft mit innovativen Ideen und einem Höchstmaß an Serviceorientierung und Kundenzufriedenheit behaupten wird.“ In ganz naher Zukunft wird erst einmal gefeiert. Zum 80-jährigen Firmenjubiläum soll es verschiedene Aktionen, Events und spezielle Angebote für die Kunden geben – unter anderem einen Familientag zur Einführung des neuen VW-Sharan.
Startschuss im Krisenjahr 1930
Gegründet wurde das Familienunternehmen im Wirtschaftskrisenjahr 1930 von Hans Glinicke. Der junge Mann aus Kassel, der bis dahin als Angestellter Lanz-Traktoren verkauft hatte, wagt mit einem geborgten Startkapital von 30.000 Reichsmark den Sprung in die Selbstständigkeit und eröffnet sein erstes Autohaus in der Kassler Goethe Straße. Dort verkauft und repariert er Autos der Marken Hanomag, Adler, und Magirus sowie DKW-Motorräder.
Nach der kompletten Zerstörung des Kasseler Autohauses im zweiten Weltkrieg werden bei Glinicke zeitgleich mit der Währungsreform 1948 die Weichen für die Zukunft gestellt. Noch im gleichen Jahr erhält Hans Glinicke einen VW-Händlervertrag. 1950 kommt die Partnerschaft mit Porsche zustande. 1958 tritt Peter Glinicke das Erbe seines Vaters an und wird neuer Chef des Autohauses. 1976 wird die Marke Audi in die VW-Organisation integriert. Zeitgleich erhalten alle Betriebe der Unternehmens-Gruppe die Vertriebsrechte für Audi.
Zwischen erfolg und Misserfolg
Der nächste große Wachstumsschub kommt mit der „Wende“ in der DDR. Bereits im August 1990, nur neuen Monate nach dem Fall der Berliner Mauer und ein paar Wochen nach der Währungsunion, eröffnet Peter Glinicke im thüringischen Erfurt ein Autohaus für die Marken VW, Audi und Skoada. Später kommen Standorte in Bad Langensalza und Weimar dazu. Auf Thüringer „Neuland“ probiert der Kasseler Vollblut-Unternehmer erstmals ein Konzept aus, das zum echten Erfolgsmodell wird: In unmittelbarer Nähe zu seinen Autohäusern siedelt er Einkaufsmärkte an, die als „Frequenzbringer“ potenzielle Kunden anziehen.
2000 wächst die Kassler Unternehmens-Gruppe auch im Westen über alte Grenzen hinaus. Glinicke übernimmt Wehmeier & Castrup, einen ehemaligen VW-Großhändler im nordrhein-westfälischen Bielefeld mit fünf VW- und Audi-Betrieben und einem Porsche-Zentrum. „Bielefeld war mein größter Misserfolg“, resümiert der Senior-Cchef heute. Von den VW/Audi-Autohäusern in Bielefeld hat er sich mittlerweile mit Schmerzen getrennt. Das Porsche-Zentrum Bielefeld dagegen läuft weiter erfolgreich unter dem Dach der Glinicke-Handelsgruppe.
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