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Autohaus Thüllen – seit 100 Jahren Autos in Aachen

| Autor: Jens Rehberg

Die Thüllen-Gruppe ist ein Autohandelsunternehmen mit einem Absatzvolumen von 5.000 Einheiten. Dennoch pflegt Esko Thüllen die Kernwerte, die das Familienunternehmen viele Jahrzehnte lang ausgemacht haben.

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Blick in den ehemaligen Thüllen-Betrieb an der Bendstraße 1952.
Blick in den ehemaligen Thüllen-Betrieb an der Bendstraße 1952.
(Bild: Autohaus Thüllen)

Nicht mal zwei Prozent aller aktiven deutschen Unternehmen werden 100 Jahre alt. Und diejenigen, die es schaffen, sind zumeist in Branchen unterwegs, in denen es selten technische Umbrüche gibt. Das kann man nun vom Kfz-Gewerbe nicht gerade behaupten. Deshalb ist es immer etwas Besonderes, wenn ein Autohaus und die entsprechende Unternehmerfamilie es schafft, sich Generation um Generation den immer wieder wechselnden Mobilitätsbedürfnissen zu stellen und die passenden Angebote zu machen.

Franz Thüllen jedenfalls startete 1919 in der Klausener Straße 19 in Aachen-Burtscheid mit einem Fuhrunternehmen. Und da es damals üblich war, sich tendenziell eher breiter aufzustellen als spitz auf einer klar eingegrenzten Zielgruppe aufzusetzen, ließ der Jungunternehmer auch gleich noch eine Reparaturwerkstatt sowie eine Fahrschule mit in das behördliche Register eintragen.

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Ein Jahr nach der Gründung trat der Großvater des heutigen geschäftsführenden Inhabers, Esko Thüllen, in das Unternehmen seines Bruders ein. Etwas später verstärkte ein dritter Bruder das Mobilitäts-Startup. Ansonsten ist – bis auf den Abschluss erster Händlerverträge 1929 (Chevrolet) und 1935 (Opel) – über die Anfangszeit des Aachener Kfz-Betriebs wenig bekannt. Denn es sind keine Dokumente mehr erhalten, die gesichert und detailliert Auskunft über die geschäftlichen Aktivitäten des Autohauses geben könnten – 1944 schlug mitten auf dem Betriebshof eine Bombe ein, deren Sprengkraft so stark war, dass ein dort abgestellter Lkw auf das Werkstattdach geschleudert wurde. Im Zuge dieses Angriffes wurde unter anderem das Firmenarchiv zerstört. Zumindest wurde kein Mitarbeiter verletzt, da der Bombenabwurf nachts stattfand.

Großhändler über Nacht

Ein entscheidender Meilenstein für das Unternehmen nach den schweren Kriegsjahren war die Übernahme der Opel-Werksniederlassung in Aachen 1951 – der große Betrieb wurde zunächst gepachtet und schließlich 1954 gekauft. Damit wurde Thüllen quasi über Nacht zum Kfz-Großhändler. Tausende Opel-Pkw wurden fortan jährlich von Thüllen im ganzen Regierungsbezirk Aachen ausgeliefert. Da das damals noch ohne EDV abgewickelt wurde, mussten die Inhaber auf einmal das Vielfache des bisherigen Mitarbeiterstandes führen – Esko Thüllen schätzt, dass es in den frühen 1950er Jahren um die 200 Beschäftigte gewesen sein müssen.

Weil einer seiner beiden geschäftsführenden Onkel schwer erkrankte, musste Esko Thüllens Vater 1964 früher als geplant Verantwortung in dem Familienunternehmen übernehmen. Kaum eingearbeitet, hatte Theo Thüllen den nächsten großen Umbruch in der Unternehmenshistorie zu managen: Rüsselsheim krempelte sein Vertriebsnetz um und kassierte in diesem Zug das Großhändlersystem. Damit wurde Thüllen wieder zum ganz normalen Autohaus, das an Privat- und Gewerbekunden verkaufte.

Zahlreiche B-Händler bestellten nun nicht mehr bei Thüllen, sondern bei Opel, was eine umfangreiche Neuorganisation des Autohauses notwendig machte. Etwa in diese Zeit fiel auch die erste Übernahme eines Kfz-Betriebs in Jülich aus einer Insolvenz heraus. Was heute eine fast alltägliche Expansionsmaßnahme in der Branche darstellt, wurde damals von den deutschen Herstellern höchst ungern gesehen. „Es galt die Devise: Ein Standort, ein Händler“, erzählt Esko Thüllen.

1973 baute Thüllen am Rotter Bruch in Aachen seinen bis heute bestehenden Hauptsitz neu auf. Der Hauptstandort wurde nicht zuletzt deswegen an den neuen Standort verlegt, weil das Gebrauchtwagengeschäft als neues strategisches Geschäftsfeld nach ausgedehnten Flächen verlangte. „Dass das Gebrauchtwagengeschäft auch ein Profitcenter sein könnte, auf den Gedanken kam in den frühen 1970ern in Deutschland kaum einer“, so Esko Thüllen. Sein Vater hatte zuvor in den USA gelernt, wie man erfolgreich mit Gebrauchten handelt. „Hierzulande war man froh, wenn man den Wagen zum Hereinnahmepreis wieder vom Hof bekam.“ Auch ein systematischer Zukauf war damals keine gängige Praxis. Auch heute noch spielt das Gebrauchtwagen-Geschäft bei Thüllen eine zentrale Rolle – der Großteil der vor Ort verfügbaren Fahrzeuge steht in der Halle.

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Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«