Autoindustrie vor langem Marsch durch „Margenwüste“

Autor: Christoph Baeuchle

Die guten Zeiten der Automobilindustrie scheinen zunächst zu Ende. Steigende Investitionen in E-Mobilität und autonomes Fahren sowie eine rückläufige Nachfrage bringen Hersteller und Zulieferer in eine schwierige Lage.

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Verfahrene Situation: Hersteller und Zulieferer stehen in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen.
Verfahrene Situation: Hersteller und Zulieferer stehen in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen.
(Bild: Land Rover)

In der Automobilindustrie wechselt in diesem Jahr das Vorzeichen: Nach jahrelangem Wachstum gehen Hersteller und Zulieferer in eine Phase der Stagnation. Damit verbunden sind rückläufige Umsätze und sinkende Margen. So fasst das Beratungsunternehmen Alix Partners in seiner Studie „Global Automotive Outlook 2019” die Perspektiven zusammen.

Für Europa erwarten die Experten in den nächsten Jahren stagnierende Märkte, für Nordamerika und China sogar einen deutlichen Nachfragerückgang. Die Absatzschwäche fällt zusammen mit einem massiven Investitionsbedarf: In den Technologiewandel zur Elektromobilität und den damit geplanten 300 neuen E-Fahrzeugen sowie das autonome Fahren investieren Hersteller und Zulieferer bis 2023 laut Berechnung von Alix Partners über 245 Milliarden Euro.

Entsprechend bleiben die guten Margen nach Einschätzung der Berater in den nächsten Jahren auf der Strecke. Die Entwicklung zeichnet sich bereits ab: Lagen 2017 die Ebit-Margen bei den Top-25-Herstellern noch bei durchschnittlich 5,7 Prozent, sanken sie im folgenden Jahr auf 4,6 Prozent. Etwas geringer fiel der Rückgang bei den Top-50-Zulieferern aus: Das Ebit sank binnen Jahresfrist von 7,7 (2017) auf 6,9 Prozent (2018). Alix Partners rechnen nun mit zunehmenden Partnerschaften und Fusionen, um die Kosten zu teilen.

Elmar Kades, Autoexperte bei Alix Partners, sieht die Autoindustrie vor einer Durststrecke: „Das gleicht einem Marsch durch die Wüste.“ Nach Einschätzung seines Kollegen Jens Haas bringt die Entwicklung „viele Marktteilnehmer an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit“. Die massiven strukturellen Marktveränderungen würden auch zu erheblichen Einschnitten im weltweiten Produktionsnetz führen.

„Das Ende des Diesels erscheint mittlerweile als ein realistisches Szenario“

Bis sich die Investitionen in die neuen Technologien für die Hersteller auszahlen, brauche es Zeit. „Klar ist aber auch“, so Kades, „die massiven Investitionen sind unausweichlich, denn die Autohersteller können die strikten CO2-Vorgaben der EU nur durch den konsequenten Ausbau elektrischer Antriebe in ihrer Fahrzeugflotte einhalten.“

In China stieg der Absatz von E-Fahrzeugen von 2017 bis 2018 um 62 Prozent von 0,8 Millionen auf 1,3 Millionen Stück. Alix Partners vermutet, dass bereits 2020 die Marke von zwei Millionen geknackt werde. In den folgenden fünf Jahren dürfte sich dann die jährliche Steigerung bei rund 18 Prozent einpendeln.

Beim Diesel geht es in die andere Richtung: Von 2015 bis 2030 geht der Marktanteil des Selbstzünders in Frankreich (-81 %), Großbritannien (-79 %) und Deutschland (-73 %) kräftig zurück. „Das Ende des Diesels erscheint mittlerweile als ein realistisches Szenario. Wir gehen im Jahr 2030 für Europa davon aus, dass nur noch jedes zehnte neu verkaufte Fahrzeug einen Dieselantrieb haben wird“, prognostiziert Haas. Die reinen Benzinmotoren würden bis dahin noch ein Drittel des Marktes ausmachen.

Für die Studie „Global Automotive Outlook 2019” hat Alix Partners in den vergangenen Monaten die Bilanzen von mehr als 300 Herstellern und Zulieferern ausgewertet sowie Experteninterviews und Verbraucherumfragen durchgeführt.

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Über den Autor

 Christoph Baeuchle

Christoph Baeuchle

Chefreporter Automobilwirtschaft & Politik/Verbände